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25. März 2016

Nachgefragt: Energiezukunft – quo vadis?

Das neue Energiezeitalter kommt – davon ist Professor Wolfgang Mauch überzeugt. Doch welche Hürden warten noch? Der Leiter der bayerischen Forschungsstelle für Energiewirtschaft über Frühstückseier, CO2-Cards und Spaß beim E-Autofahren.

flow_Das Klimaabkommen von Paris steht – Herr Professor Mauch, kann ein Land wie Österreich überhaupt etwas zum Erreichen dieser Ziele beitragen?

Wolfgang Mauch_Österreich kann mit seinen erneuerbaren Energien, Speichern und Netzen eine zentrale Schnittstelle im Herzen Europas einnehmen. Wichtig ist, dass wir die Potenziale jedes Landes ausnutzen und enger zusammenrücken. Ein Beispiel: In Griechenland geht die Sonne eine Stunde früher auf als bei uns. Gibt es erst mal die nötige Infrastruktur, können wir unser Frühstücksei mit der Kraft der griechischen Morgensonne kochen – und am späten Nachmittag brutzeln wir das Steak auf dem Elektrogrill mithilfe der portugiesischen Abendsonne.

flow_Wann wird diese Energiezukunft Realität? Wie lange dauert es noch, bis 100 % erneuerbare Energien im System sind, E-Autos die Straßen beherrschen und wir alle im Smarthome leben?

Mauch_Leider bin ich kein Hellseher. Fakt ist: Die Energiezukunft wird kommen – doch bis der Wandel auf allen Ebenen umgesetzt ist, kann es noch Jahrzehnte dauern.

flow_Wo sehen Sie die wesentlichen Herausforderungen?

Mauch_Noch werden erneuerbare Energieträger nicht von allen willkommen geheißen. Es gibt Widerstand – etwa wenn es darum geht, einen Windpark zu planen. Zudem verändern Solarkraft und Co die Aufgabenfelder der Energiewirtschaft. Ein Stichwort lautet Flexibilität: Scheint viel Sonne, muss die überschüssige Energie gespeichert oder abtransportiert werden. Für diesen Wandel benötigt es effiziente Speichertechnologien und smarte Netze. Und das braucht Zeit.

flow_VERBUND vollzieht den Wandel vom reinen Stromproduzenten zum Energiedienstleister – der richtige Weg?

Mauch_Ja, denn Energieversorger dürfen nicht stehen bleiben. Vor allem weil die Konkurrenz durch Prosumer, Start-ups und branchenfremde Unternehmen größer wird. Als Dienstleister kann man vieles bewirken – von der Steigerung der Energieeffizienz über die Steuerung von Stromflüssen bis hin zur Bereitstellung intelligenter Anwendungen.

flow_Die Frage nach dem nötigen Angebot wäre also geklärt – doch wie lassen sich Kunden von neuen Technologien begeistern?

Mauch_Zum einen müssen diese Spaß machen. Ich habe mir zum Beispiel ein E-Auto zugelegt. Wer weiß, wie das abgeht, will nichts anderes mehr. Aber dieser Spaßfaktor muss auch kommuniziert werden. Zudem muss es finanzielle Anreize geben. Wird Öl billiger und billiger, reduziert sich der Preisvorteil des Stromantriebs und somit die Bereitschaft, in ein Elektrogefährt zu investieren.

flow_Die Politik ist für diese Anreize zuständig: Welche politischen Maßnahmen wünschen Sie sich noch?

Mauch_Speziell beim Klimaschutz darf die Politik nicht nur den Energieproduzenten auf die Finger schauen. Jeder muss seinen Beitrag leisten. Mein Vorschlag ist eine CO2-Card: Wer die Umwelt übermäßig belastet – sprich mehr CO2-Punkte verbraucht, als auf seinem Konto sind –, soll eine Abgabe leisten. Diese kann danach etwa zur Finanzierung der E-Mobilität genutzt werden. Das ist nur ein Beispiel, aber so würde die Energiezukunft viel schneller an unsere Tür klopfen.

flow_Vielen Dank für das Gespräch!

Ihr wollt mehr über Professor Mauch und die Arbeit der Forschungsstelle für Energiewirtschaft in München erfahren? Dann klickt auf www.ffe.de.


Fotocredit: Forschungsstelle für Energiewirtschaft