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02. Mai 2016

Nachgefragt: Stromhandel im Wandel?

Dem Markt Vertrauen schenken – das ist Robert Spolwinds Rezept für den Stromhandel. Doch was bringt die Energiezukunft? Der Experte von VERBUND Trading über virtuelle Kraftwerke, Emissionszertifikate und klare Spielregeln.

flow_Die Großhandelspreise für Grünstrom sind niedrig wie nie – Herr Dr. Spolwind, wohin wird die Reise gehen?

Spolwind_Die sinkenden Preise sind aktuell natürlich eine große Herausforderung. Die Wurzeln dafür liegen vor allem in der Überförderung erneuerbarer Energien in Deutschland. Ich bin mir aber sicher, dass es aufwärtsgeht – vorausgesetzt, man setzt auf die Selbstheilungskräfte des Markts.

flow_Was macht VERBUND Trading, um schon heute Erfolg zu haben?

Spolwind_Eine unserer zentralen Aufgaben ist es, den Einsatz unserer VERBUND-Kraftwerke optimal zu steuern und den Strom bestmöglich zu vermarkten. Damit das gelingt, screenen wir laufend unser Umfeld und stehen eng mit unseren Kunden in Kontakt. Zudem bieten wir eine breite Palette an Produkten und Dienstleistungen an: Das Spektrum reicht vom Marktzugang für Unternehmen bis hin zu sogenannten virtuellen Kraftwerken.

flow_Ihre Zielgruppen sind neben dem internen Vertrieb auch Großhandelspartner in aller Welt. Worauf legen Kunden besonders viel Wert?

Spolwind_Das Gebot der Stunde ist Flexibilität. Um diesen Wunsch zu erfüllen, arbeiten wir laufend an Innovationen. Ein Beispiel dafür ist der virtuelle Pumpspeicher. In einem virtuellen Speicher wird Energie „gelagert“, um sie im Bedarfsfall wieder abrufen zu können. Kunden erhalten so die flexible Leistung eines Pumpspeichers, ohne in ein eigenes Kraftwerk investieren zu müssen.

flow_Stichwort Flexibilität: Wind- und Sonnenenergie sind schwer steuerbar. Kann der Stromhandel auf diese kurzfristigen Schwankungen überhaupt reagieren?

Spolwind_Ja, und er muss – denn der kurzfristige Kauf und Verkauf von Strom wird immer wichtiger. Wir haben daher bereits 2012 einen Intraday-Desk eingerichtet und sukzessive ausgebaut. Somit können wir proaktiv auf Schwankungen bei der Erzeugung oder beim Bedarf reagieren. Als einer der führenden Stromhändler Europas sind wir auch auf allen Intraday-Märkten im Einsatz, an denen unsere eigenen Kraftwerke vermarktet werden beziehungsweise auf denen unsere Kunden aktiv sind.

flow_Weitere Angebote von VERBUND Trading sind Umweltzertifikate und die Beschaffung von Emissionszertifikaten. Zwei wirksame Mittel für den Klimaschutz?

Spolwind_Umweltzertifikate sind Herkunftsnachweise und ein wesentliches Geschäftsfeld für VERBUND Trading. Unsere Kunden können damit sicher sein, dass sie Energie aus sauberer Wasserkraft bekommen. Emissionszertifikate sind von ihrem Grundanspruch ebenfalls wichtig und als marktnahe Maßnahmen zum Klimaschutz zu verstehen. Allerdings gibt es mittlerweile – auch konjunkturbedingt – ein massives Überangebot, verbunden mit einem Preisverfall. Daher sind zum Beispiel Kohlekraftwerke derzeit rentabler als emissionsarme Gaskraftwerke. Es müssen in den nächsten Jahren klare Spielregeln vorgegeben werden, damit CO2-Zertifikate wieder regulierend im Sinne des Klimaschutzes wirken können.

flow_Diese Spielregeln gibt die Politik vor: Welche politischen Maßnahmen wünschen Sie sich noch für den Strommarkt von morgen?

Spolwind_Die Branche braucht vor allem Stabilität. Dazu ist es zum einen wichtig, klare Strukturen zu schaffen und den Mechanismen des Marktes zu vertrauen. Darüber hinaus braucht es aber auch einen Ausbau der Stromnetze, um die europäischen Länder und Märkte noch enger zusammenzuschweißen. Dann steht auch im Stromhandel einer erfolgreichen Energiezukunft nichts mehr im Wege.

flow_Vielen Dank für das Gespräch!

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© Titelbild: VERBUND/Petra Spiola