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08. November 2016

Nachgefragt: Was will der Kunde der Energiezukunft?

Per App die Nachbarschaft mit sauberem Strom versorgen? Der Kunde der Energiezukunft ist für Michael Schramel mehr als nur ein Konsument. Der VERBUND-Experte über Microgrids, Energielandwirte und smarte Dirigenten.

VERBUND-Experte Michael Schramel hält Präsentation vor mehreren Seminarteilnehmern.
© VERBUND

flow_Herr Schramel, wie sieht der Kunde in der Energiezukunft aus?
 
Michael Schramel_Der Privatkunde von morgen gleicht einem Landwirt: Produziert dieser genug Gemüse, will er es mit seinen Nachbarn teilen und verkaufen. Ähnliches erwarten Experten in der Strombranche. Immer mehr Kunden werden zu Prosumern. Sie erzeugen ihren eigenen Solarstrom, optimieren ihren Ertrag mit Speichern und Smart-Home-Lösungen und speisen Energie ins Netz ein. Für ihr Wohnviertel können sie künftig die Rolle eines dezentralen Stromversorgers übernehmen.

flow_Ist so ein Nachbarschaftskraftwerk technisch umsetzbar?
 
Schramel_Ja, über ein lokales Netzwerk – das sogenannte Microgrid. Via App gibt der Betreiber einer Photovoltaikanlage die Flexibilität seines Stromspeichers frei. Diese kann darauf von seinen Nachbarn genutzt werden. Abgerechnet wird über Blockchains, ein virtuelles Währungssystem. Bei VERBUND beschäftigen wir uns intensiv mit dieser Technologie und haben dazu ein internes Innovationsprojekt gestartet.

flow_Welche Chancen bieten solche Lösungen für die Versorgungssicherheit?

Schramel_Sonnen- und Windkraft sind Säulen der Energiezukunft, aber auch wetterabhängig. Die dezentrale Stromversorgung kann dazu beitragen, ein sauberes Energiesystem stabil zu halten. Der Knackpunkt ist: Der Kunde darf nicht überfordert werden. Im Sinne des Schlagworts „Gamification“ muss er auf Basis genauer Datenanalysen spielerisch motiviert werden, seinen Energieverbrauch der Netzsituation anzupassen. Ein Weg dazu sind Gewinnspiele, Boni oder Rabatte auf Strompreise und Haushaltsgeräte, die ihm über Apps angeboten werden.

flow_Braucht es in diesem digitalen Zukunftsszenario überhaupt noch große Stromversorger?
 
Schramel_Ja, denn der Stromanteil am europäischen Gesamtenergieverbrauch muss steigen, wenn wir die Dekarbonisierung vorantreiben und die Klimaziele von Paris erreichen wollen. Laut Oesterreichs Energie könnte dieser Anteil in Österreich bis 2050 auf 33 % erhöht werden. Wasserkraft bleibt dafür unverzichtbar. Klar ist aber, dass Unternehmen wie VERBUND auch neue Rollen übernehmen müssen: Als Dirigenten geben wir den Takt vor und unterstützen die neuen Player im Orchester der Energiezukunft.

flow_Und wie erfüllt VERBUND diese veränderten Kundenbedürfnisse?
 
Schramel_Schon heute bieten wir ein breites Portfolio an smarten Services und Geschäftsmodellen. Beispiele dafür sind unsere smarte Heimlösung VERBUND-Eco-Home, das Energienetzwerk Eco-Net für Unternehmen oder das SMATRICS Ladenetz für Elektrofahrzeuge. Zudem fördern wir Kooperationen mit Start-ups und strategisch wichtigen Partnern wie der voestalpine oder der OMV.

flow_Für Innovation ist also gesorgt – was wünschen Sie sich privat als Kunde für die Energiezukunft?
 
Schramel_Ein gutes Beispiel ist der Einkauf in einem Elektrogeschäft: Kaufe ich eine Waschmaschine, könnte deren Energieeffizienzgrad schon im Preis einberechnet sein, indem man den Strom im Voraus bezahlt. Waschmaschinenhersteller, Energieversorger und Netzbetreiber stimmen sich dazu im Hintergrund ab. Der Kunden erhält für minimalen Aufwand ein grünes Produkt zu geringen Kosten – so einfach muss Energiezukunft gehen.

flow_Vielen Dank für das Gespräch!
 
Ihr wollt mehr zur über die Energiezukunft erfahren? Weitere Infos findet ihr hier: Innovationen bei VERBUND.