Zur Übersicht

Das Kraftwerk Altenwörth an der Donau ist ein Gigant der Stromerzeugung. Damit das so bleibt, müssen die Turbinen von Zeit zur Zeit zur Inspektion. Die Taucher bahnen den Weg dafür 30 Meter unter der Donau blind und bloßer Hand.

Taucher steigt aus dem Wasser der Donau
Blind und mit bloßer Hand

In der Au bei Zwentendorf versteckt sich ein Riese der Stromerzeugung. Das Kraftwerk Altenwörth an der Donau ist Österreichs größtes Flusskraftwerk und liefert pro Jahr 2 Milliarden Kilowattstunden. Das ist etwa 2,5 % des gesamten Strombedarfs in Österreich und genug für 580.000 Haushalte.

9 Kaplan-Turbinen dröhnen gewöhnlich unter der Donau. Jahr für Jahr muss eine davon zur Inspektion. Die Dauerläufer sind seit 1976 in Betrieb, das bedeutet mehr als 40 Jahre. Angesichts der enormen Dimensionen der Turbinen (Laufrad-Durchmesser 6 Meter, Gesamtgewicht mehr als 700 Tonnen) erstaunlich. Das Geheimnis liegt in der guten Pflege. Dank der regelmäßigen Wartung werden Abnutzungen früh erkannt und behoben.

Kran mit Dammbalken bei der Staumauer des Donaukraftwerks Altenwörth

Die Donau ist alles andere als blau. Sie ist trüb-grün und das liegt am Sand aus den Alpen, den die Gebirgsbäche täglich auswaschen. Sand, Treibholz und mitunter ganze Baumstämme lagern sich vor den Turbinen ab und müssen von den Tauchern beiseite geschoben und in harten Fällen sogar  mit Baggerschiff  herausgebaggert werden. Erst, wenn die Auflagefläche glatt wie ein Babypopo ist, können die Kraftwerker mit dem Portalkran anrücken. Mit so genannten „Dammbalken“ wird der Eingang zur Turbine verbarrikadiert. Nur, wenn die Balken dicht aufsitzen, kann die abgesperrte Turbine ausgepumpt werden.

In 30 Metern Tiefe ist kaum noch Licht und die Donau so trüb, dass Thomas Vondal, der heute taucht, seine eigenen Hand vorm Gesicht nicht erkennt. Dem Normalsterblichen dürfte schon diese Vorstellung zum Schaudern reichen. Wenn man sich nun genüsslich der Phantasie ergibt, was dort in der Tiefe für Überraschungen lauern, möchte man selbst bei exzellenten Badewetter nicht mit dem Mann im Tauchanzug tauschen. Dennoch sind die Berufstaucher der VERBUND-Tochterfirma Lestin dermaßen abgeklärt, dass ihnen kaum Seemannsgarn über riesige Donauwelse oder versunkene Schätze zu entlocken sind. Routine, Gelassenheit und konzentriertes Arbeiten sind die Erfolgsrezepte.

Taucher mit Helfern
Ritter der Tiefe

Wie die Knappen um einen mittelalterlichen Ritter schwärmen die Kollegen um Thomas Vondal. Allein der Helm wiegt 13 Kilogramm. Dazu kommen Bleigewichte an den Füßen und um die Hüfte sowie eine Reserve-Luftflasche. An sich läuft die Versorgung und Kommunikation über die dicke, bunte „Nabelschnur“, doch für den Notfall ist der Taucher mit einer zweiten, autonomen Luftversorgung ausgerüstet. 

Dem Taucher ist es übrigens wurscht, wie das Wetter oben ist, nass wird er im Trockenanzug ohnehin nicht. Dankbar für das sonnige Spätsommerwetter in Altenwörth sind hingegen die Kraftwerksmannschaft und die Kollegen, die den Tauchgang überwachen. Unterstützt wird Thomas Vondal heute von Daniel Strübl und Thomas Egger, der als „Signalmann“ den Funk-Kontakt zwischen Taucher und Betriebsmannschaft hält. Er hat auch ein Auge auf Tiefe und Tauchzeit. 

30 Meter tief muss der Taucher in die Tiefe. Am Grund angekommen, kriecht er auf allen Vieren den Einlaufrechen ab und räumt weg, was ihm im Weg steht. Dann erst wird der erste Balken gesetzt. Eine Zentimeterarbeit für den Kranführer, die keine Hudelei verträgt. Sollte einer der 12,6 Meter langen und 28 Tonnen schweren Balken verkanten, würde es mühsam werden, ihn wieder zu befreien.

Wenn der erste Dammbalken am Grund angekommen ist, steigt der Taucher nochmals hinunter, um die Dichtheit zu kontrollieren. Anschließend entriegelt er den Balken und der Kran kann den nächsten Balken herbeihieven.

„Egal wie dicht Du bist, der Dammbalken ist dichter.“

Liegt er erste Balken einmal am Grund, prüft der Taucher nochmals mit einer flachen Metallschiene, („Spion“) ob kein Spalt frei ist. Die weiteren Balken sind dann einfacher gesetzt. In den kommenden Tagen wird nun die Turbine ausgepumpt und geputzt. Wenn Wasser und Sand entfernt sind, kann die eigentliche Inspektion der Turbine beginnen. Die Techniker sind optimistisch, bei dem zuverlässigen Dauerläufer keine unliebsamen Überraschungen zu entdecken.

 

Übrigens: Jetzt flow-Blog abonnieren und keinen Beitrag mehr verpassen!

 

Bewegte Bilder aus Altenwörth