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28. August 2017

Schwerer Brocken am hohen Haken

Wie wird man einen 175 Meter hohen Kamin los, der nicht gesprengt werden kann?

Das alte Ölkraftwerk ist längst stillgelegt und der riesige Kamin hat ausgedient. Wie aber wird man dieses 175 Meter hohe Stahlgerippe los? Sprengen ist keine Option, denn der 500 Tonnen schwere Koloss würde in jeder Richtung wertvolle Infrastruktur zerstören. Nach intensiven Planungen steht der Entschluss fest: Der mehr als 50 Jahre alte Gittermastverband im steirischen Werndorf muss in mühevoller und schwindelerregender Arbeit abgetragen werden. Stück für Stück. Von oben nach unten. Trennschweißen mit Panoramablick.
Kaminabbruch Werndorf
Kamin Werndorf

Heavy Duty: Zunächst einmal muss ein Raupenkran gefunden werden, der eine Hakenhöhe von zumindest 185 Metern packt. Gar nicht einfach, denn in dieser Konfiguration ist jedes Hebewerkzeug sehr limitiert, was Hubgewicht und Windtoleranzen betrifft. Der Kran muss außerdem fast beim Kesselhaus anstehen - und dafür muss der Wiesenboden geschottert und mit Straßenwalzen verdichtet werden. Dann bringen 70 unscheinbare Sattelschlepper-Transporte ein beeindruckendes Puzzle aus blau lackierten Stahlteilen in die Steiermark.  Eine Woche lang wird der Bausatz aus unzähligen Einzelteilen zusammengeschraubt. Ganz langsam wird der Ausleger erstmals aufgerichtet, und wie einst die Mondraketen in Cape Canaveral rollt das Ungetüm auf Raupen schlussendlich die wenigen Meter an seinen Einsatzort für die kommenden acht Wochen. Eigengewicht inklusive Ballast: Tausend Tonnen.

 

Einsatzbereit wartet eine Woche später alles auf den ersten Hub eines 20 Meter langen Stahlrohr-Schusses, als der Windsensor mit 11 Km/h in 180 Meter Höhe auf Rot schaltete. Noch einen Tag warten. Nach den Gewittern und Unwettern in den ersten August-Wochen wurde sogar  ein Not-Ablegekonzept ausgearbeitet. Selbst ohne Gewicht am Haken hätte ein Sturm den 200 Meter hohe Ausleger zerstören können. Doch am nächsten Vormittag ist der Himmel klar und windstill. Und nach wenigen Minuten ist der Kamin um 20 Meter kürzer und der Rekord des höchsten Bauwerks der Steiermark Geschichte.

ServusTV war den ganzen Tag dabei: