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05. September 2017

Ente Doris’ Energie-ABC: Wie entstehen negative Strompreise?

Da staunt unser aufgewecktes Entlein nicht schlecht: Stromproduzenten müssen manchmal dafür bezahlen, damit sie ihren eigenen Strom loswerden? Was es mit negativen Preisen auf sich hat, berichtet Doris in unserem Blogbeitrag.

Als neugierigste Ente bei VERBUND habe ich schon einiges gesehen, von der höchsten Staumauer bis zur modernsten Fischwanderhilfe. Aber bei meinem letzten Besuch an der Leipziger Strombörse bekam ich vor Verwunderung den Schnabel nicht mehr zu. Negative Strompreise? Was soll das bitte sein? Natürlich wäre ich nicht Ente Doris, hätte ich nicht sofort Nachforschungen angestellt.

Glühende Stromnetze bringen purzelnde Preise

Nach einem Gespräch mit einem VERBUND-Experten wurde mir die Sache klarer – negative Strompreise lassen sich am besten mit einem typischen Feiertagsszenario erklären. Stellt euch Folgendes vor: Die Sonne lacht über eurem Badeteich, ein frische Brise weht euch durch die Federn und ihr streckt eure Watschelfüße genussvoll ins kühle Nass. Doch während ihr eine Auszeit nehmt, lauft an diesem herrlichen Tag die erneuerbare Stromproduktion auf Hochtouren. Allerorts erblühen die stark geförderten Solarfelder und die Windparks rotieren. Ein hohes Angebot trifft auf eine niedrige Nachfrage. Die Preise werden stundenweise ins Negative gedrückt und der Strommarkt steht Kopf. Das heißt konkret: Wer jetzt Elektrizität verkauft, muss seinen Abnehmern Geld zahlen. Paradox!

 

Wehrfeld beim Kraftwerk Fisching, über das Wasser fließt
Wenn Energiewirtschaftler weinen: Wehrfelder öffnen sich, Energie wird verschwendet.

Laufende Kraftwerke auch bei Energieüberfluss

Schlaue Enten unter euch haben jetzt klarerweise schon längst einen cleveren Einfall parat. Kann nicht in Zeiten, in denen so viel Wind- und Sonnenstrom erzeugt wird, die Produktion von konventionellen Kraftwerken gedrosselt werden? Nun, das ist leider nicht ganz so einfach, weil das Herunter- und Hochfahren der Anlagen sehr viel Geld kostet. Da nehmen Betreiber doch lieber negative Strompreise in Kauf und lassen ihre Maschinen weiterlaufen. Profitieren dann wenigstens wir Verbraucher vom Überangebot an neuen erneuerbaren Energien? Auch wer das denkt, watschelt auf verlorenen Posten. Haushalte werden in der Regel von großen Stromversorgern bedient, und das zu einem fixen Tarif. Wenn der Preis für wenige Stunden ins Negative rutscht, hat das keinen Effekt – also Fehlanzeige.

Speicher und Lastenmanagement am Vormarsch

Allerdings ist einer Naturliebhaberin wie mir auch klar: Auf unseren Weg in eine saubere Energiezukunft müssen wir Grünstrom noch besser nutzen. Zum Glück sieht das auch die Energiebranche so. Eine vielversprechende Chance, um den Stromüberschuss zu bändigen, sind zum Beispiel Speicherlösungen. PumpspeicherkraftwerkeBatterien für Photovoltaikanlagen und smarte Technologien wie Power-to-Gas werden künftig erneuerbaren Energien effizient konservieren. Doch das ist nicht alles. Innovative Services wie der VERBUND-Power-Pool helfen Industrieunternehmen ihre Stromlasten besser zu managen – zum Beispiel indem sie ihre Produktion steigern, wenn viel Energie im Netz ist und umgekehrt.

Ihr seht: Die Stromwelt hat negativen Preisen den Kampf angesagt. Ich bin schon sehr gespannt, was die Energiezukunft noch so alles bringen wird. Natürlich halte ich euch auf dem Laufenden!

Eure Ente Doris

Ihr wollt mehr zu den neuesten Entwicklungen für die Energiezukunft erfahren? Dann klickt doch mal auf: VERBUND-Innovation.