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07. Mai 2018

Taucher ist kein Beruf, sondern eine Berufung

Wenn die Badesaison selbst für die härtesten Wassersportfreunde zu Ende ist, beginnt für sie erst die Arbeit. Ihr Arbeitsplatz ist einer der härtesten und gefährlichsten im Konzern, aber für die Instandhaltung der Kraftwerke sind die Berufstaucher der VERBUND-Tochtergesellschaft Lestin unverzichtbar.

Taucher Thomas Vondal
„Wenn Du unter Wasser gerade vorwärts willst, dann krieche auf den Knien“, so erklärt Bernhard Geistlinger kurz die vorherrschende Bewegungsart der Taucher. Seit Jänner 2018 ist er Geschäftsführer des Traditionsunternehmens Lestin, das 1934 gegründet wurde und mittlerweile zur Gänze zu VERBUND gehört. 80% des Auftragsvolumens dreht sich um die Wasserkraftwerke, aber auch externe Kunden schätzen die Dienstleistung der Taucher, etwa bei der Inspektion von Hafen- und Brückenbauwerken.
Bernhard Geistlinger
Bernhard Geistlinger hat zwar Erfahrungen als Sporttaucher, war aber mit der Welt unter Wasser als Instandhaltungsingenieur bei den Donaukraftwerken besser vertraut. Die Aufgaben der Taucher kannte er bisher von der Auftraggeberseite. „Zur fachlichen Erfahrung unserer Mitarbeiter kommt die hohe Flexibilität: Einsätze können sich aufgrund von Hochwässern verschieben, aufgrund schwierige Verhältnisse verlängern oder plötzlich bei Maschinenschäden über Nacht eintreten.“ Zu dieser schnellen Verfügbarkeit gesellt sich die wichtigste Komponente: eingespielte Teamarbeit und absolutes Vertrauen in die Kollegen. Denn das Wasser ist ein lebensfeindliches und tückisches Element für den Menschen.
Tauchereinsatz in Ybbs-Persenbeug
Ein typisches Taucher-Team besteht aus drei gut eingespielten Mitgliedern. Die Positionen wechseln regelmäßig. Der Taucher ist fest verbunden mit seiner Nabelschnur, die ihn mit Luft, Strom und Sprechfunk versorgt. Im trüben und meist eiskalten Wasser muss sich der Taucher blind vorantasten. Die schwere Ausrüstung würde sogar das aufrechte Gehen unter Wasser erlauben- doch verliert man allzu schnell die Orientierung, daher kriechen die Taucher auf allen Vieren. Die Einsätze reichen von den Hochgebirgs-Speicherseen bis zu den tiefen Schwallkraftwerken an der Drau.
Tauchereinsatz Margaritze
Der häufigste Einsatz ist das Säubern der Turbineneinläufe vor Beginn einer Maschinenrevision. Der Einlauf wird mit bloßer Hand gesäubert, Holzteile, Steine und Wurzelstöcke müssen entfernt werden. Erst dann kann die Kraftwerksmannschaft die „Dammbalken“ vor der Turbine aufstapeln und die Maschine abdichten. 

Kern der Tauchermannschaft sind vier Berufstaucher, die flexibel um weitere Taucher verstärkt werden können. „Die Teams dürfen selbst bestimmen, wie sie sich zusammensetzen, denn ohne das blinde Vertrauen auf seine Partner geht niemand ein Risiko ein“, so Bernhard Geistlinger.
 
Tauchen hält offensichtlich jung: der erfahrenste Taucher ist 62 und erreicht nach 30 Jahren im und unter Wasser immer noch jugendliche Werte am Ergometer. 

Taucheinsatz in Altenwörth: