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07. August 2018

ÖKOBÜRO: Gemeinsam zu wirklich grünem Strom

Solarkraft, Windparks und Co als Gefahr für Tiere und Pflanzen? Das kommt tatsächlich vor. Unter der Leitung von ÖKOBÜRO diskutierten Stakeholder, wie sich Naturschutz und der Ausbau grüner Energie vereinen lassen. Hier die Ergebnisse.

Beim Abschlussevent in Wien waren rund 60 Expertinnen und Experten anwesend.
Ohren gespitzt: Beim Abschlussevent in Wien waren rund 60 Expertinnen und Experten dabei. © ÖKOBÜRO
Silber glänzt das Feld aus Photovoltaikanlagen im Sonnenlicht. Wer genau schaut, erkennt: Die kleinen Energieerzeuger sind nicht ohne Tücken. Denn unter den Modulen leidet ein Trockenrasen – ein Lebensraum für gefährdete Vögel, Insekten und Pflanzen. Können grüne Technologien auch eine Gefahr für Flora und Fauna sein? Und wie lassen sich Eingriffe in die Natur geringhalten? Mit diesen Fragen beschäftigen sich 150 Stakeholder in einem von ÖKOBÜRO geleiteten Projekt zum Thema Energiewende und Biodiversität. Die Ergebnisse wurden am 13. Juni in Wien präsentiert.
Profis aus Energieerzeugung, Wissenschaft, Klimaschutz, Naturschutz und Umweltrecht diskutierten im Rahmen des Ökobüro-Projekts.
Alle mit ins Boot holen: Im Rahmen des ÖKOBÜRO-Projekts diskutierten unter anderem Profis aus Energieerzeugung, Wissenschaft, Klimaschutz, Naturschutz und Umweltrecht. © ÖKOBÜRO

Vier Empfehlungen zum Schutz der Biodiversität

„Es muss uns bewusst sein, dass jede erneuerbare Energieanlage auch ein Eingriff in die Natur ist“, erzählt Thomas Mördinger von ÖKOBÜRO. Das reicht vom Windkraftwerk als Gefahrenquelle für Vögel und Fledermäuse bis zur erhöhten Holznachfrage durch Biomassekraftwerke. „Ziel unseres Projekts war, unterschiedliche Stakeholder an einen Tisch zu holen – darunter Energieerzeuger, Wissenschaftler, Klimaschützer ebenso wie Naturschützer und Umweltanwälte“, so der Projektbetreuer. Gemeinsam erarbeiteten sie in einem zweijährigen Prozess vier grundlegende Empfehlungen an die Politik. Diese enthalten wiederum Vorschläge für konkrete Maßnahmen – viele fanden bereits den Konsens aller Beteiligten, andere dienen nun als Ausgangspunkt für weitere Diskussionen. Hier ein kleiner Einblick: 

  1. Von der Konfrontation zur Kooperation. Best-Practice-Beispiele – wie bei der gemeinsamen Bewertung, welche Standorte im Burgenland für Windparks in Frage kommen – machen es vor. Werden früh alle Interessensgruppen in die Planung einbezogen, profitieren Mensch, Natur und Energieerzeuger. Ein Vorschlag der Stakeholder: verpflichtende Kommunikationsprozesse, professionell moderiert und auf die individuellen Rahmenbedingungen angepasst. 

  2. Strategische förder- und steuerpolitische Maßnahmen. Sollten Förderungen für den Ausbau der erneuerbaren Energien mit Naturschutzkriterien verk

    nüpft werden? Die Expertengruppe meinte ja und sprach sich zudem für ein Ranking für die Vergabe der Gelder aus: Je höher die Energieerzeugung und je geringer der Naturverbrauch, desto besser wird das Projekt gefördert.
  3. Mehr Kommunikation und Bewusstseinsbildung. Die Auswirkungen erneuerbarer Energieanlagen auf die Biodiversität müssen sowohl bei den handelnden Akteuren als auch in der Bevölkerung bekannter werden. Die Kernbotschaft: Nur ein halbierter Energiebedarf stellt den Schutz der Biodiversität während der Energiewende in Österreich sicher.
  4. Rechtlichen Rahmen für biodiversitätsschonende Energiewende schaffen. Die Stakeholder empfehlen verbindliche, aufeinander abgestimmte, überregionale Energieraumplanungen. Diese müssen Klimaschutz-, Energie- und Naturschutzinteressen gleichermaßen zum Ziel haben. Ein Beispiel: die verpflichtende Nutzung bereits versiegelter Flächen für Photovoltaikanlagen.
Bei den Workshops wurden vier Empfehlungen für die Energiezukunft erarbeitet.
Vier Empfehlungen für die Energiezukunft: Auf zahlreiche konkrete Maßnahmen konnten sich die Stakeholder bereits einigen. © ÖKOBÜRO

VERBUND im Einsatz für den Klimaschutz vor Ort

Bei der Präsentation der Ergebnisse im Wiener Albert Schweitzer Haus nahmen rund 60 Fachleute aus den Bereichen erneuerbare Energie und Naturschutz teil. Dabei ebenfalls vor Ort: Regina Scholze von VERBUND. „Klima- und Umweltschutz sind zentrale Eckpfeiler unserer Nachhaltigkeitsstrategie“, erzählt die Nachhaltigkeitsexpertin. „Es ist daher sehr wichtig für uns, wie externe Stakeholder dieses Thema sehen.“ Mit über 120 Wasserkraftwerken leistet das Unternehmen selbst einen Beitrag für die CO2-freie Stromerzeugung und den Klimaschutz. Darüber hinaus plant VERBUND bis 2027 rund 280 Millionen Euro in ökologische Maßnahmen – wie zum Beispiel Fischwanderhilfen – zu investieren. 

Denn Fakt ist: Wir brauchen eine schnelle und biodiversitätsschonende Energiewende. Die Auswirkungen des Klimawandels sind auch in Österreich nicht mehr zu übersehen. Während der weltweite Temperaturanstieg seit 1880 bei 1 Grad Celsius liegt, sind es hierzulande bereits 2 Grad. Das bringt schrumpfende Gletscher, Hitzewellen mit Temperaturen jenseits der 35 Grad, Unwetter und gesundheitliche Probleme in der Bevölkerung. Die volkswirtschaftlichen Schäden daraus liegen bei rund 1 Milliarde Euro pro Jahr. 

Ob die Menschheit diese Auswirkungen rechtzeitig wieder eindämmt? „Ich befürchte, dass der Leidensdruck zuerst noch größer werden muss“, meint Thomas Mördinger. „Aber wir sind fest davon überzeugt, dass Österreich bis 2050 ohne Verlust an Biodiversität völlig aus dem fossilen Energiesystem aussteigen kann.“ Wir blicken also gespannt in die Energiezukunft.

Ihr wollt mehr zu den Ergebnissen des ÖKOBÜRO-Projekts erfahren? Dann informiert euch in der offiziellen Projektbroschüre: Gemeinsam zu wirklich grünem Strom. 

SDGs: Klimaschutz für die Welt

VERBUND leistet mit Strom aus erneuerbaren Energien einen Beitrag zu den Sustainable Development Goals (SDGs) der UNO. Das Unternehmen unterstützt damit SDG 13 „Klimaschutz“. Mehr Infos findet ihr hier: Globale Nachhaltigkeitsziele.

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