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08. November 2018

LIFE + Traisen – ein Ökosystem in Kinderschuhen

Der goldene Herbst legt sich über Österreichs größtes Renaturierungsgebiet. Zwei Jahre nach Abschluss der Bauarbeiten hat die Natur mit ihrem Artenreichtum die Mündung der Traisen in die Donau vollkommen erobert. Die Vielfalt im Ökosystem verblüfft selbst Experten. So manche Überraschung versteckt sich in der Traisen-Au.

Morgennebel und Herbststimmung über dem Fluss Traisen

Im Nebel ruhet noch die Welt,
Noch träumen Wald und Wiesen:
Bald siehst du, wenn der Schleier fällt,
Den blauen Himmel unverstellt,
Herbstkräftig die gedämpfte Welt
In warmem Golde fließen. 
(Eduard Mörike, Septembermorgen)

September ist es zwar nicht mehr, aber auch der Oktobermorgen in der Traisener Au steht dem Gedicht von Mörike in nichts nach. Der Morgendunst hat sich gerade erst gelichtet, die Morgensonne bringt das Wasser zum Glitzern, das Sika-Wild blinzelt verschlafen zwischen den herbstlich gekleideten Bäumen hervor – und wir befinden uns mitten drin, im größten Renaturierungsprojekt Österreichs.

 

Der Natur Flügel verleihen

Bereits 2002 gab es erste Ideen, den in den 70er Jahren begradigten Mündungsbereich der Traisen wiederzubeleben. Doch erst 2013 konnte das Projekt nach zahlreichen Dialogen mit der Bevölkerung, den Grundstückseignern und einer umfassenden Umweltverträglichkeitsprüfung in die Tat umgesetzt und 2016 abgeschlossen werden. Aus dem geraden und eingeschränkten Flussverlauf wurde eine von Windungen, Tümpeln und Trockenrasenflächen geprägte Au-Landschaft. 

Ein ursprüngliches Ökosystem wurde durch präzise Reißbrettplanung von VERBUND mit Unterstützung der Europäische Union, dem Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft, Umwelt und Wasserwirtschaft, der Landesregierung Niederösterreich, dem Landesfischereiverband Niederösterreich und der viadonau wiederhergestellt. 30 Millionen Euro war es den Partnern wert, um über gesetzlich vorgegebene Maßnahmen hinauszugehen und durch die Renaturierung attraktive Wasserlebensräume und eine ökologische Verbesserung des Augebiets zu verwirklichen. 

Rückeroberung der Au

Die Anstrengungen rund um das Projekt, bringen nicht nur einen Mehrwert für das Ökosystem Au, sondern zahlen direkt in eines der 17 Ziele der United Nations für nachhaltige Entwicklung ein. Das "Sustainable Developement Goal 15" hat es sich zum Ziel gemacht, Landökosysteme wiederherzustellen und der biologischen Vielfalt neuen Schwung zu verleihen. Beiden Aspekten kann durch die Renaturierung des Flusses und der Au Rechnung getragen werden. 

Denn seit nunmehr zwei Jahren sprießt und gedeiht die renaturierte Landschaft und bietet nicht nur den perfekten Lebensraum für zahlreiche seltene Tiere, wie den Fischotter, Seeadler und verschiedenste Fischarten, sondern auch für Hydrobiologen. Sie monitoren den Fischbestand der neu entstandenen Traisen und bestätigen die gesunde Entwicklung des in den Kinderschuhen steckenden Ökosystems. Das lockt nicht nur mich als Mitarbeiterin der Nachhaltigkeitsabteilung von VERBUND, mich vor Ort vom Erfolg der Renaturierung zu überzeugen, sondern auch das Wissenschafts-Team des ORF. 
 
Fischer hebt großen Huchen aus dem Fluss
Mit der Kamera bewaffnet geht es im einstigen Kriegsgebiet des Zweiten Weltkriegs zu Fuß, per Schlauchboot und per Drohne durch die Au. Immer im Blick: die Experten von der Boku, die dabei sind, den Fischbestand zu markieren und zu analysieren. „Seltene Arten, wie der Streber, der normal am Grund der Donau lebt und ein 1,13 Meter langer und sehr rarer Huchen, der ins Netz geht, sprechen für sich und das positive Ergebnis des Renaturierungsprojekts.“, so Thomas Friedrich, der als wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Hydrologie und Gewässermanagement an der Boku das Monitoring der Traisen leitet.
Projekt LIFE+ Traisen

Huchenfang an der Traisen

Platz für Synergien

Aufgrund der sehr erfreulichen Entwicklung der Renaturierung des Au-Ökosystems, kann es als Vorbild dienen und gerade im Donauraum beispielhaft angewandt werden. „Am wichtigsten ist ausreichend Platz, damit sich der Fluss ausbreiten und so verschiedene Strukturen und damit vielfältige Lebensräume formen kann. Geht es dem Fluss gut, geht es dem Ökosystem Au gut“, erklärt Universitätsprofessor Stefan Schmutz, Leiter des Instituts für Hydrobiologie und Gewässermanagement.

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