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29. November 2018

H2FUTURE: Wasserstoff-Projekt gewinnt Award

Grüner Wasserstoff marsch! Mit H2FUTURE erforscht VERBUND den Einsatz des vielversprechenden Energieträgers in der Stahlindustrie. Nun wurde das Projekt in Brüssel mit dem europäischen FCH JU Award ausgezeichnet.

Ob als Kraftstoff, Energiespeicher oder Wärmelieferant: Wollen wir die Klimaziele von Paris erreichen, führt kein Weg an grünem Wasserstoff vorbei. Im EU-geförderten Leuchtturmprojekt H2FUTURE forscht VERBUND zu seinem Einsatz in der Stahlindustrie. Die ersten Erfolge erregten bereits Aufmerksamkeit: Am 15. November kürte die Technologieinitiative FCH JU (Fuel Cells and Hydrogen Joint Undertaking) das Vorhaben unter 200 Projekten mit dem Sonderpreis „Best Success Story“. „Für uns ein enormer Ansporn“, sagt VERBUND-Projektleiter Rudolf Zauner, der den Award in Brüssel entgegennahm.
Rudolf Zauner und Burgi Hemetsberger von VERBUND sowie Bart Biebuyck, Executive Director FCH JU, bei der Preisverleihung.
Von links nach rechts: Rudolf Zauner und Burgi Hemetsberger von VERBUND sowie Bart Biebuyck, Executive Director von FCH JU, bei der Preisverleihung. © VERBUND

Grüner Wasserstoff für eine saubere Stahlerzeugung 

Vor allem der Schulterschluss von Unternehmen aus verschiedenen Branchen beeindruckte die Jury nachhaltig. Gemeinsam mit der voestalpine und vier weiteren Partnern hob VERBUND Anfang 2017 H2FUTURE aus der Taufe. „Die voestalpine plant Wasserstoff langfristig an Stelle von Koks und Kohle im Reduktionsprozess einzusetzen. Dieser dient dazu, um aus Eisenerz Eisen und anschließend Stahl zu machen. Außerdem kann der Elektrolyseur zusätzlich am Ausgleichs- und Regelenergiemarkt eingesetzt werden“, erklärt Zauner die Hintergründe. Nun arbeiten die Projektpartner gemeinsam daran, grünen Wasserstoff zu produzieren und direkt vor Ort einzusetzen. Dazu installieren sie eine PEM-Elektrolyseanlage – mit 6 Megawatt Leistung eine der größten der Welt. 

„Im vergangenen Jahr haben wir den Bau der notwendigen Halle umgesetzt – 2019 wird die Elektrolyse geliefert und der Testbetrieb startet“, so Zauner über den weiteren Verlauf des auf 4,5 Jahre ausgelegten Projekts. Dank des Rekordwirkungsgrads von bis zu 85 % wird die Anlage künftig mittels erneuerbarem VERBUND-Strom stündlich bis zu 1.200 Kubikmeter grünen Wasserstoff erzeugen. Das ist zwar nur ein Bruchteil dessen, was die voestalpine benötigt, aber dennoch bemerkenswert. „Zum ersten Mal weltweit wird eine PEM-Elektrolyse dieser Größenordnung ins Netzwerk eines Industriebetriebs eingebunden“, erzählt Zauner. Das Projektvolumen umfasst 18 Millionen Euro – 12 Millionen Euro steuert die EU bei. 
Ein Modell der Elektrolyse am Standort der voestalpine in Linz.
Blick in die Energiezukunft: Dieses Modell veranschaulicht die PEM-Elektrolyse am voestalpine-Standort in Linz. © VERBUND  

Innovative Technologie als Gamechanger

Ein weiterer Faktor für die Auszeichnung des Projekts: der große Eindruck, den es bereits auf politischem Parkett hinterlassen hat. Erst im September stattete der EU-Energieministerrat im Rahmen der österreichischen Ratspräsidentschaft der Anlage in Linz einen Besuch ab. „Das hat dem Thema einen ordentlichen Boost gegeben“, ist Zauner überzeugt. „Die EU sieht Wasserstoff als große Zukunftshoffnung.“ Und das nicht ohne Grund: Denn das am häufigsten auftretende Gas im Weltall bietet viele Chancen zur Anwendung. Eingespeist ins Gasnetz liefert Wasserstoff Wärme. Als Kraftstoff treibt er Fahrzeuge aller Art an. Und als Energiespeicher lassen sich große Energiemengen auch saisonal verschieben.

Für das Klima bringt grüner Wasserstoff einen entscheidenden Vorteil: Da der Strom für seine Produktion aus erneuerbaren Quellen stammt, wird dabei kein CO2 ausgestoßen. Und das kann nicht nur die Industrie wesentlich sauberer machen, sondern auch die Dekarbonisierung aller Sektoren vorantreiben, wie Wärme oder Mobilität. Aktuell kommt in Österreich nur ein Drittel der genutzten Gesamtenergie aus erneuerbaren Quellen. „Mit Hilfe von grünem Wasserstoff lässt sich dieser Anteil gewaltig in die Höhe schrauben“, ist sich Zauner sicher. 
Rudolf Zauner spricht über das Projekt H2Future via einer Videowall.
Gespanntes Lauschen: Rudolf Zauner berichtete über das H2Future-Projekt in Brüssel vor interessiertem Publikum.© VERBUND  

Neues Geschäftsfeld für VERBUND 

Für VERBUND bietet Wasserstoff ein vielversprechendes Geschäftsfeld. „Aktuell erzeugen wir rund 96 % unseres Stroms aus erneuerbaren Quellen, allen voran Wasserkraft“, schildert Zauner. „Damit bringen wir die besten Voraussetzungen für die Herstellung von grünem Wasserstoff mit.“ Österreichs größtes Stromunternehmen hat bereits weitere Projekte in der Pipeline. Gemeinsam mit den Zillertaler Verkehrsbetrieben plant VERBUND bis 2022 die dortige Schmalspurbahn mit Wasserstoff zu versorgen. Am Kraftwerksstandort Mellach wird eine Pilotanlage für Hochtemperaturelektrolyse errichtet. Eine innovative Technologie mit hohem Wirkungsgrad, die auch als Brennstoffzelle genutzt werden kann, um Wasserstoff wieder in Strom zu verwandeln.
 
Und wie geht es mit H2FUTURE nach der erfolgreichen Preisverleihung weiter? „Das Projekt läuft noch bis 2021“, erläutert Zauner. „Danach werden wir die Anlage gemeinsam mit der voestalpine weiterbetreiben.“ flow hält euch dazu auf dem Laufenden.

Ihr wollt mehr über das Projekt erfahren? Dann werft doch einen Blick auf die offizielle Website: H2FUTURE

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