Zur Übersicht
28. August 2019

Minimalismus: Bewusster Verzicht schafft Raum für Neues

Ein neuer Lebensstil erfreut sich seit einigen Jahren an wachsender Beliebtheit und bietet eine Alternative zur konsumorientierten Gesellschaft.

In unserer Blogserie "ichkannklimaschutz" stellen wir Möglichkeiten vor, wie es gelingt, einen nachhaltigen und umweltfreundlichen Lebensstil zu führen. Wir zeigen, was jede und jeder Einzelne tun kann, um den Klimawandel einzuschränken und der Erde wieder etwas zurückzugeben. Der Minimalismus ist ein Lebensstil, bei dem bewusst auf Dinge verzichtet wird. Minimalistisch zu leben bedeutet, sich gegen übermäßigen Konsum zu entscheiden und sich auf das Wesentliche zu konzentrieren. Dies wird in allen Lebensbereichen angewendet und kann dabei helfen umweltbewusster und nachhaltiger zu leben. Ein Gastbeitrag von Verena Mischitz.

Konsum schafft Verantwortung

Konsumgewohnheiten tragen dazu bei, wie und in welche Richtung sich eine Gesellschaft entwickelt. Wer häufig bei großen Bekleidungsketten kauft, unterstützt nicht nur fragwürdige Arbeitsbedingungen, sondern auch die Umweltverschmutzung, die durch die Produktion der Billigkleidung verursacht wird. Konsum schafft Verantwortung.

Menschen, die minimalistisch leben, treffen Kaufentscheidungen bewusst, übernehmen diese Verantwortung gegenüber Gesellschaft und Natur und leisten somit einen Beitrag zum Klimaschutz. Und nicht nur das: Mit überlegten Konsumentscheidungen kann auch der regionale Bauer, das sozial-engagierte Modelabel oder der Blumenladen ums Eck mit den schönen Lilien unterstützt werden.

Es gibt viele Möglichkeiten den minimalistischen Lebensstil aufzugreifen. Wir haben drei Bereiche hervorgehoben, um zu zeigen, wie der Minimalismus in den Alltag integriert werden kann.

Minimalistischer Kleiderschrank

Wer kennt das nicht? Man steht in der Früh vor dem Kleiderschrank und weiß einfach nicht was man anziehen soll. Hemd mit Hose? Zu leger? Doch ein Kleid? Es vergehen unzählige Minuten und am Ende ist man spät dran und doch unzufrieden mit seinem Outfit. Der Minimalismus streicht dieses ganze Prozedere – und zwar radikal. Alles, was nicht oder kaum getragen wird, kommt raus, wird verschenkt oder bei Flohmärkten oder Online-Plattformen verkauft. Das fällt vielleicht am Anfang schwer, ist am Ende aber umso effektiver.

Sind im Kasten nur noch Sachen, die wirklich gefallen und die Anzahl ist so gering, dass man sich das herumkramen spart, spart man sich am Morgen nicht nur Zeit und Stress, sondern fühlt sich dabei auch gut, weil alle Teile, die im Kleiderschrank geblieben sind, Lieblingsteile sind.

Sich minimalistisch zu kleiden heißt nicht nur alte ungetragene Kleidung auszumisten, sondern auch weniger einzukaufen. Dazu gehört auch die Zalando-App am Smartphone zu löschen. Braucht man das zehnte Paar Schuhe wirklich? Wohl kaum.

Minimalistisch wohnen

Der Möbelkauf ist nicht gerade der einfachste. Bei einem Umzug ist es oft schwierig Platz, Preis und Stil unter einen Hut zu bringen. Soll die Wohnung minimalistisch eingerichtet sein, muss die Frage der Notwendigkeit schon im Möbelgeschäft gestellt werden. Brauche ich das wirklich? Bei dem kleinsten Zögern lautet die Antwort: Nein. „Aber es ist so schön!“ Nein. Alles was nicht wirklich nützlich ist, bleibt im Regal. Das gilt auch für Deko. Sorry.

Das ist am Anfang vielleicht hart, aber der gewonnene Raum und das gesparte Geld lohnen sich. Es verwundert, wie viel am Ende des Monats im Geldbeutel bleibt, wenn auf Unnützes verzichtet wird. Wer bereits eine Wohnung hat, kann alles nicht verwendete erstmal in Kisten packen. Wird es nach einiger Zeit noch immer nicht gebraucht, ist die Entscheidung klar. Die Trennung von Dingen kann auch einen schönen Nebeneffekt haben: Vielleicht zaubert die alte verzierte Vase, ein ausgelesenes Buch, oder der verstaubte Bürostuhl im Keller einer Freundin oder einem Freund oder vielleicht auch Hilfsbedürftigen ein Lächeln ins Gesicht.

Minimalistisch reisen

Minimalistisch leben bedeutet auch, so wenig Müll wie möglich zu produzieren. Das kann auf Reisen schwieriger sein, als zuhause. An vielen Orten, an denen es kein sauberes Trinkwasser gibt, bleibt nur die Möglichkeit, Wasser aus Plastikflaschen zu trinken. Eine andere Hürde ist der Koffer. Da ist ja am Ende doch immer zu viel drin, oder? Wie viele Kleidungsstücke sind dieses Mal wieder sauber nach Hause zurückgekehrt? Deshalb heißt es: bewusst entscheiden, was wann wo gebraucht wird. Ist die Sache mit dem minimalistischen Kleiderschrank einmal erledigt, fällt auch das Kofferpacken leichter. Ein kleiner Tipp: Wenn die Reise länger dauert, hilft es, sich vorzustellen man würde nur die Hälfte der Zeit verreisen. Dann genügt auch womöglich das Handgepäck. Um den CO2-Ausstoß so gering wie möglich zu halten, ist es eine Überlegung wert, ob das Flugzeug wirklich die einzige Möglichkeit ist, um an sein Traumziel zu gelangen. Schon einmal mit einem Nachtzug unterwegs gewesen? Oder den Fernbus ausprobiert? 2016 wurden alleine in der EU 163,7 Tonnen CO2 ausgestoßen, 13,3 Prozent davon verursachte der Flugverkehr.

Die Essenz des Minimalismus ist nicht, zu verzichten, weil man muss, sondern weil man es kann. Ein Hauptargument, das gerne verwendet wird, um eine konsumorientierte Lebensweise zu verteidigen ist, sich zu belohnen, weil hart dafür gearbeitet wird. Dies ist jedoch kein Widerspruch. Man kann und soll sich durchaus Dinge leisten – nur weniger, dafür qualitativ hochwertiger und nachhaltiger.

Es gibt viele Möglichkeiten den Minimalismus in seinen Alltag zu integrieren. Bewusste Entscheidungen sind nicht nur gut für die Umwelt, sondern schaffen auch Raum und Zeit für neue Ideen, mehr Freiheit und Selbstbestimmung.

Quelle: Europäische Kommission

Übrigens: Bei diesem Blog verfolgten wir das Minimalismus-Prinzip und verzichteten bewusst auf Bilder. Das schafft Raum für das Wesentliche.

 

Was ist euer Antrieb die Energiezukunft mitzugestalten? Weitere Geschichten rund um Nachhaltigkeit und sauberen Strom findet ihr hier: Mein Antrieb. Meine Energie.

Übrigens: Jetzt flow-Blog abonnieren und keinen Beitrag mehr verpassen!