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04. September 2019

Fleischlos: Öfter vegetarisch essen schützt das Klima

Immer mehr Menschen entscheiden sich dazu, weniger Fleisch zu essen. Dafür gibt es viele Gründe – vor allem der Gesundheit wegen und dem Einfluss von großen Landwirtschaften auf Umwelt und Klima. Aber es heißt nicht, auf guten Speck und sein geliebtes Schnitzel zu verzichten. Ein Gastbeitrag von Verena Mischitz.

Nachhaltigkeit: Fleisch und CO²
Artgerechte Tierhaltung durch Reduzierung des Fleischkonsums. Nachhaltige Landwirtschaft durch bewusste Ernährung.

In unserer Blogserie „ichkannklimaschutz“ stellen wir Möglichkeiten vor, wie es gelingt, einen nachhaltigen und umweltfreundlichen Lebensstil zu führen. Wir zeigen, was jede und jeder Einzelne tun kann, um den Klimawandel einzuschränken und der Erde wieder etwas zurückzugeben.

Seit etwa einem halben Jahr ernähre ich mich vegetarisch. Ich verzichte damit auf alle Fleischprodukte und fühle mich gut dabei, ohne schlechtes Gewissen. Welches schlechte Gewissen? Was hat Fleischkonsum mit Umweltschutz zu tun?

Wieso essen also immer mehr Menschen weniger Fleisch und tierische Produkte? Neben dem gesundheitlichen Aspekt ist die mehrheitliche Ernährungsumstellung mit dem Umweltschutz begründet. Was hat es damit auf sich? Wir haben ein paar Fakten zusammengefasst und versucht Erklärungen zu finden.

 

Fleisch und CO2

Rund ein Fünftel der weltweiten Treibhausgasemissionen gehen auf die Landwirtschaft zurück. Ein großer Teil davon ist der Tierhaltung zuzuschreiben. Laut der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) macht sie rund 18 % des Treibhausgasausstoßes aus. Das ist ein enormer Anteil. Vergleicht man das mit jenem, der durch das Fliegen ausgestoßen wird, erscheint die Zahl noch klarer. Dieser liegt nämlich bei unter drei Prozent.

Auch in Österreich sind die Zahlen beträchtlich. Im Durchschnitt verursachen die Österreicherinnen und Österreicher 1,4 Tonnen CO2 pro Jahr. 1,2 Tonnen sind allein auf tierische Produkte zurückzuführen.

 

Fleisch und Fläche

Tierhaltung benötigt Fläche. Diese wird nicht nur für Ställe und den Freilauf der Tiere gebraucht, sondern dient zum Großteil der Futtermittelherstellung und der Bewirtschaftung von Ackerland. Mehr als ein Drittel der gesamten Landoberfläche sind landwirtschaftliche Nutzfläche. Das schließt den Anbau von Futtermitteln und die Tierhaltung mit ein.

Wie viel geht davon auf den Fleischkonsum zurück? Der WWF hat errechnet, dass etwa 25 Prozent des weltweiten Ackerlandes die Produktion von Fleisch für sich beansprucht. Im Vergleich werden beispielsweise für Städte und Infrastruktur gerade einmal 1,48 Prozent der Landfläche verwendet.

 

Fleisch und Natur

Global gesehen hat unsere Lust auf Fleisch auch Auswirkungen auf die Tierwelt. Um die enorme Nachfrage zu sättigen, wird zu drastischen Maßnahmen gegriffen. Große Flächen der Regenwälder werden gerodet. Da das Fleisch zu 94 Prozent aus der Massentierhaltung kommt, wird auf Monokulturen und Spritzmittel gesetzt. All dies schlägt sich in der Artenvielfalt nieder. Der Lebensraum vieler Tiere wird zerstört und damit das Aussterben vieler Arten vorangetrieben.

Auch der Natur setzt unser Konsumverhalten zu. Neben den ökologischen Ressourcen Land und Luft, wird zur Fleischproduktion auch Wasser benötigt. Für ein Kilogramm Rindfleisch braucht man rund 15,4 Kubikmeter Wasser. Das entspricht etwa der Menge von 150 prall gefüllten Badewannen. Durch die Massentierhaltung ist auch das Grundwasser belastet, was sich nicht nur auf die Tierwelt, sondern auch auf die Gesundheit der Menschen negativ auswirkt. Das geht aus einer Publikation der Deutschen Gesellschaft für Humanökologie (DGH) hervor.

 

Fleisch und Konsum

Die vielen Zahlen zeigen ganz klar: Eine Reduktion des Fleischkonsums würde der Natur ziemlich gut tun. Die Realität sieht jedoch ein wenig anders aus: Die FAO hat errechnet, dass sich der weltweite Fleischkonsum zwischen 1961 und 2009 von 23 Kilogramm auf knapp 43 Kilogramm verdoppelt hat. Österreich liegt mit 63,4 Kilogramm über dem weltweiten Schnitt.

Was bedeutet das jetzt? Müssen alle auf eine pflanzliche Ernährung umsteigen? Soll jede und jeder auf das geliebte Steak verzichten, um das Klima zu retten?

Ganz so ist es nicht. Die österreichische Gesellschaft für Ernährung (ÖGE) empfiehlt, zwei bis drei Mal pro Woche Fleisch zu essen. Der Durchschnitt in Österreich liegt jedoch bei fünf Tagen. Insgesamt bedeutet dies, den Fleischkonsum so gut es geht zu reduzieren und vor allem darauf zu achten, wo die Tiere herkommen und wie sie behandelt und geschlachtet wurden. Es ist klar, dass das „Zwei-Euro-Henderl“ aus dem Supermarkt keine Qualität für sich beanspruchen kann.

In Deutschland geht man sogar einen Schritt weiter: Bei der deutschen Ernährungsgesellschaft wird zwar eine ähnliche Fleischmenge pro Woche wie in Österreich empfohlen, den Verbraucherinnen und Verbrauchern, wird jedoch eine vegetarische Ernährung, auch aus gesundheitlichen Gründen, nahegelegt.

Es spricht also Vieles dafür, weniger Fleisch zu essen. Es spricht aber nichts dagegen, sich ab und zu einen Speck vom benachbarten Bio-Bauern zu holen. Die Menge macht das Kraut fett. Ihr Körper und die Umwelt werden es Ihnen danken.

 

Bei dieser Blogserie verfolgen wir das Minimalismus-Prinzip und verzichten bewusst auf Bilder. Das schafft Raum für das Wesentliche.