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11. September 2019

Zerowaste: Kampf dem Müll

DER SPIEGEL berichtete Anfang August über ein vermeintliches Korallenriff. Was die Taucher tatsächlich gefunden haben war ein Riff aus Plastik. Die Umweltverschmutzung nimmt gewaltige Ausmaße an und bedroht damit den Lebensraum vieler Tierarten und die Gesundheit der Menschen.

Plastikmüll in der Donau.
In Österreich wird jährlich mehr als 60 Mio. Tonnen Müll produziert. Unsgesund für den Menschen bedroht besonders Plastikmüll den Lebensraum vieler Tierarten.

In unserer Blogserie „ichkannklimaschutz“ stellen wir Möglichkeiten vor, wie es gelingt, einen nachhaltigen und umweltfreundlichen Lebensstil zu führen. Wir zeigen, was jede und jeder Einzelne tun kann, um den Klimawandel einzuschränken und der Erde wieder etwas zurückzugeben. Ein Gastbeitrag von Verena Mischitz.

 

In Österreich produziert jede Person laut einer Statistik der Europäischen Union durchschnittlich 564 Kilogramm Müll pro Jahr. Damit liegen wir auf Platz sieben von 28 EU-Staaten. Obwohl hierzulande ein Großteil davon recycelt wird, landen viele Tonnen Abfall in der Verbrennung und auf Deponien.

Insgesamt, das sagt der Statusbericht 2019 des Bundesministeriums für Nachhaltigkeit und Tourismus, liegt die jährlich in Österreich produzierte Menge im Jahr 2017 bei 61,2 Mio. Tonnen. Das ist eine Steigerung um 18 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Weltweit, das zeigt eine Studie der Weltbank, fallen jährlich 2,01 Mrd. Tonnen Müll an. Dieser soll sich bis 2050 um 70 Prozent, auf 3,4 Mrd. Tonnen steigern, so die Prognose.

 

Wohin damit?

In Österreich werden rund zwei Drittel des Abfalls recycelt. Der Rest landet auf Deponien, in Müllverbrennungsanlagen oder wird anderwärtig verarbeitet. 2017 wurden rund 930.900 Tonnen an Abfällen über die österreichische Grenze hinweg entsorgt. Im Gegenzug dazu wurden etwa 952.800 Tonnen von anderen Ländern aufgenommen.

Weil viele westliche Staaten mit den Massen an Müll selbst überfordert sind, werden viele Tonnen Müll jährlich nach Asien exportiert. Das verläuft jedoch alles andere als umweltfreundlich. Viele Staaten versinken geradezu im Dreck und haben begonnen, sich gegen die Aufnahme von Abfällen zu wehren. Malaysia kündigte vor Kurzem an, 450 Tonnen Müll in die Herkunftsländer zurückzuschicken.

Es ergibt sich also ein Kreislauf, in dem das Problem nicht gelöst, sondern nur Verantwortlichkeiten hin und her geschoben werden.

 

Was tun?

Wir können der Politik einiges an Organisationsarbeit abnehmen, indem wir einfach weniger Müll produzieren. Das klingt jetzt einfach, ist es im Endeffekt aber auch. Prinzipiell gilt: Die beste Strategie, der Umweltverschmutzung durch Müll entgegenzuwirken, ist es, ihn zu vermeiden. Wird weniger Abfall produziert, müssen wir uns weniger Gedanken über die Entsorgung machen.

Dabei gibt es viele Möglichkeiten, die Müllvermeidung in den Alltag zu integrieren. Das fängt bei den gekauften Lebensmitteln im Supermarkt an und geht bis zum Kosmetikschrank im Badezimmer.

 

Zerowaste ist kein Müll

Zugegeben, es ist gar nicht so einfach, Gemüse zu kaufen, ohne Unmengen an Plastik zu produzieren. Oft ist jede einzelne Gurke in Folie gepackt. Zum Glück ändert sich das seit einiger Zeit und die Supermärkte verringern ihren Plastikmüll. Trotzdem kommt man ohne bei einem Einkauf bei den Lebensmittelketten kaum aus. In Wien gibt es dazu durchaus Alternativen. Mittlerweile haben sich vier Zerowaste-Läden in der Stadt angesiedelt. Wer hier einkauft, spart sich jegliche Verpackung. Das mitgebrachte Geschirr kann befüllt und bei jedem Einkauf wiederverwendet werden. Aber was spricht dagegen, einmal pro Woche auf den Markt zu gehen? Bringt man seinen eigenen Korb mit, kann auch auf das Plastiksackerl des Obsthändlers verzichtet werden.

Auch in ländlicheren Gegenden besteht die Möglichkeit: Landwirte verkaufen ihre Produkte ab Hof oder am Bauernmarkt, Supermärkte bitten ihre Kunden, ihre Behälter für die Feinkost selbst mitzunehmen, um Verpackung einzusparen.

Den täglichen Einkauf auf ein- bis zweimal die Woche zu reduzieren erfordert zwar ein wenig Planung, die gekauften Produkte sind jedoch regional und saisonal zugleich. Das freut den benachbarten Bauern und das Klima.

Auch im Bereich der Kosmetik gibt es mittlerweile ein großes Zerowaste-Angebot. Weil viele kommerziell hergestellte Produkte Mikroplastik enthalten, ist Naturkosmetik eine Alternative. Damit wird gleichzeitig der Gesundheit und der Umwelt etwas Gutes getan. Bei Seifen spart man sich die Duschgel-Flasche, die sowieso ständig leer wird. Das gleiche gilt auch für Shampoos.

Selbst bei Putz- und Waschmittel kann man Müll vermeiden. In den Drogeriemärkten gibt es bereits eine breite Auswahl an plastiksparenden und verpackungsarmen Produkten. Tipp: Beim nächsten Einkauf bewusst nicht die gewohnten Artikel kaufen, sondern etwas genauer auf die Verpackung und Inhaltsstoffe schauen.

Für unterwegs lohnt es sich, wiederbefüllbare Flaschen zu verwenden. Beim nächsten Coffee-to-go lassen Sie einfach ihren eigenen Cup befüllen. In manchen Filialen gibt es dafür sogar Rabatt. Die Liste, der Dinge, die jede und jeder Einzelne tun kann, um die Welt ein bisschen umweltfreundlicher und plastikfreier zu machen ist lang, aber jede Veränderung ist wertvoll. Das einzige, was es dazu braucht, ist ein wenig Achtsamkeit und einen kleinen Schritt aus der Komfortzone.

Bei dieser Blogserie verfolgen wir das Minimalismus-Prinzip und verzichten bewusst auf Bilder. Das schafft Raum für das Wesentliche: den Text.

 

Was ist euer Antrieb die Energiezukunft mitzugestalten? Weitere Geschichten rund um Nachhaltigkeit und sauberen Strom findet ihr hier: Mein Antrieb. Meine Energie.