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18. September 2019

Mythos Bio: Alternative oder Marketing-Gag?

Bio boomt. Die Auswahl an biologischen Lebensmitteln im Supermarkt nimmt zu. Rund ein Viertel der landwirtschaftlich genutzten Fläche wird biologisch bewirtschaftet. Die Nachfrage steigt. Doch lohnt es sich wirklich, bio zu kaufen? Wo liegt der Unterschied zu kommerziell produzierten Produkten?

In unserer Blogserie ichkannklimaschutz stellen wir Möglichkeiten vor, wie es gelingt, einen nachhaltigen und umweltfreundlichen Lebensstil zu führen. Wir zeigen, was jede und jeder Einzelne tun kann, um den Klimawandel einzuschränken und der Erde wieder etwas zurückzugeben. Ein Gastbeitrag von Verena Mischitz.

Natur statt Chemie

23.000 Österreicherinnen und Österreicher sind Bio-Bauern. Das sind 20 Prozent aller landwirtschaftlichen Betriebe. Österreich ist damit Spitzenreiter im EU-weiten Vergleich. Aber was macht bio so besonders?

Die biologische Landwirtschaft gilt als besonders umweltschonend, da auf den Einsatz schädlicher Chemie verzichtet wird. In Bio-Betrieben liegt der Fokus darauf, mit der Natur statt gegen sie zu arbeiten. Kunstdünger, der im Bio-Anbau verboten ist, wird durch natürliche Düngemittel ersetzt. Reichen Kompost und Jauche nicht aus, können umweltverträgliche Mittel wie Rohphosphate oder Kalirohsalze zum Einsatz kommen. Dies ist oft der Fall, wenn ein Ungleichgewicht im Boden besteht. Zusätzlich werden Nützlinge eingesetzt. Grundsätzlich gilt auch: Was bio ist, ist auch gentechnikfrei.

Um den Nährstoffgehalt des Bodens beizubehalten und zu stärken, ist die Fruchtfolge in Bio-Betrieben von großer Bedeutung. Der Verzicht von Monokulturen dient darüber hinaus auch dem Schutz der Artenvielfalt.  Bio-Betriebe sind tierfreundlicher als kommerzielle Massenhaltungen. Einerseits werden keine vorbeugenden Medikamente verabreicht, andererseits haben die Tiere mehr Platz. Genügend Auslauf ist laut der Bio-Richtlinie verpflichtend.  Damit die Verbote und Verordnungen auch eingehalten werden, wird jeder Bio-Betrieb mindestens einmal pro Jahr kontrolliert.

Auch in Sachen Klimaschutz hat die Bio-Landwirtschaft die Nase vorne. Durch die Einsparung von Transportwegen für Futtermittel und den Verzicht von Stickstoffdünger werden Treibhausgase eingespart. Zudem ist die CO2-Bindung im Boden, durch den erhöhten Humusanteil, besser. Weil keine chemischen Pflanzenschutz- und Düngemittel zum Einsatz kommen, trägt die Bio-Landwirtschaft auch zur Reinheit der Gewässer bei.

Ist bio also gesünder? Darüber wird in unterschiedlichen Studien diskutiert. Der Vitamingehalt unterscheidet sich geringfügig bis kaum von herkömmlich produzierten Produkten. Auch beim Geschmack gibt es wenige Unterschiede. Bei Bio-Produkten spart man sich jedoch die mit Antibiotika gefütterten Tiere und umweltschädliche Spritzmittel.

Wie erkennt man Bio-Produkte?

Nach der EU-Bio-Richtlinie müssen Bio-Lebensmittel seit 1. Juli 2010 mit dem EU-Bio-Logo gekennzeichnet sein. Das garantiert überprüfte Qualität. Außerdem findet man unmittelbar unter dem Logo einen Herkunftsnachweis mit Länderkürzel.

Das AMA-Bio-Siegel garantiert zu 100 Prozent Bio-Rohstoffe aus Österreich. Es gibt jedoch einen Toleranzbereich. Die Verarbeitung der Lebensmittel muss in jedem Fall in Österreich stattfinden. Das farblose AMA-Logo ist ein Nachweis für die biologische Landwirtschaft im Ausland.

Wer bio kauft, schützt die Umwelt

Mit dem Kauf von Bio-Lebensmitteln kann ein enormer Betrag zum Klima- und Umweltschutz geleistet werden. Die Biodiversität wird durch natürliche Düngemittel geschützt, Transportwege und somit CO2 durch regionale Futtermittel gespart und die Fruchtbarkeit der Böden, die für eine erfolgreiche Bewirtschaftung in der Zukunft notwendig sind, unterstützt.

Dabei sollte man jedoch auf die Regionalität achten. Bio-Lebensmittel aus Venezuela, Mexiko oder Neuseeland zu konsumieren, macht in Sachen Umweltbilanz wenig Sinn. Eine Unterstützung regionaler Bio-Produkte schont das Klima und freut die heimischen Landwirtinnen und Landwirte.

 

Quelle: Rech, Thomas, u. A. (2018): Biologische Landwirtschaft in Österreich. Regionalität, Qualität und Nachhaltigkeit. Broschüre des Bundesministeriums für Nachhaltigkeit und Tourismus. (Broschüre im Ordner „Quellen“)

 

Bei dieser Blogserie verfolgen wir das Minimalismus-Prinzip und verzichten bewusst auf Bilder. Das schafft Raum für das Wesentliche: den Text.

Was ist euer Antrieb die Energiezukunft mitzugestalten? Weitere Geschichten rund um Nachhaltigkeit und sauberen Strom findet ihr hier: Mein Antrieb. Meine Energie.

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