Cooling Cities: Die urbane Antwort auf den Klimawandel

Von weißen Straßen bis zu vertikalen Wäldern: Mit spannenden Konzepten sagen Städteplaner auf der ganzen Welt dem Klimawandel den Kampf an.

Stickige Straßen, glühend heißer Beton und ratternde Klimaanlagen – der Klimawandel macht sich im Sommer vor allem im urbanen Raum bemerkbar. Fakt ist: Unsere Städte benötigen dringend nachhaltige Konzepte, um sich gegen steigende Temperaturen und Hitzestress zu rüsten. Spannende Ansätze gibt es bereits rund um den Globus.

Kaffeehaus

Wien: Kühlende Bäume und Sprühnebel

Wien ist die lebenswerteste Stadt der Welt. Damit das so bleibt, setzt die Stadtplanung im Sommer auf viel Grün. Bis 2025 sollen 10.000 neue Bäume gepflanzt werden. Diese spenden nicht nur Schatten: Als natürliche Klimaanlagen kühlen sie die Umgebung, indem sie Wasser aus dem Boden saugen und über Verdunstung wieder in die Atmosphäre abgeben. Auch für kurzfristige Abkühlung wird in Wien gesorgt – dank den „Coolen Straßen“: Ab 2020 werden flächendeckend Sprühregenanlagen und schattenspendende Wanderbäume installiert.

Die dunklen Betonflächen einer Stadt absorbieren tagsüber Sonnenstrahlen und speichern Wärme. In der Nacht wird diese nur langsam wieder abgegeben – dadurch bleibt es hier konstant heißer als im Umland. Der Effekt verstärkt sich durch direkten Sonneneinfall auf senkrechte Fassaden und verwinkelte Gassen, da diese die Luftzirkulation verhindern.

Zudem kann durch die versiegelten Oberflächen das Regenwasser nicht im Boden versickern und die kühlende Wirkung der Verdunstung fällt aus. In der Wissenschaft wird dieses Phänomen als „Urban Heat Island“-Effekt bezeichnet.

Los Angeles: Weiße Farbe gegen Hitze

Dunkler Asphalt zieht Wärme an – warum also nicht mit heller Farbe für Abkühlung sorgen? Das dachten sich die Städteplaner von Los Angeles in Kalifornien. Im Sommer 2017 wurden die Straßen der US-amerikanischen Metropole erstmals mit weißer Spezialfarbe bemalt, um die Sonnenstrahlen zu reflektieren.

Das Konzept zeigte Wirkung: Durch die Maßnahme sank die Asphalt-Temperatur um bis zu 7 Grad. Weiße Gebäude sind übrigens in Osteuropa schon lange ein Schutz gegen die Hitze. Ein Beispiel dafür ist Ostuni, die „Weiße Stadt“ im Süden Italiens.

Und so sieht es dann aus ...

Masdar City

Masdar City: Hightech in der Wüste

Masdar in Abu Dhabi ist ein Smart-City-Projekt der Superlative. Seit 2006 strebt die 50.000 Einwohner starke Wissenschaftsstadt danach, eine der nachhaltigsten städtischen Gemeinschaften der Welt zu werden. Die Maßnahmen sind vielfältig: Die Gebäude werden so konzipiert, dass sie mindestens 40 % energiesparender sind als konventionelle Häuser.

Der Strom wird durch die stadteigene Solarfarm erzeugt. Und ein Netzwerk aus fahrerlosen Fahrzeugen macht Autos überflüssig. Für Kühle sorgt ein 45 Meter hoher Windturm: Dieser fängt die Luftzirkulation ein und lenkt sie in die Gassen der Stadt. 

Hitze ist nicht nur unangenehm, sondern auch gefährlich für die Gesundheit. Das belegt die Statistik: 2018 gab es in Österreich doppelt so viele Hitzetote wie Menschen, die durch einen Verkehrsunfall ums Leben kamen. Eine Risikogruppe sind ältere Menschen: Ihr Körper kann sich durch Schwitzen nicht mehr so gut abkühlen.

Auch für Kinder und Personen mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen ist Hitze eine ernstzunehmende Gefahr.

Stadt Essen

Essen: Wenn die Stadt zum Schwamm wird

Essen in Deutschland bietet mit dem Mehrgenerationenquartier „Johanniskirchgärten“ ein spannendes Städtekonzept. Das Credo lautet: Besser leben durch Regenwassermanagement. Das Regenwasser wird dazu aufgefangen und in spezielle Becken geleitet. Bei Hitze verdunstet dieser Wasservorrat und kühlt so seine Umgebung ab. Ein Ansatz, der auch als „Schwammstadt“ bekannt ist: Die Stadt saugt natürliche Wassermassen auf wie ein Schwamm und gibt sie verzögert wieder ab, anstatt sie ins Abwasser zu leiten. Das entlastet auch die Kanalisation.

Vertical Garden

Mailand: Der vertikale Wald

Bäume können nicht nur im Park, sondern auch auf Häusern gedeihen: Das beweist „Bosco Verticale“ in Mailand. Dabei handelt es ich um die Zwillingstürme eines Hochhauskomplexes, welche mit rund 900 Bäumen und über 2.000 weiteren Büschen und Blütenpflanzen begrünt wurden. Das bringt für die Bewohnerinnen und Bewohner sowie die Umwelt Vorteile: Die bunte Flora sorgt für ein angenehmes Klima, bindet CO2 und filtert Feinstaub aus der Luft. Darüber hinaus sorgt sie für eine Dämmschicht, die im Winter wärmt und im Sommer Hitze fernhält.

Wie vertikale Gärten unser Stadtklima verbessern

Nicht nur die Städte leisten ihren Beitrag für ein besseres Klima. Auch Bewohnerinnen und Bewohner können mit kleinen Maßnahmen einiges bewirken.

  • Öffis statt Auto: Die heimischen Städte punkten mit hervorragenden öffentlichen Verkehrsmitteln. Wer auf Öffis umsteigt, spart pro Jahr bis zu 1.500 Kilogramm CO2 ein.
  • Eigenheim begrünen: Sein Dach oder den Balkon zu begrünen, hat zwei Vorteile: Die Luft wird verbessert und der Natur ein Stück Lebensraum zurückgegeben.
  • Klimaanlage adé: Um die Wohnung zu kühlen, braucht es keine energieintensive Klimaanlage. Einfach in der Früh gut lüften und tagsüber die Rollländen runterziehen. Zur Not hilft ein Ventilator.
  • Clever Energie nutzen: Grüne Energien sind ein Schlüssel für die Städte von morgen. Wirksame Energiespartipps warten hier: Tipps zum Energiesparen.    

Smarte Städte spielen eine entscheidende Rolle für die Energiezukunft. Mit Strom aus 100 % klimaneutraler und sauberer Wasserkraft tragen wir von VERBUND zum Schutz unserer Umwelt bei und sichern die Energieversorgung für Generationen. Mehr dazu unter: Strom aus 100 % Wasserkraft.