Verbund und Partner: Zeitalter der Elektromobilität!

22.07.2009Wien

Gemeinsame Plattform "Austrian Mobile Power" investiert 50 Mio. Euro bis 2020 - Investitionsvolumen von 5 Mrd. Euro möglich.

Der Verbund startet gemeinsam mit Siemens Österreich, Magna, KTM, AVL und AIT eine Plattform namens "Austrian Mobile Power", um Österreich ins Zeitalter der Elektromobilität zu führen. Bis 2020 wollen diese heimischen Leit-Unternehmen im Rahmen der ersten überregionalen Initiative für Elektromobilität mittels gemeinsamer Investition von ca. 50 Mio. Euro erreichen, dass 100.000 Elektrofahrzeuge auf rot-weiß-roten Strassen unterwegs sind, und dies ausgestattet mit möglichst viel in Österreich entwickelter Technik und ausschließlich mit in den kommenden Jahren zusätzlich gewonnenem Grün-Strom. Damit könnte eine Gesamtinvestition von 5 Mrd. Euro ausgelöst werden.

Verbund-Chef Wolfgang Anzengruber: "Im Verkehrssektor gehört eindeutig dem Elektroantrieb die Zukunft. Als Land der erneuerbaren Energiequellen, allen voran Wasserkraft, haben wir in Österreich die besten Voraussetzungen, von vornherein ein umweltfreundliches, auf erneuerbaren Quellen beruhendes neues Verkehrssystem auf die Beine zu stellen. Nutzen wir diese einmalige Chance: Tanken wir in Zukunft günstiger, fahren wir abgasfrei und leise und trotzdem ausreichend flott und weit genug!"

Schrittweise Umsetzung
"Austrian Mobile Power" soll nun in mehreren konkreten Schritten umgesetzt werden. Bis Jahresende sind der Abschluss verbindlicher Verträge sowie die Vorbereitung der Pilotphase vorgesehen. Diese beginnt 2010 mit einer Testflotte von 100 E-Fahrzeugen in mindestens einem noch auszuwählenden städtischen Ballungsraum. In diesem sollen dann bis 2012 bis zu 1.000 E-Kfz unterwegs sein. Parallel dazu soll Schritt für Schritt die zugehörige Infrastruktur eingerichtet werden, vor allem die Stromtankstellen und Abrechnungssysteme, etwa via Mobilfunk.

Spätestens ab 2013 dürften weltweit moderne, verbrauchsarme und reichweitenstarke Elektro-Autos in entsprechender Zahl zum Kauf oder via Leasing angeboten werden. Dann beginnt bei "Austrian Mobile Power" die Rollout-Phase, in welcher zunächst bis zu 10.000 Fahrzeuge in der Modellregion angestrebt werden. Dann ist eine sukzessive Steigerung auf 100.000 E-Kfz bis 2020 vorgesehen.

Einer groben Kosten-Kalkulation zufolge belaufen sich die Investitionskosten auf 5 Mrd. Euro; davon entfallen allein 4 Mrd. auf die Fahrzeuge, 200 Mio. auf Infrastruktur, 400 Mio. auf die Stromerzeugung sowie je 50 Mio. auf die bereits erwähnten Entwicklungskosten und die Betriebskosten der Infrastruktur.

"Bei unserer Initiative "Austrian Mobile Power" handelt es sich um eine offene Plattform in der Pilotphase", so Verbund-Vorstandsvorsitzender Anzengruber. "Wir sind natürlich offen für weitere Partner, die konstruktiv an der Mobilitätszukunft mitarbeiten wollen."

Verbund
Der Verbund koordiniert die Plattform "Austrian Mobile Power" inklusive möglicher neuer Partner, sucht Modellregionen, bietet die Beschaffungslogistik für die E-Fahrzeuge der Pilotphase, stellt die nötige erneuerbare Energie zur Verfügung, unter anderem durch mehrere Solartankstellen, untersucht das Konsumentenverhalten sowie Finanzierungs- und Abrechnungsmodelle über die gesamte Wertschöpfungskette.

Zudem strebt der Verbund den verstärkten Ausbau erneuerbarer Energiequellen mit hohem Wirkungsgrad in Österreich an, mit dem Ziel, möglichst viele Elektro-Fahrzeuge ausschließlich mit zusätzlich gewonnenem reinem Grünstrom zu betreiben. Denn nur dadurch kann wirklich wesentlich zum Klimaschutz sowie zur Emissionsreduktion im Verkehrssektor beigetragen werden.

Die von "Austrian Mobile Power" angestrebten 100.000 E-Autos benötigen jährlich 200 Mio. kWh Strom. Diese Menge wird allein der Verbund noch heuer zusätzlich aus heimischer erneuerbarer Energie gewinnen, und zwar durch neue Wasserkraftwerke bzw. Erweiterung oder Erneuerung von bestehenden Anlagen.

Bis 2015 errichtet bzw. plant der Verbund neue Wasserkraftwerke in Österreich, mit denen jährlich zusätzlich fast 900 Mio. kWh Strom erzeugbar sind. Dazu kommen 100 Mio. kWh, die der Verbund zusätzlich in den kommenden Jahren aus heimischer Windkraft gewinnen will. Somit kann allein der Verbund im Jahr 2015 eine Mehrerzeugung an Strom aus heimischen erneuerbaren Energiequellen von 1 Mrd. kWh anbieten; damit können 500.000 Elektro-Autos in Österreich betrieben werden.

Siemens Österreich
"Elektromobilität ist ein wichtiger Bestandteil unseres Umweltportfolios", so Siemens Österreich-Chefin Brigitte Ederer. "Siemens forscht daher sehr intensiv auf diesem Gebiet. Dabei geht es erstens um die Anforderungen an die Elektroautos selbst und zweitens um die benötigte Infrastruktur, also die Stromnetze. Gerade im Bereich der intelligenten Stromnetze, den sogenannten Smart Grids, haben wir hier in Österreich ein Kompetenzzentrum, und daher freut es mich besonders, dass wir unser Know-how in dieses zukunftsweisende Projekt einbringen können. Und zusätzlich sorgen wir gemeinsam für mehr Forschung und Entwicklung sowie neue Jobs in Österreich."

Siemens beschäftigt sich als weltweit führendes Unternehmen für Energiesysteme und Umwelttechnologien mit innovativen Konzepten für elektrische Antriebsysteme. Mit seinen Produkten und Lösungen deckt das Unternehmen die gesamte elektrische Wertschöpfungskette ab - von der Erzeugung über die Verteilung bis hin zum Endverbraucher.

Eingebunden in ein Energiekonzept der Zukunft, das auf erneuerbarer Energie basiert, können elektrisch angetriebene Fahrzeuge zu mobilen und flexiblen Bestandteilen werden. Denn Elektroautos können nicht nur Energie aus dem Netz speichern, sondern bei Bedarf auch ins Netz einspeisen und damit Netzschwankungen auffangen, wie sie bei Wind- und Solarenergie vorkommen.

Wegen der Doppelrolle als Fortbewegungsmittel und mobiler Energiespeicher von E-Fahrzeugen müssen die Energie- und Kommunikationsschnittstellen zum Energienetz standardisiert werden, damit der schnelle Lade- und Rückspeisungsvorgang netzweit koordiniert und abgerechnet werden kann.

Siemens Österreich engagiert sich im Projekt Austrian Mobile Power in folgenden Bereichen: Ladestationen (Definition der Anforderungen sowie Auslegung und Entwicklung der Lade-Infrastruktur), Systemarchitektur - Schnittstellen (Anforderungen und Konzepterstellung für Pilotregion) und Smart Grid (Anforderungen, Netztechnische Szenarien, Abrechnungsmodell, Systemintegration und -optimierung).

Magna
"Das Elektrofahrzeug stellt für Magna eines der wichtigsten Zukunftsthemen dar", so Karl G. Nigl, Director of Business Development, Magna International Europe AG. "Wir sprechen hier zwar nicht von einer Revolution, wohl aber von einem bedeutenden Schritt hin zu einer emissionsfreier Mobilität. Ziel ist es, ein Fahrzeug zu entwickeln und in ausreichender Stückzahl zu produzieren, das dem ursprünglichen Zweck des Automobils - Transport von A nach B - entspricht und diesen Zweck komfortabel, sicher, emissionsfrei und kostengünstig erfüllt."

Magna ist in allen Bereichen des Elektrofahrzeugs führend, von der Entwicklung von Elektro-Gesamtfahrzeugkonzepten bis zur Produktion von Komponenten und Systemen sowie deren Integration ins Fahrzeug.

Verstärkt geforscht und gearbeitet wird auch an Hybridlösungen für den Antriebsstrang: MAGNA STEYR ist durch seine Gesamtfahrzeugkompetenz in der Lage, aus jeglichem Basisfahrzeug eine Hybridvariante von Mild- bis Full-Hybrid zu entwickeln.

Insbesondere der Lithium-Ionen-Batterie als "Schlüsseltechnologie" für Elektrofahrzeuge widmet MAGNA STEYR große Aufmerksamkeit. Nicht nur die einzelnen Komponenten, sondern das gesamte Batterie-Management sowie Sicherheitsstrategien werden hier entwickelt und zur Serienreife gebracht.

Bei Magna Powertrain werden neben den zahlreichen Komponenten und Systemen für konventionelle Getriebe und Motoren auch innovative Produkte für Elektro- und Hybridfahrzeuge entwickelt und produziert - von der elektrischen Getriebeölpumpe bis hin zum elektrischen Hinterachsmodul.

Um noch intensiver an diesen zukunftsträchtigen Themen arbeiten zu können, wurde ein eigenes Project House gegründet. Hier arbeiten Spezialisten von MAGNA STEYR, Magna Powertrain und Magna Electronics an innovativen Lösungen für die Mobilität der Zukunft.

KTM
Dipl.-Ing. Stefan Pierer, Vorstandsvorsitzender der KTM Powersports AG: "Wir sind der festen Überzeugung, dass wir aufgrund unserer zahlreichen Kompetenzen in den für diese Initiative wichtigen Bereichen eine Führungsrolle übernehmen können. Und wir sehen die Plattform ,Austrian Mobile Power’ als zusätzlichen, zukunftsträchtigen Tätigkeitsbereich für unser Unternehmen."

KTM steht seit jeher für innovative und leistungsstarke Offroad- und Straßen-Motorräder, die sowohl im Renn- als auch im Freizeitsport eingesetzt werden können. Für die Gewährleistung dieser Performance stellt sich KTM ständig neuen Herausforderungen – nicht von ungefähr lautet die Firmen-Philosophie "Ready to Race"! Ein Engagement, dass die Kunden belohnen: Die Firma aus dem oberösterreichischen Mattighofen ist nicht nur der größte Offroad-Motorradhersteller der Welt, sondern auch der zweitgrößte Motorradhersteller Europas.

Schon im Jahr 2008 präsentierte KTM den Prototypen eines "Zero Emission" Bikes. Das ist ein geräuschloses und emissionsfreies Enduro-Motorrad, das nicht nur für die mittelfristige Zukunft des Enduro-Sports von essentieller Bedeutung ist, sondern auch eine klare Richtung für die Motorrad-Technologie von Morgen vorgibt. Bei dem völlig neuartigen Antriebskonzept, das KTM gemeinsam mit dem in Wien beheimateten "Arsenal Research" zum Elektromotorrad-Pionier macht, soll in absehbarer Zeit die Serienproduktion begonnen werden. Doch in Sachen Elektrifizierung will man sich bei KTM nicht bloß auf den Zweirad-Bereich beschränken. In der Entwicklungsabteilung existieren bereits jetzt zahlreiche Konzepte für drei-, aber auch vierrädrige Elektrofahrzeuge, die urbane Mobilität abseits eingefahrener Muster ermöglichen sollen.

Dass KTM das Thema "Automobil" beherrscht, wurde der Fachwelt spätestens im Frühjahr 2008 vor Augen geführt, als man den Supersportwagen X-BOW auf dem Genfer Automobilsalon präsentierte. Von Beginn an überzeugte das revolutionäre Fahrzeug mit seinem extremen Design, vor allem aber mit der Verwendung von Technologien, die größtenteils zum ersten Mal im Serien-Automobilbau zum Einsatz kamen - beispielsweise das Kohlefaser-Monocoque. So ist die beim Bau des X-BOW erworbene Kompetenz im Bereich der Hochleistungs-Faserverbundwerkstoffe eine Schlüsseltechnologie bei der Entwicklung von Elektrofahrzeugen, die für größtmögliche Effizienz so leicht wie möglich konstruiert sein müssen.

AVL
Über umfassende Erfahrungen auf dem Gebiet der Elektrifizierung des Antriebs verfügt die global tätige AVL, die in der Plattform „Austrian Mobile Power“ eine bedeutende Rolle als Technologie-Partner spielt. AVL-Vorstandsvorsitzender Helmut List ist überzeugt davon, dass "die Zukunft der Elektrifizierung gehört".

Neue Antriebssysteme und Technologien, die die AVL unter anderem in Form unterschiedlicher Hybrid- und Elektroantriebe anbietet, stehen sowohl bei den Automobilherstellern als auch bei den Konsumenten im Vordergrund – mit dem Ziel, ihre Fahrzeuge effizienter zu machen und den CO2-Ausstoß deutlich zu reduzieren.

Für List liegt der Schlüssel beim Elektroantrieb in der Batterie: "AVL konzentriert sich einerseits auf die Optimierung der Batterie an sich und andererseits auf Systementwicklungen wie Range Extender, um die Anforderungen an die Batterie zu reduzieren."

Mit dem Einsatz des AVL Pure Range Extenders ist es möglich, die Reichweite von Elektrofahrzeugen auszuweiten und Batteriegröße sowie -kosten zu senken. Der AVL Pure Range Extender verfügt über einen Generator, der bei Bedarf Strom erzeugt und Elektrofahrzeugen eine Reichweite wie bei konventionellen Fahrzeugen ermöglicht. Diese AVL-Lösung setzt hinsichtlich Geräuschverhaltens, Kosten, Gewicht und erforderlichem Einbauraum neue Maßstäbe und ist ein wesentlicher "Enabler" für eine breite Akzeptanz des Elektrofahrzeugs.

Mit der Beteiligung an der Plattform "Austrian Mobile Power" unterstreicht die AVL die Bedeutung der Kooperation unterschiedlicher Partner aus verschiedenen Industrie-Zweigen für die Umsetzung zukunftsweisender Technologien. Durch die Verknüpfung von Forschungsergebnissen können wichtige Daten erarbeitet werden, die den Fortschritt hin zu neuen Antriebsformen weiter beschleunigen.

AIT Austrian Institute of Technology
Die Umsetzung von Elektro-Mobilität auf einer breiten Basis stellt hohe Anforderungen an die Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten. Elektrische Fahrzeuge müssen den geforderten Reichweiten und Sicherheitsanforderungen entsprechen und erfordern nach wie vor die Entwicklung neuer Batteriesysteme, hoch optimierter elektrischer Antriebe sowie deren Kopplung mit Leichtbaukonzepten.

So gilt es auf Seiten der Energietechnik, Ladekonzepte zu entwickeln, adäquate Managementsysteme zur Energieverteilung zu konzipieren und hoch effiziente Systeme zur Energiegewinnung aus erneuerbaren Ressourcen zu realisieren. Ebenso muss die entsprechende Lade-Infrastruktur in die Stadtentwicklung einbezogen werden, herkömmliche Mobilitätskonzepte müssen neu überdacht werden.

Die Vernetzung der Kompetenzen und Forschungsschwerpunkte der beiden Departments "Mobility" und "Energy" des AIT Austrian Institute of Technology ermöglicht eine komplexe und systemische Betrachtung der Elektro-Mobilität und bietet ein innovatives Umfeld für die Fahrzeug- und Energieindustrie.

AIT-Geschäftsführer Anton Plimon: "Ein Forschungsumfeld, das die Vernetzung von energie- und fahrzeugseitigen Fragestellungen erlaubt und diese technologischen Lösungen in neue Mobilitäts- und Stadtentwicklungskonzepte einbettet, bietet die Chance, hoch optimierte Gesamtlösungen zu realisieren."

"Im Kontext dieser vielfältigen Forschungsfragen bringt sich das AIT Austrian Institute of Technology als hoch spezialisierter Forschungspartner in die Plattform Austrian Mobile Power ein. Mit 250 hochqualifizierten MitarbeiterInnen in diesen Themen, einem systemischen Ansatz zur Betrachtung der Elektro-Mobilität sowie einer einzigartigen Forschungsinfrastruktur nehmen wir dabei eine führende Rolle im Bereich Elektro-Mobilität in Europa ein", so Plimon.