Öko-Premiere: Schnecke transportiert Fische durch Kraftwerk

15.01.2015Retznei, Sulm

Rotierende Fischwanderhilfe beim VERBUND-Kraftwerk Retznei wiegt 17 Tonnen.

Öko-Premiere: Schnecke transportiert Fische durch Kraftwerk

Beim steirischen VERBUND-Kraftwerk Retznei an der Sulm geht erstmals eine völlig neuartige Fischwanderhilfe in Betrieb. Die stromerzeugende Wasserkraftschnecke wurde vom niederösterreichischen Unternehmen Hydroconnect entwickelt und patentiert. Der gefahrlose Transport der Fische erfolgt über ineinanderliegende Schnecken, die selbst einen knapp einen Meter großen Hecht nach oben als auch nach unten befördern können.

Österreichs größter Stromerzeuger VERBUND betreibt mehr als hundert Wasserkraftwerke und wählte das steirische Sulmkraftwerk Retznei an der Mündung zur Mur als Standort für eine Öko-Innovation aus: Als Ersatz für die konventionelle Fischwanderhilfe wurde beim Kraftwerk der „Albrecht Fish-Lift“ des niederösterreichischen Unternehmens Hydroconnect montiert. Herzstück der österreichischen Erfindung ist eine 16 Meter lange Doppel-Wasserkraftschnecke. Die aus Stahl gefertigte rotierende Schnecke ermöglicht die Auf- und Abwärtswanderung von Fischen und Kleinstlebewesen bei gleichzeitiger Stromerzeugung über einen Generator.

Der Transport der Fische erfolgt über zwei ineinanderliegende Schnecken, die mittels gegenläufiger Windung Fische sowohl nach oben als auch nach unten befördern. Der „Albrecht Fish-Lift“ gewährleistet für Fische und Wasserlebewesen die gefahrlose Passage bei gleichzeitiger Stromerzeugung, wohingegen bei konventionellen Fischwanderhilfen die benötigte Wassermenge energetisch ungenutzt bleibt. Die Fisch-Schnecke wiegt 17 Tonnen und wurde mittels Kran linksufrig neben dem Kraftwerk an der Stelle der alten, konventionellen Fischwanderhilfe eingehoben.

Universität für Bodenkultur prüft, wie gut die Kraftwerks-Passage von den Fischen angenommen wird

VERBUND startet nun einen Probebetrieb, bei dem permanent 350 Liter Wasser pro Sekunde aus der Sulm durch die Fisch-Schnecke geleitet werden. Mit dieser Wassermenge sollte auch dem Leitfisch Hecht bis zu 90 Zentimeter Größe ein problemloser Aufstieg aus der Mur in die Sulm ermöglicht werden.

Mit der Inbetriebnahme der Fisch-Schnecke ermöglicht VERBUND beim Kraftwerk Retznei die Durchgängigkeit für Fische und andere Wasserlebewesen von der Mur in die Sulm. Wie gut die neuartige Fischwanderhilfe angenommen wird, prüft ein wissenschaftliches Monitoring. Über mehrere Monate hinweg wird die Universítät für Bodenkultur in Wien (BOKU) in Zusammenarbeit mit VERBUND täglich Art, Anzahl und Größe der Fische dokumentieren, die die neue Passage von der Mur in die Sulm oder umgekehrt nutzen.