Pumpspeicherkraftwerk Kaprun Limberg II

Das VERBUND-Kraftwerk Kaprun Limberg II ist ein Pumpspeicherkraftwerk und in der Gemeinde Kaprun in Salzburg gelegen. Es wurde von 2006 bis 2011 erbaut.

Technische Beschreibung 

Nach nur 5-jähriger Bauzeit wurde 2011 ein neues Pumpspeicherwerk im Bereich des bestehenden Pumpspeicherwerks Limberg I in Betrieb genommen, das die Leistungskapazität der Kraftwerksgruppe Kaprun von 353 MW auf 833 MW mehr als verdoppelte.
Mit zwei Pumpturbinen kann die Höhendifferenz zwischen den beiden bestehenden Jahresspeichern Mooserboden und Wasserfallboden zur Erzeugung von Ausgleichs-und Regelenergie genutzt werden.

Der Bau von Limberg II

Auf einen Blick:

Eigentümer: VERBUND Hydro Power GmbH
Betreiber: VERBUND Hydro Power GmbH                                 
Inbetriebnahme: 2011
Typ:  Pumpspeicherkraftwerk
Region: Österreich, Salzburg
Gewässer: Kapruner Ache
Leistung: 480 MW
Jahreserzeugung: -
Turbinen: Francis (2)
Fischwanderhilfen:                      nein

Detailinformationen zu Geschichte, Bau und Technik

Die Anlage besteht aus dem Einlaufbauwerk im Speicher Mooserboden neben der Drossensperre, dem Triebwasserweg in der rechten Talflanke, dem Wasserschloss, einem gepanzerten Druckschacht und der Kraftwerkskaverne östlich des alten Krafthauses Limberg. Vom Kraftwerk führt der Unterwasserstollen in den Speicher Wasserfallboden. Erreichbar ist das Kraftwerk über einen rund 6 km langen Tunnel, der kurz nach der Talstation der Kapruner Gletscherbahnen beginnt und Kaprun mit den Kraftwerken Limberg und Limberg II verbindet. 
 
Das Kraftwerk gliedert sich in die große Krafthauskaverne mit einer Ausbruchdimension von 62/25m und 43m Höhe, die annähernd in Nord-Süd-Richtung orientiert ist. Westlich befindet sich in ca. 35m Entfernung die kleinere Trafokaverne. Beide Kavernen sind durch zwei Verbindungsstollen in der Mitte und im Süden und den Zufahrtsstollen im Norden verbunden.
 
Die 62/25/43m große Kraftwerkskaverne gliedert sich in die Turbineneben mit den beiden Francis-Pumpturbinen und allen hydraulischen Absperreinrichtungen im unteren Bereich, in die Generatorebene in der Mitte und die Maschinenhalle im oberen Bereich. Betriebsräume für Leit- und Steuertechnik, Erregung, Notfallstützpunkt, Sanitärräume und die Hauptstiege nehmen die Westseite der Kaverne ein. Zusätzlich gibt es zwei Fluchtstiegen an den Nord- und Südenden der Kaverne.
 
In der 61/15/16m großen Trafokaverne, die parallel zur Maschinenkaverne in rund 30 m Entfernung ausgebrochen wurde, befinden sich die beiden 380kV-Maschinentransformatoren, zwischen denen in einem eigenen Raum SFC-Transformatoren und KS-Drosseln situiert sind. Den nördlichen Abschluss zum Zufahrtsstollen bildet eine 16kV- und eine 400V-Eigenbedarfsanlage.
 
Das Ein-/Auslaufbauwerk Mooserboden befindet sich zwischen Drossen- und Moosersperre in der "Höhenburg", gefolgt von der 32/19/22 m großen Schieberkammer Höhenburg, die durch einen 581 m langen Zufahrtsstollen von der Kehre 6 der Mooserbodenstraße erreichbar ist. Für das Wasserschloss nutzte man die unmittelbare Nähe zum bestehenden Wasserschloss des Kraftwerks Oberstufe. Es wurde als Zweikammer-Wasserschloss mit Oberkammer, einem 45° geneigtem Steigschacht und einer durchströmten Unterkammer angelegt. Der Druckschacht führt über 577 m Länge mit einer Neigung von 45° bis zum Vertikalkrümmer, der an das Hosenrohr zur hochdruckseitigen Verteilung auf die beiden Maschinensätze anschließt. Der 540m lange Unterwasserstollen führt vom unterwasserseitigen Hosenrohr bis zum Ein-/Auslaufbauwerk Wasserfallboden, das in der rechten Talflanke, rund 100m wasserseitig der Limbergsperre, situiert ist.
 
Planung: Verbund, PÖYRY Energy

Ausführung: ARGE PSW LImberg II (G. Hinteregger & Söhne, Östu Stettin, Porr TB, Swietelsky TB). ABB AG, Alpine-ENERGIE Holding AG, ALSTON Austria GmbH, ANDRITZ HYDRO GmbH, BIS VAM

Anlagentechnik GmbH, Walter Keil Transporte und Erdbewegungen GmbH & Co KG, Konecranes GesmbH, PÖYRY Energy GmbH, Siemens AG, Voith Hydro GmbH & Co. KG.
 

Sämtliche bauliche Anlagen mussten aus massivem Fels ausgebrochen werden. Bei der Kraftkaverne betrug die Ausbruchleistung rund 56.900 m³, bei der Trafokaverne rund 12.500 m³. Die Sicherung erfolgte teilweise nur mit Spritzbeton, großteils wurde jedoch geschalter Ortbeton eingesetzt, der im Bereich des Druckschachts durch eine Panzerung ergänzt wurde. Insgesamt wurden bei dem Bauvorhaben etwa 120.000 m ³ Beton verbaut.

Für den Innenausbau der beiden Kavernen des Kraftwerksbereichs kam ebenfalls geschalter Sichtbeton zum Einsatz, den man weiß gestrichen hat. Das ursprüngliche Konzept, die Gewölbedecke der Maschinenhalle als Spritzbeton-Oberfläche zu belassen, scheiterte am eintretenden Bergwasser, weshalb eine wasserableitende Verkleidung angebracht wurde. Zusätzliche Schalldämmplatten in weiß, grau und rot, die im mittleren Deckenbereich gekrümmt ausgeführt wurden, verbessern die Raumakustik. Quadratische schwarze Gummiplatten, die aus recycelten Autoreifen hergestellt wurden, dienen als Bodenbelag in den meisten Räumen der Anlage.

Zwei vertikal eingebaute Pumpenturbinen mit einem Schluckvermögen von je 72 m³/sec., geliefert von Voith Hydro GmbH & Co. KG (St. Pölten), erzeugen bei einer Nennfallhöhe von 370 m eine Leistung von je 240 MW im Turbinen- und verarbeiten maximal je 240 MW im Pumpenbetrieb. Zwei Motorgeneratoren von Andritz Hydro liefern im Regelbetrieb 270 MVA und benötigen im Pumpenbetrieb eine Leistung von 260 MW. Der Rotor stellt mit einem Gesamtgewicht von 340 t den schwersten Einzelbauteil der Anlage dar. Jeder Maschinensatz weist mit Pumpenturbine und darüberliegenden Generator eine Gesamthöhe von 18,5 m auf.

Die 270 MVA-Öltransformatoren mit den Spannungsebenen 14,5/420 kV sind Produkte von Siemens und weisen ein Leergewicht von 220 t auf. Für die Stromableitung sorgt eine 420kV-SF6-gasisolierte Schaltanlage mit ebenfalls gasisolierten Leitungen bis zum Abspannbauwerk. Die beiden im Durchmesser 2,2 m großen Kugelschieber von Alstom sorgen für die nötige Absperrung der Druckleitungen. Konecranes lieferte zwei 180/10t-Hallenkräne für die Maschinenhalle, ASTAM die 60t-Deckenkräne für die Turbinenebene.
 
Limberg II stellt die bedeutendste Erweiterung der Kraftwerksgruppe Kaprun seit der Inbetriebnahme der Oberstufe im Staatsvertragsjahr 1955 dar. In technischer Hinsicht sind die Baumaßnahmen im Hochgebirge mit Felsausbruchleistungen jenseits der 200.000 m³ und einem TBM-Vortrieb mit 45° Steigung von überregionaler Bedeutung. Aus architektonischer Sicht kann das Bauwerk als reiner Zweckbau klassifiziert werden und ist somit nicht bewertbar.
 

Kraftwerk Kaprun:

VERBUND-Kraftwerk Kaprun Querschnitt
Kraftwerk Kaprun: Querschnitt