VERBUND unterstützt internationale Blitzforschungsstation

10.07.2000Wien

Die Blitzforschungsstation auf dem Gaisberg in Salzburg bietet Österreichs Wissenschaftern gute Chancen, in der internationalen Forschung eine wichtige Rolle zu spielen.

Die 1998 begonnene, jetzt fertiggstellte vollautomatische Station nutzt die natürliche Blitzhäufigkeit am ORF-Sendemast zu Messungen, die neue Erkenntnisse für den Blitzschutz erbringen sollen.

Am Gaisberg werden neben der direkten Strommessung an der Mastspitze das vom Blitzkanal abgestrahlte elektromagnetische Feld und die in Leitungen und Solarpaneele eingekoppelten Spannungen gemessen. Die Station arbeitet unter anderem mit einer Hochgeschwindigkeits-Videokamera, die pro Sekunde bis zu 1.000 Bilder aufzeichnet. Am Abend des 14. Juni 2000 sind die ersten Aufnahmen von drei Blitzschlägen in den Turm mit dieser speziellen Kamera gelungen.

Auswertungen der Daten des österreichischen Blitzortungssystems ALDIS (Austrian Lightning Detection & Information System) der Jahre 1992 bis 1998 hatten gezeigt, daß der ORF-Sendemast am Gaisberg bei Salzburg jährlich von 40 bis 50 Blitzschlägen getroffen wurde - ein ideales Objekt für intensive Forschung.

VERBUND förderte das Projekt Gaisberg, das bisher mit fünf Mio. ATS (363.000 EUR) dotiert wurde, seit 1998 mit 3,5 Mio ATS. Weitere ALDIS-Projekte wurden vom VERBUND seit 1991 mit insgesamt 2,5 Mio ATS bedacht.

"Damit setzt der VERBUND nach dem Aufbau von ALDIS seinen Weg der Forschungsförderung auch in der Grundlagenforschung konsequent fort", erklärte Dipl.-Ing. Dr. Herbert Schröfelbauer, stv. Sprecher des Vorstandes des VERBUND, u.a. für Forschung und Umwelt zuständig und derzeit Präsident des Österreichischen Verbands für Elektrotechnik (ÖVE). Weitere Partner des Gaisberg-Projekts sind die Kärntner Elektrizitätsgesellschaft Kelag und der Österreichische Verband für Elektrotechnik (ÖVE).

Blitzschlag ist noch immer die Hauptursache für Ausfälle in der elektrischen Energieversorgung auf allen Spannungsebenen. Die Forschungsstation Gaisberg soll nun genauere Informationen über die physikalischen Abläufe bei einem Einschlag erbringen. Der VERBUND, der ein Höchstspannungs-Stromnetz von 3.600 Kilometer Länge betreibt, erwartet sich davon eine wirtschaftliche Optimierung seiner Blitzschutzeinrichtungen. "Die Gaisberger Station ist derzeit europaweit einzigartig und auf dem besten Wege, internationale Bedeutung in der Blitzforschung zu erlangen." Dies stellte Blitzforscher Dipl.-Ing. Dr. Gerhard Diendorfer fest, der im ÖVE das ALDIS-Blitzortungssystem leitet.

Es gibt zwei Möglichkeiten, gezielt Messungen an Blitzen vorzunehmen. Bei der Triggerung werden Blitze künstlich ausgelöst durch das Abschießen kleiner Raketen, welche einen dünnen Metalldraht in die Gewitterwolke ziehen. Die Vergleichbarkeit mit natürlichen Blitzen wird aber wegen des beim Einschlag verdampfenden Metalldrahtes immer wieder in Frage gestellt. Exponierte Türme wie der Sendemast am Gaisberg bieten die zweite Möglichkeit, nämlich direkt am Blitz Messungen vorzunehmen.

Weltweit werden vergleichbare Messungen nur an einigen wenigen Forschungsstandorten durchgeführt. Die am Gaisberg gewonnenen Meßdaten werden in Zukunft im Rahmen einer engen Kooperation mit einigen der international bedeutendsten Blitzforschungsstellen ausgewertet, wie dem Lightning Research Laboratory der Universität Florida sowie japanischen Forschungseinrichtungen.

"Die derzeit in Österreich gültige Blitzschutznorm ÖVE-E49 wird in absehbarer Zeit durch eine europäische Norm (ENV 61024-1) abgelöst werden, die einige wesentliche Neuerungen bei der Gestaltung einer Blitzschutzanlage mit sich bringen wird." Dies erklärte ÖVE-Generalsekretär Dipl.-Ing. Dr. Helmut Stärker. Erstmals wird dann bei Dimensionierung und Ausführung einer Blitzschutzanlage im Detail zu berücksichtigen sein, ob sich das zu schützende Gebäude in einem blitzgefährdeten Gebiet oder in einer Zone mit geringer Blitzaktivität befindet – eine direkte Umsetzung der Erkenntnisse aus ALDIS.

Je nach Schutzbedürftigkeit des Objektes sind vier verschiedene Blitzschutzklassen vorgesehen. Welche davon bei einem konkreten Gebäude zur Anwendung kommen soll, hängt von mehreren Faktoren ab. Die wichtigsten davon sind das Blitzschlagrisiko und damit die lokale Blitzhäufigkeit, die Art der Gebäudestruktur (Holzhaus oder Stahlbetongebäude) und die Gebäudenutzung (Rechenzentrum oder Lagerhalle).