Erfolgreiches Krisenmanagement im Ernstfall entscheidend

29.11.2006Wien

Krisen warten nicht, bis alles vorbildlich geregelt ist. Rasches Handeln ist der wesentliche Faktor des Krisenmanagements, da jede Stunde Stromausfall Kosten in Millionenhöhe für die Volkswirtschaft und große Einschränkungen für die Verbraucher verursacht.

Um im Ernstfall die Versorgungssicherheit aufrechterhalten bzw. schnellstmöglich wiederherstellen zu können, hält die VERBUND-Austrian Power Grid AG (APG) von 27. November bis 7. Dezember 2006 in Oberösterreich eine groß angelegte Krisenübung ab.

„Das europaweite Strom-Black-out Anfang November hat uns drastisch vor Augen geführt, wie schnell auch ferne Probleme auf Österreich übergreifen können. Diese Übung soll dazu beitragen, im Ernstfall schnell und professionell zu reagieren, um den volkswirtschaftlichen Schaden zu minimieren“, erläutert APG-Vorstandsdirektor Dr. Heinz Kaupa.

Die in Mehrnbach bei Ried im Innkreis (OÖ) stattfindende Übung, in die auch die Energie AG OÖ, Behörden, Hilfsorganisationen und das Bundesheer eingebunden sind, geht von folgendem Szenario aus:

Aufgrund lange andauernden Starkregens sind drei Masten der 220-kV-Leitung westlich von Ried unterspült worden und umgestürzt. Gleichzeitig hat auch die 380-kV-Leitung in diesem Gebiet durch Hangrutschungen Schaden genommen.

Innerhalb von nur vier Tagen soll von speziell geschulten APG-Mitarbeitern in Zusammenarbeit mit einer Leitungsbaufirma eine provisorische Leitung mithilfe eines Notgestänges errichtet werden. Der noch intakte Teil des österreichischen Stromnetzes, der während des Ausfalls der beschädigten Leitungen deren Kapazitäten übernehmen musste, kann wieder entlastet werden, so die Übungsannahme.

Nach erfolgreichem Abschluss der Übung erfolgen ab 4. Dezember 2006 die Demontage und der Abtransport des Leitungsprovisoriums.

„Die Starkregenfälle und Überschwemmungen der vergangenen Jahre und die von Wissenschaftlern prognostizierte steigende Hochwassergefahr waren ausschlaggebend für das angenommene überaus realistische Krisenszenario“, erklärt Ing. Wolfgang Prießnitz, verantwortlicher Projektleiter der Krisenübung, der sich dabei auf Erkenntnisse aus Studien der Universität für Bodenkultur stützt.

„Bei der Übung handelt es sich um eine der umfangreichsten der vergangenen Jahre; sie stellt für alle Beteiligten eine große technische und logistische Herausforderung dar. Es kommen unter anderem Hubschrauber, Kräne und Seilzüge zum Einsatz“, so Prießnitz.

Die Erfahrungen aus der Übung, insbesondere im Krisenmanagement, werden durch den anerkannten Krisenexperten Wolfgang N. Bachler, den langjährigen Kommandanten des Sondereinsatzkommandos „Cobra“, evaluiert. Die daraus gewonnenen Erkenntnisse werden das Knowhow der APG zur Krisenbewältigung erweitern.

„Professionelles Krisenmanagement ist eine wichtige Aufgabe jedes verantwortungsvollen Unternehmens. Entscheidend ist aber, alles zu tun, um den Ausbruch einer Krise hintanzuhalten. Deshalb ist es für eine gesicherte Stromversorgung Österreichs unbedingt notwendig, den 380-kV-Sicherheitsring rasch zu realisieren“, stellt Dr. Kaupa zusammenfassend fest.