Europas modernstes Pumpspeicherkraftwerk Reißeck II ist am Netz

07.10.2016Mühldorf

Mit einem Knopfdruck starteten Vizekanzler Reinhold Mitterlehner und Landeshauptmann Peter Kaiser heute gemeinsam mit den Vorständen und Geschäftsführern von VERBUND, Kelag und Energie AG Oberösterreich die Maschinen des neuen Pumpspeicherkraftwerks Reißeck II. Das Kraftwerk wurde um 400 Millionen Euro vollständig im Inneren des Berges errichtet und liefert einen bedeutenden Beitrag zur Energiezukunft.

Um 13 Uhr war es soweit: Mit einem Knopfdruck in der Kaverne auf 1.600 Meter Seehöhe hoch über dem Kärntner Mölltal starteten Vizekanzler und Energieminister Reinhold Mitterlehner und Landeshauptmann Peter Kaiser gemeinsam mit den Vorständen und Geschäftsführern von VERBUND, Kelag und Energie AG die Maschinen des neuen Pumpspeicherkraftwerks Reißeck II.

Sechs Jahre lang befand sich im Gebiet des Mühldorfer Grabens die höchstgelegene Wasserkraftwerksbaustelle Österreichs. Im Inneren des Berges wurde eine 43 Meter hohe und 58 Meter lange Felskaverne ausgebrochen. Mit einer 880 Tonnen schweren Tunnelbohrmaschine wurde auf 2.200 Meter Seehöhe ein kilometerlanger Stollen zum Großen Mühldorfer See in den Berg getrieben.
Sämtliche Kraftwerkskomponenten wie die 200 Tonnen schweren Generatoren und Transformatoren mussten vom Mölltal aus mit Schwertransporten auf den Berg und in die Kaverne gebracht werden. Bis zu 350 Fachkräfte arbeiteten gleichzeitig im hochalpinen Projektgebiet. Insgesamt wurden drei Millionen Arbeitsstunden für die Errichtung des Pumpspeicherkraftwerks Reißeck II geleistet.

"Das neue Kraftwerk ist eine weitsichtige und innovative Investition. Damit ermöglichen wir eine saubere, sichere und nachhaltige Energieversorgung", sagt Wirtschafts- und Energieminister Reinhold Mitterlehner. Reißeck II sei eines der wichtigsten Kraftwerksprojekte in den vergangenen Jahren. "400 Millionen Euro wurden investiert, um bis zu 250.000 Haushalte mit nachhaltiger Energie zu versorgen, die regionale Wertschöpfung anzukurbeln und hunderte Arbeitsplätze zu sichern", hebt Mitterlehner die positiven Effekte hervor. "Mit Pumpspeicherkraftwerken stärken wir die Versorgungssicherheit und die Rolle Österreichs als 'grüne Batterie' im Alpenraum. Damit unterstützen wir auch das Erreichen der Energie- und Klimaziele", sagt Mitterlehner, der zudem die gute Zusammenarbeit von Bund, Land und Energieunternehmen hervorhebt.

„Das ist ein Projekt der Superlative“, so Landeshauptmann Peter Kaiser bei der Inbetriebnahme des Kraftwerks: „Ich bin sehr stolz auf die Leistung der ‚Hydrobauer‘, die Bedeutung dieses Kraftwerks strahlt weit über die Region, sogar weit über Österreich hinaus, denn Reißeck II ist auch ein wichtiger Schritt zur Erreichung der Klimaziele.“

Die „grüne Batterie“ Reißeck II ist ein wichtiger Baustein für unsere Energiezukunft

Das Herzstück des neuen Kraftwerks bilden die beiden hocheffizienten Pumpturbinen, die gemeinsam über eine Leistung von 430 Megawatt verfügen. Zur Stromerzeugung können im Turbinenbetrieb bis zu 80.000 Liter Wasser pro Sekunde aus dem Mühldorfer See über den 3,5 Kilometer langen Druckstollen auf die Turbinen und weiter in die Speicher Gößkar und Galgenbichl geleitet werden.
Ist hingegen zu viel Strom im Netz, kann Reißeck II diese Energie speichern, indem Wasser zurück hinauf in den Mühldorfer See gepumpt wird.
Das Kraftwerk im Berg kann dabei die gleichzeitige Stromproduktion von etwa 200 Windkraftanlagen aufnehmen und bei Bedarf auf Knopfdruck wieder bereitstellen. Damit wird das Pumpspeicherkraftwerk Reißeck II als „grüne Batterie“ in den Alpen zu einem wichtigen Baustein für unsere Energiezukunft. 

„Stromspeicher sind in einem erneuerbaren Energiesystem von zentraler Bedeutung. Sie sorgen für die Aufrechterhaltung der Versorgungssicherheit und füllen die  Lücke zwischen Angebot und Nachfrage vor allem in windschwachen und sonnenarmen Zeiten“, so VERBUND-Vorstandsvorsitzender Wolfgang Anzengruber. „Wir begehen diesen Tag mit Stolz und Freude und wünschen dem neuen Kraftwerk Reisseck II möglichst viele wirtschaftliche Einsatzstunden im gemeinsamen europäischen Strommarkt!“

Mit Reißeck II entsteht eine der größten Wasserkraftwerksgruppen in Europa

Mit dem neuen Pumpspeicherkraftwerk Reißeck II werden die bisher hydraulisch getrennten VERBUND-Kraftwerkssysteme Reißeck und Malta miteinander verbunden, womit eine der größten Wasserkraftwerksgruppen Europas mit einer Turbinenleistung von mehr als 1.450 Megawatt entsteht. Diese Kraftwerksgruppe steht jeden Tag im Einsatz, um Schwankungen im Stromnetz auszugleichen und Strombedarfsspitzen zuverlässig abzudecken. 

Leo Windtner, Generaldirektor und Vorstandsvorsitzender der Energie AG Oberösterreich: „Die Erweiterung der Kraftwerksgruppe ist für die Energie AG Oberösterreich von besonderer Bedeutung: Wir können einerseits eine wichtige Speicherressource nutzen und andererseits unser Aufbringungsportfolio weiter optimieren. In Zeiten sehr volatiler Produktion durch die neuen erneuerbaren Energien Sonne und Wind sind grüne Batterien wie das Pumpspeicherkraftwerk Reißeck II für eine sichere Versorgung unverzichtbar!“

400-Millionen-Euro-Investition floss zu 90 Prozent in österreichische Wertschöpfung

VERBUND investierte gemeinsam mit den langjährigen Partnern Kelag und Energie AG Oberösterreich rund 400 Millionen Euro in das Pumpspeicherkraftwerk Reißeck II. 90 Prozent der Investitionssumme wurden in Aufträge an die österreichische Wirtschaft mit heimischer Wertschöpfung vergeben. So verbleiben auch mehr als 50 Millionen Euro an lokaler und regionaler Wertschöpfung in Kärnten.
Armin Wiersma, Vorstand der Kelag: „Unsere Beteiligung am Kraftwerk Reißeck II ist mit rund 200 Millionen Euro die größte Einzelinvestition unseres Unternehmens in seiner mehr als 90-jährigen Geschichte und stellt damit einen Meilenstein für unser Unternehmen und unsere Stromerzeugung dar. Mit diesem Strombezugsrecht steigt unsere Erzeugungsleistung um 16 %  auf rund 1.330 MW. Diese Investition bedeutet einen großen Schritt in Richtung unseres strategischen Ziels, alle Kunden mit Strom aus eigener, regenerativer Erzeugung zu versorgen.“

Acht Millionen Euro flossen in ein breites Bündel an ökologischen Begleitmaßnahmen, wobei insbesondere die Renaturierung im hochalpinen Raum weit oberhalb der Baumgrenze international neue Maßstäbe setzt.

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Pressesprecher für Kärnten und Steiermark

Robert Zechner Robert Zechner

Pressesprecher für Steiermark und Kärnten

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