Flying Rotor im Donaukraftwerk Wallsee-Mitterkirchen

19.12.2019Aschach, Wallsee-Mitterkirchen

VERBUND, saniert bis 2025 alle sechs Maschinensätze beim Donaukraftwerk Wallsee-Mitterkirchen. 2017 wurden Rotor und Turbine 1 bereits instandgesetzt, heuer folgte Maschine sechs. Ihr Rotor wurde Mitte September 2019 ins Donaukraftwerk Aschach zur Generalüberholung verschifft. Nun kehrte am 18. Dezember 2019 der 218 Tonnen schwere Rotor wieder per Schiff zurück und wurde in Millimeterarbeit wieder eingebaut. In der Zwischenzeit stand die Turbine 6 in Revision.

Die Hauptmaschine 6 vom VERBUND-Wasserkraftwerk Wallsee-Mitterkirchen liefert seit Februar 1968, d.h. seit nunmehr beinahe 52 Jahren, elektrische Energie. Daher muss wie bei einem Auto-Service auch die Turbinen – das Herzstück zur Stromerzeugung – einem Service unterzogen werden. Dabei wurde der 218 Tonnen schwere und elf Meter im Durchmesser große Rotor spektakulär vom VERBUND-Schiff abgeladen und wieder eingebaut.

Kompletter Vital-Service für Turbine 6

2017 wurden bereits Rotor und Turbine 1 des VERBUND-Kraftwerks Wallsee-Mitterkirchen saniert. Seit Ende August 2019 führt VERBUND an der Hauptmaschine 6 eine Großrevision durch, die voraussichtlich bis März 2020 dauern wird. 
Neben den standardmäßigen Instandhaltungsarbeiten – wie Feststellung und Behebung von Abnützungen und Schäden am Korrosionsschutz – wurden insbesondere an kritischen Anlagenteilen Teile erneuert und Leckagen im Rohrleitungssystem behoben.

Zusätzlich baute VERBUND den Wasserkreislauf vom Kühlsystem für die Generator- und Transformatorabwärme sowie für die Abwärme aus den Lagerstellen der Turbine von einem offenen auf einen geschlossenen Kühlkreislauf um. Zu guter Letzt wurden kritischen Teile am Haupttransformator erneuert und Komponenten an der Automation für die erneuerten Anlagenteile modernisiert.

50 Jahre und kein bisschen müde

„Erstmals nach 50 Jahren Betrieb erfolgte auch beim Hauptgenerator und seiner Schaltanlage eine Generalsanierung“, so Kurt Schauer, Betriebsingenieur im Donaukraftwerk Wallsee-Mitterkirchen. „Neu ist bei dieser Revision auch, dass nach über 50 Jahren Betrieb, der innere Verstellmechanismus (Hebelmechanismus) im Turbinenlaufrad eingehend inspiziert wurde und einer Instandsetzung unterzogen wurde, bei dem wesentliche Dichtungselemente erneuert wurden.“

Auch wurde nach mehr als 50 Jahren erstmals das Turbinenöl getauscht. „Das ist das Flüssigkeitsmedium, das Kräfte überträgt und für eine ausreichende Schmierung sorgt“, informiert Schauer und zeigt sich zufrieden, dass sich die ständige Pflege des Turbinenöls auf die 50-jährige Verwendungsdauer so äußerst positiv auswirkte. Schauer ist erfreut über die Revisionsarbeiten und die Qualität der Maschine und ist überzeugt, dass sie die nächsten 50 Jahre weiterhin fleißig und problemlos ihrer Arbeit zur Stromerzeugung aus Wasserkraft nachgehen wird.

Der fliegende Rotor

Spektakulär war die Ankunft des Rotors für die Turbine 6. Nach einer fast siebenstündigen nächtlichen Fahrt auf der Donau vom VERBUND-Kraftwerk Aschach ins Kraftwerk Wallsee-Mitterkirchen wurde der 218 Tonnen schwere Rotor von zwei Portalkränen des Donaukraftwerks abgeladen. Der „fliegende“ Rotor schwang hoch in der Luft und wurde mit viel Fingerspitzengefühl in den Bauch des Kraftwerks eingehoben. Die Einbauarbeiten sind Millimeterarbeit und erforderten höchste Konzentration der Mitarbeiter von VERBUND und Andritz. 

Tonnenschwerer Schiffstransport

Der komplett sanierte Rotor der Turbine 6 wurde im Donaukraftwerk Aschach generalüberholt. Nach 13 Wochen brachte eines der VERBUND-Schiffe den Rotor an seinen angestammten Einsatzort zurück. Die Generalüberholung des Rotors umfasste den Austausch von 92 Polen, Reinigung und Entrostung, mechanische Rissprüfungen, Ersatz der Bolzen sowie der Einbau zweier neuer Lüfterräder. Der elf Meter große und 218 Tonnen schwere Ring ist nun wieder frisch renoviert und kann sich künftig wieder voll und ganz der Stromerzeugung aus Wasserkraft widmen.

Mehr Effizienz, weniger Wartung

Ziel der Kompletterneuerung ist nicht nur die Auffrischung der Lebensdauer sondern auch die Erneuerungen an Turbine, Generator inkl. Schaltanlage, Transformator und das Kühlsystem des Maschinensatzes. Matthias Neckam von VERBUND, Leiter der Rotor-Sanierung: „All diese Maßnahmen sollen künftig weniger Wartungsaufwand verursachen. Der Maschinensatz wird dank letztem Stand der Technik auch effizienter laufen.“

Insgesamt sollen in den kommenden Jahren alle sechs Maschinensätze des Kraftwerks getauscht werden. Der Effizienzgewinn wird dann insgesamt 12 Mio. Kilowattstunden betragen, das entspricht dem Jahresverbrauch von 3.500 Haushalten.
 

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Florian Seidl Florian Seidl

Pressesprecher Erzeugung

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