VERBUND beantragt Sofortvollzug für raschen Projektstart des Energiespeichers Riedl
Die VERBUND Tochter Donaukraftwerk Jochenstein AG hat am 2. Juni 2026 beim Landratsamt Passau die Anordnung der sofortigen Vollziehung des Planfeststellungsbeschlusses für den Energiespeicher Riedl beantragt. Dieser Schritt ermöglicht die Projektumsetzung parallel zu den laufenden Klageverfahren und verhindert Verzögerungen von mehreren Jahren bei diesem wichtigen Infrastrukturprojekt für eine nachhaltige und unabhängige Energiezukunft.
Der Energiespeicher Riedl ist als europäisches Projekt von gemeinschaftlichem Interesse („Project of Common Interest") ein wichtiger Baustein für die Energiezukunft in Bayern und Österreich. Mit einer Speicherkapazität von 3,5 Gigawattstunden und einer Leistung von mehr als 300 Megawatt leistet das Pumpspeicherkraftwerk einen unverzichtbaren Beitrag zur Integration der volatilen erneuerbaren Energien durch die Stabilisierung des Stromnetzes.
"Der Energiespeicher Riedl ist ein Schlüsselprojekt für die Energietransformation in Bayern und Österreich", erklärt Michael Strugl, CEO der VERBUND AG – Eigentümerin des Vorhabensträgers Donaukraftwerk Jochenstein AG (DKJ). „Das Projekt wurde 15 Jahre auf Herz und Nieren geprüft und erfüllt alle umweltrechtlichen, technischen und wirtschaftlichen Anforderungen. Der Planfeststellungsbeschluss berücksichtigt die Stellungnahmen der verschiedenen Fachbehörden und enthält umfangreiche Schutzmaßnahmen für Mensch und Natur. Nach unserer festen Überzeugung wird dieser der gerichtlichen Überprüfung standhalten. Mit dem Antrag auf Sofortvollzug setzen wir ein klares Bekenntnis zu diesem für die Energie-Resilienz wichtigen Infrastrukturprojekt. Denn eine zeitnahe Umsetzung – bereits während der gerichtlichen Klärung – liegt im Interesse der unabhängigen Energieversorgung bei gleichzeitiger Wahrung aller rechtsstaatlichen Verfahren.“
Zeitgewinn von mindestens drei Jahren: Sofortvollzug sichert rechtzeitige Speicherkapazitäten für Energietransformation
Gegen den Planfeststellungsbeschluss liegen derzeit drei Klagen beim Bayerischen Verwaltungsgerichtshof vor. Diese haben grundsätzlich aufschiebende Wirkung, wodurch der Planfeststellungsbeschluss nicht vollziehbar ist. Ohne die beantragte Anordnung der sofortigen Vollziehung würde das Projekt um mehrere Jahre verzögert: Eine Inbetriebnahme des Energiespeichers Riedl könnte erst Mitte des nächsten Jahrzehnts erfolgen.
„Was wir gewinnen, ist Zeit – drei bis fünf entscheidende Jahre, die wir angesichts des rasanten Ausbaus der erneuerbaren Energien aus Wind und Sonne dringend brauchen. Mit dem behördlich angeordneten Sofortvollzug können wir früher jene Speicher- und Flexibilitätskapazitäten bereitstellen, die für die Energietransformation unverzichtbar sind," erklärt Strugl.
Standardvorgehen bei Großprojekten
Der Sofortvollzug ist in Deutschland bei großen Energie- und Infrastrukturprojekten wegen des besonderen öffentlichen Interesses ein übliches und rechtlich etabliertes Instrument. Er ermöglicht den Beginn der Arbeiten während der gerichtlichen Überprüfung. Die Rechte der Kläger bleiben dabei vollumfänglich gewahrt.
Das überragende öffentliche Interesse am Energiespeicher Riedl ist nach deutschem Energiewirtschaftsgesetz (EnWG) und durch den verliehenen PCI-Status durch die Europäische Union offensichtlich. Unmittelbar nach Erteilung des Sofortvollzugs durch das Landratsamt Passau wird mit den Bauarbeiten am Energiespeicher Riedl begonnen werden.
Das Projekt Energiespeicher Riedl – wichtiger Beitrag zur Energietransformation
Der Energiespeicher Riedl ist ein hochflexibles Pumpspeicherkraftwerk mit einer Leistung von mehr als 300 MW. Der Wirkungsgrad der langfristig erprobten Technologie liegt bei rund 80 Prozent. Bei einem Stromüberangebot aus Windkraft und Photovoltaik wird Wasser aus dem Stauraum des Donaukraftwerks Jochenstein in ein rund 330 Meter höher gelegenes Oberbecken gepumpt und dort zwischengespeichert. Bei hoher Nachfrage oder bei Engpässen im Netz wird in Sekundenschnelle Wasser aus dem Speicherbecken zu den beiden unterirdischen Maschinensätzen geleitet, die Strom erzeugen, welcher ins Netz eingespeist wird. Das Wasser gelangt anschließend wieder in die Donau. Die ökologisch hochwertigen Donauleiten werden durch das Projekt nicht berührt, da sich die Bauwerke tief im Berg darunter befinden.
Eckdaten zum Energiespeicher Riedl
- Maschinenleistung: 2 x 150 Megawatt
- Volumen Speichersee: 4,2 Mio. m³
- Wasserfläche Oberbecken: 24 ha
- Mittlere Fallhöhe: 331,5 m
- Mittlerer Donauabfluss: 1.420 m³/s
- Durchfluss Turbinenbetrieb: 114 m³/s
- Durchfluss Pumpbetrieb: 85 m³/s
- Unterbecken sind die Stauräume Jochenstein und Aschach
- Standort Kraftstation: Gemeinde Untergriesbach/Ortsteil Jochenstein
- Standort Speichersee: Gemeinde Untergriesbach/Ortsteil Gottsdorf
Über VERBUND in Bayern
VERBUND ist in Bayern seit 1952 über die Donaukraftwerk Jochenstein und die Österreichisch-Bayerische Kraftwerke AG und seit 2009 über die bayerischen Innkraftwerke mit Wasserkraftanlagen tätig.
Aktuell betreibt VERBUND in Bayern und an der Grenze Österreich/Bayern 22 Laufwasserkraftwerke mit einer Leistung von rund 1.040 MW und erzeugt grünen Strom aus Wasserkraft für 1,8 Mio. Haushalte. Mit dem Pumpspeicherprojekt Energiespeicher Riedl erhöht sich das Investitionsvolumen von VERBUND in die bayerische Wasserkraft auf rund 1,7 Milliarden Euro bis 2030.