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Mit dem Fahrrad die Donauinsel entlang. Das Kraftwerk Freudenau ist im Blickfeld und dann platzt der Reifen… am Ende des Weges beginnt der Ursprung des Stroms.

Der laue Fahrtwind und die schöne Aussicht belohnen jeden Radliebhaber auf der Donauinsel, doch plötzlich ist die Luft raus. Der "Patschen" stoppt das Fahrrad und die wissbegierige Tochter setzt mit Fragen an. Jetzt geht es zurück zum Ursprung...

Patschen

Unser Blick richtet sich auf das Kraftwerk Freudenau, welches sich den Wassermassen der Donau in den Weg stellt. „Was ist das?“, die ersten Fragen meiner Tochter Kathrin starten. „Das ist ein Wasserkraftwerk, da wird Strom produziert“, versuche ich schnell und kurz alles zu erklären. „Da kommt unser Strom her, wie geht das?“ - das wird eine lange Geschichte - denke ich mir und hole aus.

Umweltfreundlicher Strom aus Wasserkraft...

Im Kraftwerk Freudenau wird umweltfreundlicher Strom aus Wasserkraft produziert. Seit 2008 erzeugen 6 Turbinen jedes Jahr bis zu 1,05 Mrd. Kilowattstunden Strom. Das deckt den Strombedarf der Hälfte aller Wiener Privathaushalte. Das Herzstück des Wasserkraftwerks sind die Turbinen. „Im Prinzip funktioniert das wie ein Dynamo am Fahrrad, nur viel größer“, Kathrin staunt.

Freudenau-III

Die Donau wird aufgestaut und bildet eine Riesenbadewanne, die immer wieder ein wenig abgelassen und dann wieder aufgestaut wird. Eigentlich ganz einfach, wenn man darüber nachdenkt. "Das verstehe ich", meint Kathrin erfreut.

Die Fallhöhe des Wassers von der Staumauer ist gut 8 Meter, hier stürzt das Wasser mit voller Wucht auf die Schaufelräder der Turbinen. "So wie damals bei meinem Schaufelrad in der Sandkiste", denkt Kathrin laut mit. Der Rückstau reicht bis zum nächstgelegenen Kraftwerk Greifenstein rund 30 Kilometer stromaufwärts. Die an die Turbinen angeschlossenen Drehstrom-Generatoren erzeugen dann den Strom und dieser wird dann im Transformator von 8 kV (KiloVolt) auf 110 kV hochgespannt.

...geht auf Reisen

Über ein 110 kV-Kabel gelangt der Strom schließlich vom Kraftwerk in das knapp 2 Kilometer entfernt liegende Umspannwerk Kaiserebersdorf der Wien Energie. „Das erspart uns, dass alle Elektrogeräte nicht sofort kaputt gehen, da die Spannung verringert wird.“ Die optimale Spannung von 220 Volt muss erreicht werden. Ansonsten geht mit unseren Geräten nichts mehr. Das muss einfach passen. "Das wäre schon schade, vor allem, wenn der Toaster nicht mehr geht", Kathrin erinnert mich wieder an ihren Essenswunsch fürs Abendessen.

Fahrrad

"Für die Behörden zählt aber eher die Schifffahrt", versuche ich meiner Tochter den Sinn und Zweck der Donau einzuschärfen, "die Stromproduktion passiert also eher nebenbei". "Aber Strom ist doch viel wichtiger, als die paar Schiffe", Kathrin ist recht verwundert. "Ich glaube wir müssen da nochmal darüber reden", versuche ich meine Tochter zum Aufbruch zu bewegen.

Nach dem umfassenden Vortrag von meiner Seite ein wenig erschöpft peile ich nur mehr das Taxi an. Während der Fahrt noch eine neugierige Frage meiner Tochter: „Sind wir schneller zu Hause als der Strom“? „Der wartet schon auf uns zu Hause....im Toaster."