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Wir modernisieren Österreichs ältestes Donaukraftwerk Ybbs-Persenbeug. Was das bringt? Zum Beispiel mehr Strom für rund 17.000 Haushalte pro Jahr. Wir haben uns zum Projektauftakt vor Ort umgesehen.

Es riecht nach Adria-Hafen, so wäre der erste Eindruck vom Einlauf der Maschine 7 in Ybbs. Ein fischiger Geruch, der vom verlegten Einlaufrechen stammt, verleidet uns die schwankende Fahrt in einem Förderkorb hinunter auf den Grund des Kraftwerks Ybbs-Persenbeug. Doch der Geruch tritt zurück vor dem Eindruck der schwankenden Fahrt in dem improvisierten Lift. Der Portalkran, der uns hinunterlässt, befördert normalerweise zig Tonnen schwere Stahlteile: Dammbalken zum Abdichten der Turbinen, Maschinenteile, Baumaterial.


Die Taucher sind als erste da. Sie sorgen für eine dichte Dämmung des Turbinenschachtes, in dem gearbeitet werden soll.

Ybbs-Persenbeug war Österreichs erstes Donaukraftwerk. Betriebsingenieur Wolfgang Leeb erzählt bei seinen Kraftwerksführungen gerne schmunzelnd, dass in den 1950er Jahren die Sorge vorherrschte, ob Österreich den darin produzierten Strom jemals verbrauchen würde. Heute steht Österreich vor dem umgekehrten Problem: zu wenig Strom wird im Inland produziert. Im Sinne der Energiewende ist der Ausbau der Wasserkraft nötig. Das bedeutet für VERBUND nicht nur Neubau, sondern auch ständige Analyse der bestehenden Anlagen. Wo Effizienzverbesserungen möglich sind, werden diese auch angegangen.


Projektleiter Karl Zikulnig erläutert dem ORF die Details von „Ybbs2020“

In Ybbs-Persenbeug ist eine Effizienzsteigerung auch dann sinnvoll, wenn es sich auf dem Papier um Verbesserungen im Prozentbereich handelt. Von der Wicklung neuer Generatoren (reduzieren Energieverluste) bis zur Verwendung härter belastbarer Stahl-Legierungen für die Maschinenteile summieren sich die Verbesserungen. Ein Effizienzgewinn von 4,5 % bedeutet bei einer Anlage wie Ybbs mit 7 Turbinen Strom für 17.000 Haushalte. Das entspricht dem Jahresbedarf der Bezirkshauptstadt Amstetten oder der Erzeugung eines Murkraftwerks.


Charmante Architektur aus den 1950er Jahren: das Eingangsfoyer von Ybbs-Persenbeug

Retro ist wieder "In" - in Ybbs war es nie out. Das Kraftwerk schöpft seinen Charme aus der selbstbewussten Architektur der Nachkriegszeit, als der Aufschwung des kleinen Österreichs in den Energie-Bauten spürbar wurde.

Die Maschine 7 wurde erst 1996 im Kraftwerk ergänzt. Sie verkörpert den Fortschritt der heimischen Ingenieurskunst und war lange Zeit Europas größte Kaplan-Rohrturbine. Sie liegt, anders als die übrigen 6 Maschinen wie ein Torpedo im Wasser. Sie muss in den kommenden Jahren zuverlässig und ohne Unterbrechung durcharbeiten, darum wird sie als erste ertüchtigt und erhält einen neuen Stator-Ring. Dieses Teil gibt einen Eindruck von der Größe der Maschine und ist am Tag des Projektauftaktes beliebtes Motiv der Pressefotografen.


43.000 flache Eisenblechteile werden in diesen neuen Stator-Ring eingeschichtet

„Die Kunst besteht darin, das Kraftwerk bei laufendem Betrieb mit möglichst wenig Erzeugungsverlusten umzubauen“, erklärt Elektrotechniker Karl Zikulnig. Der gebürtige Kärntner ist einer der erfahrensten Projektleiter und hat mit dem Kraftwerk in Ybbs eine besondere Herausforderung gefunden. Eine Maschine abzustellen und auf die Stromerzeugung zu verzichten, kommt teuer in einer Zeit, in der Wasserkraft als Produkt immer mehr geschätzt wird. Darum werden die Arbeiten möglichst in der niederschlagsarmen Periode durchgeführt, also im Winter und Frühjahr.

Mit Werksgruppenleiter Heinz Allmer gönnen wir uns ein besonderes Vergnügen: die Durchquerung einer Maschine „zu Fuß“. 


25 Meter tief geht es hinein auf das Grund-Niveau der Donau

Vom Grundniveau der Donau geht es durch den stillgelegten Wasserschacht durch das „Mannloch“ in die Turbine. Wir sehen die 7,5 Meter großen Schaufeln und klettern über Leitern hinauf bis auf den um 40 Meter höhergelegenen Hallenboden.

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Gute Nachbarn legen selbst mit Hand an: die Bürgermeister der Anrainergemeinden Anton Sierlinger (Ybbs, links) und Manfred Mittmasser (Persenbeug-Gottsdorf) arbeiten am neuen Stator-Ring.

So ähnlich muss sich eine Ameise fühlen, die in einen Handfön gefallen ist. Um uns herum turnen VERBUND-Mitarbeiter und Techniker der Lieferfirmen. Der Helm leistet gute Dienste in den engen Schächten, schützt er doch die Denkerstirn vor dem unvermeidbaren Kontakt mit den Stahlteilen, die uns umgeben. Erleichtert zwängen wir uns oben wieder aus dem Loch und genießen die Weite der Turbinenhalle.

Für heute haben wir genug gesehen. Spannend wird es wieder, wenn in zwei Jahren die erste 80 Tonnen schwere Turbine ausgehoben wird. Dann werden wir aber an der frischen Luft hinauf zum Portalkran des Kraftwerks klettern und die Arbeiten von oben begleiten.