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Habt ihr gewusst, dass die Donau-Kraftwerke ferngesteuert werden? Oder dass es Turbinen gibt, die mit Wasser geschmiert werden? Wir zeigen euch 3 spannende Projekte von VERBUND, die die Chancen der Technik nutzen.

Stillstand ist Rückschritt. Technologische Entwicklungen bringen dagegen einen klaren Vorsprung – und haben das Potenzial, neue Maßstäbe zu setzen. Deshalb arbeitet VERBUND laufend an Innovationen, die den Kraftwerksbetrieb noch effizienter machen und das Klima schützen.

Blaues Gold statt schwarzes Öl: StreamDiver©

Es läuft wie geschmiert, in Wien-Nußdorf. Grund dafür ist eine kleine technische Sensation: Eine Turbine namens StreamDiver© verzichtet auf Öl und wird mit Wasser geschmiert. Durch ihre Kompaktheit kann sie zudem leicht eingesetzt werden. „Das bietet viele Möglichkeiten für neue Kraftwerkskonzepte“, erklärt VERBUND-Projektleiter Stephan Benda. Die Instandhaltung ohne Öl ist nicht nur günstiger, sie ist auch umweltfreundlicher: Pro Turbine können 28 Liter Öl im Jahr gespart werden. Außerdem lassen sich mit StreamDiver© niedrige Wasser-Fallhöhen nutzbar machen.

„Die Turbine hat alle Härteproben überstanden und ist durchgehend in Betrieb“, so Benda. Seit 2012 testen VERBUND und der Wasserkraft-Spezialist Kössler gemeinsam mit Wien Energie und EVN das neue Modell. Die österreichische Forschungsförderungsgesellschaft FFG unterstützt das Projekt mit 1,2 Mio. Euro. „Wir haben zahlreiche Versuche gemacht und mit der Technik am neuesten Stand einiges ausprobiert. Nun analysieren wir das Langzeitverhalten, beispielsweise die Bestandfähigkeit der Materialien, und die Umsetzung in neue Konzepte“, sagt Benda. Leistungsstarke 446 kW und eine große Portion Pioniergeist eröffnen neue Chancen – für das Unternehmen und die Umwelt.

Kompakt, leicht einsatzbar und mit Wasser geschmiert: Die innovative Turbine StreamDiver© steht in Wien-Nußdorf am Prüfstand.

Wasserkraft mit Fernbedienung: Zentralwarte Freudenau

Manfred Mayer weiß über jede Turbine Bescheid. Der VERBUND-Mitarbeiter kontrolliert in der Zentralwarte im Kraftwerk Freudenau den regulären Betrieb. Das Spektakuläre daran: Von hier aus werden alle 9 Donau-Kraftwerke gesteuert. „Alles, was auf der Donau passiert, kriegen wir live mit. Ich sorge dafür, Rahmenbedingungen zu schaffen, damit die Arbeit in den Kraftwerken sicher ist“, erklärt Mayer. Die wenigstens wissen, dass die Fernsteuerung von Wien aus erfolgt – und welche Pionierarbeit dahinter steckt. Immerhin wird mit modernster Leittechnik und computergestützter Vernetzung von 120.000 Messpunkten erhoben, ob die Anlagen korrekt laufen.

Die Projektphase dauerte 8 Jahre, seit 7. Juli 2011 ist die Zentralsteuerung in Betrieb. Die Umrüstung ist nicht nur ein Meilenstein für den Kraftwerksbetrieb, sondern auch eine Chance: Arbeitsabläufe wurden analysiert und umgestellt, die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind nun effizienter im Einsatz, beispielsweise in Ernstfällen. „Wichtig ist, den Überblick zu behalten und nicht in Stress zu geraten, wenn eine Turbine ausfällt oder der Wasserpegel stark anschwillt“, sagt Mayer. Es ist eben die Kombination aus High-Tech und menschlicher Erfahrung, die hier zum Erfolg führt.

Alles auf einen Blick: Von der Zentralwarte Freudenau werden die 9 Donau-Kraftwerke ferngesteuert – 120.000 Messpunkte geben Bescheid, ob die Anlagen korrekt laufen.

Kraftwerk am Puls der Zeit: Ybbs 2020

Auf den Monitoren der Zentralwarte ist auch Ybbs-Persenbeug im Blick. Das älteste Donaukraftwerk Österreichs ist Objekt einer großen Investition: Bis 2020 steckt VERBUND rund 144 Mio. Euro in die Modernisierung. Nicht nur im Neubau, sondern gerade bei bestehenden Anlagen sind Effizienzverbesserungen von großer Bedeutung. Dabei wird an jeder Schraube gedreht, neue Generatoren, Turbinen, Transformatoren erhöhen den Wirkungsgrad des Kraftwerks. „Dadurch können circa 20.000 Haushalte zusätzlich versorgt werden“, erklärt Projektleiter Karl Zikulnig.

„Die Herausforderung an diesem Projekt ist, dass wir bei laufendem Betrieb umbauen. Wir müssen die Gewerke koordinieren und Erzeugungsverluste minimieren“, meint Zikulnig und ergänzt: „Vom Umfang der Arbeiten ist das mit einem Neubau vergleichbar.“ Nach der Großrevision können jährlich zusätzlich 49.000 Tonnen CO2-Emissionen eingespart werden. Im Herbst findet der erste Maschinentausch statt, aktuell wird der Stator-Ring mit zigtausenden Dynamoblechen vor Ort gefertigt. Neugierig geworden? Bei einer Führung durchs Kraftwerk könnt ihr die Arbeit am Generator live beobachten – und Augenzeuge eines spannenden Projekts für die Zukunft werden.

Mit Maß und Ziel: Die Revisionsarbeiten im Kraftwerk Ybbs-Persenbeug sind voll im Gange – beispielsweise wird der neue Stator-Ring vor Ort gefertigt.