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26. Juni 2017

Willkommen im Fischlabyrinth am Donaukanal!

Damit sich Fische auf ihrem Weg vom Donaukanal in die Donau nicht verirren, haben wir ihnen ein bequemes Labyrinth gebaut. Der Erfolg lässt die Experten staunen, denn schon in den ersten Wochen haben mehr Fische ihren Weg gefunden, als vermutet.

Das Kraftwerk Nußdorf wurde 2005 im prachtvollen Jugendstil-Ensemble der Otto-Wagner-Schleuse (auch Schemerl-Wehr genannt) am Brigittenauer Sporn errichtet. Als Gemeinschaftskraftwerk gehört es EVN, Wien Energie und VERBUND. Der Betrieb wird vom Donaukraftwerk Freudenau aus gesteuert. Wie jedes Kraftwerk war auch dieses eine Barriere für die Fischwanderung und trennte den Donaukanal von der Donau. Diese Verbindung wurde in zwei Jahren Bauzeit wieder hergestellt und nun flutscht der Fisch, wie die Experten zufrieden feststellten.

Willkommen im Fischlabyrinth

Im trockenen Zustand der Fischaufstiegshilfe findet man sich in einer verwirrenden Anordnung von Betonsäulen und verwinkelten Gängen wieder. Die Betonpfeiler verlangsamen die Strömung und bilden damit Tümpel, in denen die Fisch rasten können. 3,6 Meter Höhenunterschied müssen auf engem Raum zwischen Donaukanal und Donau überwunden werden. 37 verbundene Becken auf 320 Metern ermöglichen es den Fischen, das Kraftwerk zu umschwimmen. Eine ausgeklügelte Lockströmung im Mündungsbereich der Fischwanderhilfe dient dabei als „Hinweistafel“ für die Fische. 

Trockener Beton-Schlitzpass der Fischwanderhilfe

Wer behauptet, muss beweisen

Unmittelbar zur Eröffnung der Fischwanderhilfe am 4. April 2017 startete unter tatkräftiger Mithilfe von Politprominenz das „Monitoring“. An einer speziellen Fischreuse kontrollieren die Ökologen täglich, welche Fische durch den Aufstieg schlüpfen. Die Ergebnisse sind beeindruckend. Insgesamt wurden in den ersten drei Wochen (vom 4.4. bis 22.4.) 1.182 Fische aus 22 Arten in der Reuse nachgewiesen. Besonders häufig vertreten war die Nase (587 Individuen), die derzeit gerade auf Wanderung ist. Größere Stückzahlen gibt es noch bei Rotauge, Güster, Rußnase und Zingel. „Bisher konnte also sowohl der Aufstieg von schwimmstarken Arten wie Barbe und Nase aber auch von schwimmschwächeren, stillwasserliebenden Fischarten wie z.B. Schleie und Rotfeder belegt werden. Auch eher bodenorientierte Fischarten wie Zingel finden ganz offensichtlich ihren Weg,“ so Christian Frangez, Gewässerökologe von EZB, der mit seinen Kollegen die Reuse betreut.

Kein Anglerlatein

Schon in der zweiten Betriebswoche nutzte ein kapitaler Ehrengast die Fischwanderhilfe. Zum großen Stolz der Konstrukteure wurde ein Wels mit 138 Zentimetern Länge entdeckt. Ausgelegt wäre die Fischwanderhilfe gemäß dem Leitfaden für Fischwanderhilfen sogar auf 150 Zentimeter- noch ist der Rekord also nicht erreicht und man darf getrost darauf vertrauen, dass der Donaukanal noch die eine oder andere Überraschung bereit hält.
 
Gefangene Perlfische

Perlfische in der Donau

Erfreulich ist auch der Fund der seltenen Perlfische, die bislang nur in den Süßwasserseen des Voralpenlandes bekannt (und dort schon teilweise bedroht) waren. In der Donau gab es noch nie Beobachtung größerer Populationen. So dient die Fischwanderhilfe auch gleich der Forschung.

Generell sind die Ergebnisse der Fischwanderhilfe Nußdorf Beweis für die hohe Gewässergüte zwischen Donau und Donaukanal. Die vielfältigen Maßnahmen von Österreichs Energiewirtschaft zur Verbesserung der heimischen Flüsse zeigt Wirkung. Die Fischwanderhilfe liefert zweifelsfrei einen wichtigen Beitrag für ein stabiles und vielfältiges Ökosystem. 
Gefangener Riesen-Wels

Lokalaugenschein bei der Probebefischung in Nußdorf

Impressionen von der Fischwanderhilfe Nußdorf am Donaukanal