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04. Januar 2018

Energiepolitik: VERBUND hat klare Standpunkte

Mehr erneuerbare Energien, fairer Wettbewerb für Stromunternehmen und Dekarbonisierung in allen Sektoren – das ist der VERBUND-Weg in die Zukunft. Wie das mit den Plänen der neuen Regierung zusammenpasst? Wir haben nachgefragt.

Am 18. Dezember war es soweit: Bundespräsident Alexander Van der Bellen gelobte in der Wiener Hofburg die neue Bundesregierung an. Der Startschuss für ein neues Programm, das auch die künftige Marschroute für Energie- und Umwelthemen in Österreich vorgibt. VERBUND ist von einigen Punkten des Papiers betroffen – und das Unternehmen vertritt dazu deutliche Ansichten.

Klimastrategie in trockene Tücher bringen
„Für uns geht vieles in die richtige Richtung“, schildert Roland Langthaler, Verantwortlicher für Legeslative Affairs bei VERBUND. Die Unternehmensposition finde sich in einigen Vorschlägen der Regierung wieder – sei es beim Ziel einer Stromversorgung durch 100 % erneuerbare Energien bis 2030, beim Fokus auf Speicher oder beim Ausbau des Stromnetzes. Ein zentrales Anliegen von VERBUND bildet seit langem eine integrierte Klima- und Energiestrategie. Ziel ist, die Energieversorgung Österreichs damit langfristig sicherzustellen und einen Pfad für die Dekarbonisierung des Energiesystems bis 2050 aufzuzeigen. „Hier hat bereits die letzte Regierung Vorarbeit geleistet – ich bin optimistisch, dass die Strategie im ersten Halbjahr 2018 steht“, ist Langthaler überzeugt.


Roland Langthaler, Verantwortlicher für Legeslative Affairs bei VERBUND.
Experte nimmt Stellung: Robert Langthaler ist Verantwortlicher für Legeslative Affairs bei VERBUND. © VERBUND/Credtenbacher

Ausbau erneuerbarer Energien forcieren
„Erfreulich ist auch, dass die Wichtigkeit der Sektorkoppelung erkannt wurde“, ergänzt der Experte. „Um die Dekarbonisierung voranzutreiben, müssen wir sauberen Strom im Verkehr, in der Industrie oder beim Heizen einsetzen – entweder direkt oder durch dessen Umwandlung in andere Energieträger wie zum Beispiel grünen Wasserstoff.“ Voraussetzung dafür ist für VERBUND der forcierte Ausbau von heimischen Grünstrom. Laut einer Studie der TU Wien muss die Erzeugung aus erneuerbaren Energien bis 2030 um bis zu 31 Terrawattstunden gesteigert werden. „Um die Energiewende zu schaffen, müssen Marktbarrieren abgebaut und behördliche Genehmigungsprozesse vereinfacht werden“, so Langthaler. „Ein richtiger Schritt ist zum Beispiel auf europäischer Ebene das Clean Energy Package der EU, das auf Wettbewerb, Energieeffizienz und verstärkte Teilnahme der Verbraucher am Energiemarkt setzt.“ Darüber hinaus wird auch die Bedeutung von Energiespeichern massiv zunehmen – ein Punkt, den übrigens das neue Regierungsprogramm ebenfalls berücksichtig.

Preissignale bei Förderungen und CO2-Zertifikaten setzen
Für den Energiemarkt fordert VERBUND klare Spielregeln, für die sich die neue Regierung auch auf EU-Ebene stark machen muss. Um die Erneuerbaren-Ausbauziele für 2030 zu erreichen, müssen alle heimischen Potenziale genutzt werden. Weil sich bei den derzeitigen Strompreisen aber der Bau neuer Anlagen nicht rechnet – und zwar weder bei Wind, noch bei Photovoltaik noch bei Wasserkraft – braucht es entsprechender Förderungen für alle drei Technologien. Anstatt fixer Einspeistarife plädiert das Unternehmen für marktnahe Instrumente wie Marktprämien oder Investitionsförderungen. Die Vergabe der Förderungen soll künftig per Ausschreibungen erfolgen. Ein weiteres wichtiges Anliegen von VERBUND betrifft den EU-Emissionshandel. „Eine effektive Umsetzung der kürzlich abgeschlossenen Reform auf EU-Ebene ist zentral, um dieses Steuerungsinstrument wieder wirksam zu machen“, sagt Langthaler. Aufgrund des hohen Angebots an Zertifikaten am Markt liege der Preis für eine Tonne CO2 seit langem unter 10 Euro. Um allerdings die Stromerzeugung von Kohle auf Gas umzustellen, bräuchte es schon einen fast doppelt so hohen Preis pro Tonne, so der Experte.

E-Mobilität auf der Überholspur
Ein anderer von der neuen Regierung angesprochener Punkt ist das Thema Elektromobilität. Schließlich steht mittlerweile auch der volkswirtschaftliche Nutzen sauberer Mobilitätsformen außer Frage. Eine Studie von TU Wien und Fraunhofer Austria prophezeit bis 2030 die Schaffung von 57.100 neuen Arbeitsplätzen und eine zusätzliche Wertschöpfung von 3,8 Milliarden Euro. „Aus unserer Sicht ist der Ausbau der Ladeinfrastruktur zentral“, so Langthaler. Schon heute betreibt SMATRICS, ein Joint-Venture an dem neben VERBUND auch OMV und Siemens beteiligt sind, österreichweit flächendeckend über 400 Ladepunkte. Auch weitere Anreize kann sich das Unternehmen vorstellen: Zum Beispiel eine Zulassungsquote von 5 % bei Elektroautos verpflichtend für alle Autohersteller.

Fazit: Gut, dass die neue Regierung wichtige Aspekte bei Klima- und Energiethemen erkannt hat. Wie diese schlussendlich realisiert werden, bleibt jedoch abzuwarten. „Denn die Praxis ist hartes Brot“, weiß Roland Langthaler. Wir blicken gespannt in die Energiezukunft.

 

Ihr wollt euch die VERBUND-Positionen im Detail zu Gemüte führen? Mehr Infos findet ihr hier: VERBUND-Standpunkte.

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