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23. September 2019

Energy2050- Tag 3 und Ausblick

Der dritte Tag der Energiekonferenz widmete sich dem digitalen Wandel und seiner Finanzierung auf europäischer Ebene und einer Schlussdiskussion zur Aufgabe der Player, um die Sektorkopplung in Schwung zu bringen.

Energy2050- der Konferenzfilm

Stefan Gröner

Stefan Gröner: Wie Digitalisierung die Märkte verändert

Stefan Gröner, Strategieberater & Zukunftsforscher, stellte die Frage, welchen Welchen Einfluss die großen, branchenübergreifenden disruptiven Trends und Technologien auf die Energiebranche haben. Big Data, künstliche Intelligenz, Internet der Dinge verändern unser wirtschaftliches und gesellschaftliches Leben. 
Künstliche Intelligenz ist in der Lage, Entscheidungen zu treffen. Computersysteme werden mit Spielregeln gefüttert und lernen selbst durch Erfahrung und Daten.

Stefan Gröner stellt das COSIMA-Prinzip vor: ein Produkt muss convenience, simplicity und market-view berücksichtigen, also bequem und einfach sein und den Markt (also die Kundensicht) berücksichtigen.  Im Fokus steht der Nutzen für die Kunden, also ihr Bedürfnis. Niemals sollte man vom bestehenden Produkt ausgehen, sondern sich dem Anliegen der Kunden widmen, so Gröner. Künstliche Intelligenz kann das User Experience dramatisch verbessern. Entscheidungen werden rational und einfach. Um hier den Fokus nich tzu verlieren, braucht es den Austausch innerhalb der Altersschichten. "Der einzige Grund, warum ich an der Uni bin, ist, um mit jungen Leuten zu reden," so Professor Gröner. "Sprechen Sie mit jungen Leuten!"

 
Wilhelm Molterer

Wilhelm Molterer (EIB): Wie lässt sich die Energiezukunft finanzieren?

Wie lässt sich die Energiezukunft und speziell die Sektorenkopplung finanzieren?  Wilhelm Molterer (Europäische Investmentbank) sprach über die Finanzierung von  Innovationen, Technologiewandel und Umsetzung. Nach Schätzungen des Europäischen Rechnungshofes beträgt der jährliche Investitionsbedarf eine Billion Euro pro Jahr, um die Klima-Ziele bis 2030 zu erreichen. Der mit Abstand größte Anteil wird beim Transport anfallen. Zu viel für private Investoren. Ob projektbezogene Beratung z.B. hinsichtlich Green Finance, ob das EU-weit angelegte Aktionsplan für Nachhaltige Finanzierung oder öffentliche staatliche Finanzierung, die Wege sind zahlreich. 

Wir müssen mit dem Risiko leben, dass es zu stranded investments kommen wird. Das wird neben der Abschreibung des bestehenden Kapitalstocks, der sich auf fossile Energieträger richtet, so Wilhelm Molterer. Die öffentliche Hand hat die Aufgabe, sinnvolle und langfristige Rahmenbedingungen zu schaffen, in Bildung zu investieren und Risiko zu übernehmen. Wo Märkte nicht funktionieren, muss die öffentliche Hand ebenso eingreifen. Banken werden essentieller Partner sein, unterliegen aber restriktiven Beschränkungen. Für große Investitionsfonds wird es interessant, in nachhaltige Projekte zu finanzieren, ist Molterer überzeugt. „Ich bin überzeugt, dass die Politik Ziele festlegen muss, aber nicht Technologien“, so Molterer.

 
Powertalk mit Experten

Power Talk: Wie bringen wir die Sektorenkopplung in die Gänge?

Maren Petersen, BDEW: Der größte Hebel ist die Besteuerung. Um das Potenzial der Sektorkopplung tatsächlich nutzen zu können, sei in erster Linie eine Neuordnung der Abgaben- und Umlagensystematik notwendig: Diese muss eine Lenkungswirkung hin zu einer CO2-Reduzierung bei der Mobilität, bei der Wärmeversorgung sowie auch im Verhalten der Bevölkerung führen. Seitens der Politik seien mehrere Themen gefragt: eine vernünftige Definition von „Speicher“ durch die Politik wäre sinnvoll. Die Doppelbelastung von Speichern sollte regulatorisch abgeschafft werden. Eine CO2-Bepreisung muss kommen, ist sich Maren Petersen sicher.
Es reicht nicht mehr für Investoren, bunte Folder zu verteilen, um Akzeptanz für ein Energieprojekt zu erzielen. Finanzielle Beteiligung von Kommunen hat große Zukunft.

Ulrich Streibl, Umweltbundesamt: Für eine CO2-neutrale Wirtschaft ist die Sektorenkoppelung ein Schlüsselfaktor. Sie wird zu neuen Denkmustern und Strukturen führen, aus denen neue Geschäftsmodelle und neue Partnerschaften entstehen. Visionäres Denken, Energie und Offenheit sind gefragt. Was wir in der Wirtschaft brauchen, sind faire Preissignale. An den Paris-Zielen kann man Carbon-Budgets ausrechnen. Da derzeit wesentlich mehr CO2 ausgestoßen wird, als erlaubt, ist klar, dass der CO2-Preis zu niedrig ist.  
Als enorme Imagekampagne für Klimapolitik sieht Ulrich Streibl die Fridays-for-Future-Bewegung. Nie zuvor war die Aufmerksamkeit so hoch für das Thema. 

Kristian Ruby, Eurelectric: Wir sehen überall, dass die Menschen sich gegen die Neuinstallation von Kapazitäten wehren. Genehmigungsverfahren sind ein riesiges Problem. Wenn man aus Strom etwas anderes macht, verliert man Energie. Das Effizienteste muss zuerst kommen. CO2-Fonds sollten helfen, hier Anschub zu finanzieren. CO2 neutraler und erneuerbarer Strom sei der mit Abstand wichtigste Energieträger für die Dekarbonisierung Europas. Aber wir müssen auch bei neuen Energieträgern wie umweltfreundlichen Gasen führend sein. "Deren marktbasierte und wettbwerbsfähige Entwicklung wird helfen, Schwertransport und bestimmte Industrieprozesse zu dekarbonisieren. Wir brauchen dringend eine zukunftsfähige und realistische Analyse, welche Infrastruktur(-investitionen) wir für unsere 2050 Ziele benötigen", so Ruby.

Wolfgang Anzengruber am Rednerpult

Zusammenfassung von Wolfgang Anzengruber, VERBUND

CEO Wolfgang Anzengruber in seinem Schlusswort:  "Wir müssen wegkommen vom Pessimismus und Katastrophenrhetorik und zum Handeln übergehen. Dass wir es können, haben wir im Verlauf  der energy2050 gesehen. Wir haben uns nicht verteilen lassen, Schuld zuzuweisen. Es gibt auch nicht eine einzelne Gruppe, die handeln muss- es sind alle aufgerufen: Politik, Gesellschaft, Unternehmen. Dass wir mit dem Thema am Puls der Zeit sind, ist allgemein bekannt, wenn man in die Medien blickt. In zwei Jahren werden wir uns wieder treffen und berichten, was wir gemeinsam erreicht haben."
Unterlagen zu den Vorträgen