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10. August 2017

Fliegender Turbinenwechsel in Nußdorf

Die Forschungsturbine „Streamdiver“ darf nach fünf Jahren Probebetrieb zurück auf den Prüfstand. Die Testergebnisse sind für Techniker bislang ein Grund zum Feiern. Zuvor war noch Fingerspitzengefühl und etwas Muskelkraft gefragt beim Gemeinschaftskraftwerk Nußdorf am Donaukanal.

Forschungsturbine Streamdiver schwebt am Kran vor dem Kraftwerk Nussdorf

Günstige und effiziente Turbinen sind im Ringen um die Energiewende von besonderem Wert. Der „Streamdiver“, eine österreichische Entwicklung der Firma Kössler  (ein Tochterunternehmen des Technologiekonzerns Voith) könnte hier einen Hoffnungsschimmer bringen. Die starren Turbinenflügel brauchen kaum Wartung. Das Lager ist nicht mit Öl, sondern mit Flusswasser geschmiert. Die spezielle Form ist exzellent für niedrige Gefälle an kleinen Gewässern geeignet. So jedenfalls die Absicht der Entwickler, die 2012 den Prototyp des „Streamdivers“ in den Donaukanal beim Gemeinschaftskraftwerk Nußdorf einbauen ließen. Jetzt, nach fünf Jahren Probebetrieb, sind die Techniker mehr als zufrieden.

41.500 störungsfreie Betriebsstunden

„In fünf Jahren gab es nicht eine Störung“, freut sich Stephan Benda, Projektleiter bei VERBUND über den messbaren Erfolg. 12,3 Mio. Kilowattstunden erzeugte der „Streamdiver“ im Laufe des Probebetriebes, also pro Jahr Strom für 700 Haushalte. Dazu musste eine der 12 Hydro-Matrix-Turbinen Platz machen und aufs Trockendock ins Kraftwerk Wien-Freudenau. Stephan Benda und seine Kollegen setzten den „Streamdiver“  wie ein Kuckucksei ins Nest unterhalb des Otto-Wagner-Ensembles an der Donaukanal-Schleuse. Die bronzenen Löwen wachten fünf Jahre lang über das kompakte „Baby“, bis es nun im August 2017 mit viel Feingefühl wieder geborgen wurde.

Jede Hebearbeit an Kraftwerken erfordert Fingerspitzengefühl vom Personal. Der Kranführer hat meistens keine Sicht auf seine Last und muss sich auf die Anweisungen über Sprechfunk verlassen. Spielraum ist kaum vorhanden, denn die Dachluke ist genau auf die jeweilige Turbinengröße ausgelegt und keinen Zentimeter größer.  

Livebeitrag vom Abtransport des "Streamdiver"

Der Kampf um Effizienz in der Wasserkraft ist ernst, denn es handelt sich um einen bedeutsamen Beitrag zur Energiewende. Einer der Vorzüge des „Streamdiver“ ist der einfache Einbau in bestehende Anlagen. So können alte oder weniger effiziente Turbinen kostengünstig ersetzt werden.

Experten sind sich einig darüber, dass Strom in Zukunft noch wichtiger im Ringen um die Energiewende wird. Die Sektoren der Mobilität und der Raumtemperatur werden noch viel Strom benötigen, um fossile Energieträger zu ersetzen. Effiziente Wasserkraft muss hier einen Beitrag leisten. Der „Streamdiver“ zeigt hier neue Wege auf. Stephan Benda ist zuversichtlich, dass die Techniker beim Zerlegen des "Streamdiver" keine bösen Überraschungen erleben werden. „Fünf Jahre sandiges Donauwasser muss eine Maschine erst einmal störungsfrei überstehen.“ Der „Streamdiver“ hat das.

"Streamdiver"- die Hoffnung der Kleinwasserkraft