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12. März 2019

Fischmonitoring bei Ottensheim – ein Zwischenstand

Bis zu 300 Fische pro Tag: Die Gewässerökologen ziehen beim Monitoring der Fischwanderhilfe Ottensheim-Wilhering erste Ergebnisse an Land. Ein Beitrag über gechippte Kiementräger und neue Lebensräume.

Mit dem Reader (links) wird überprüft, ob die Schleie schon gechippt ist, dann wird sie gemessen und gewogen
Eine Schleie bei der Bestimmung: Mit dem Reader (links) wird überprüft, ob sie schon gechippt ist, dann wird sie gemessen und gewogen. © TB Umweltgutachten PETZ
Es ist ein kühler Morgen an der Reuse bei der Mündung des Innbachs. Egal ob Sonne, Regen, Wind und Schnee: Die Gewässerökologin Barbara Missbauer ist mit ihrem Team im Einsatz. Zunächst startet sie das Starkstromaggregat, um den Korb der Reuse nach oben zu fahren. Dann wird die Ausbeute der letzten Nacht von ihr und einem Mitarbeiter in wassergefüllte Wannen verfrachtet und mit einem Reader abgetastet. Es folgen das Bestimmen der Art, das Messen, Wiegen, Chippen, Eintragen in den Computer und wieder freilassen. Knapp 7.000 Fische stehen bei der VERBUND-Fischwanderhilfe beim Kraftwerk Ottensheim-Wilhering unter Beobachtung.
Die Fischreuse wartet auf neugierige Kiementräger.
Monitoring der Wanderhilfe, Blick flussaufwärts: Die Fischreuse wartet auf neugierige Kiementräger. © TB Umweltgutachten PETZ

Längste Fischwanderhilfe Europas

Am oberösterreichischen Donaukraftwerk errichtete VERBUND gemeinsam mit Projektpartnern in zweijähriger Bauzeit im Rahmen des LIFE+ Programms die längste Fischwanderhilfe Europas. Dabei handelt es sich allerdings nicht um einen einfachen Umgehungsbach. In das neue, rund 14 Kilometer lange Habitat wurde die Mündung des Innbachs, das Aschach-Hochwasserentlastungsgerinne sowie der Brandstätter Donauarm eingebunden. Mit der Fertigstellung 2017 übernahmen die Expertinnen und Experten vom Umweltgutachten Petz die ökologische Analyse des neugeschaffenen Gewässerabschnitts für VERBUND. 

Bis Herbst 2019 messen sie, wie gut die Wanderhilfe von den Fischen angenommen wird. Dafür wurde am Einstich vor dem Kraftwerk und bei der Einmündung des Umgehungsgerinnes jeweils ein Wehr mit Reuse angebracht. So lässt sich jeder einzelne Fisch – ab einer bestimmten Größe – dokumentieren, wenn er aus der oder in die Donau schwimmen möchte. Fünf weitere Messpunkte zeichnen die Bewegungen innerhalb des Habitats auf.

Barbara Missbauer holt gemeinsam mit einem Mitarbeiter die Fische aus der Reuse.
Los geht’s: Barbara Missbauer holt gemeinsam mit einem Mitarbeiter die Fische aus der Reuse. © TB Umweltgutachten PETZ

Große Biodiversität im Gewässer

„Seit Projektbeginn haben wir bei Befischungen und beim Reusenmonitoring 52 Fischarten festgestellt“, schildert Projektmitarbeiter Philip Feldmüller. „Am öftesten kommen Laube, Rotauge, Aitel und Nase vor, aber auch andere Arten wie etwa Barbe, Zingel, Flussbarsch und Gründling sind häufig.“ Bestimmt, vermessen und gewogen werden sie alle. „Jungfische oder Kleinfischarten unter 10 Zentimeter Länge werden nicht markiert“, so Feldmüller. „Es gibt aber auch sehr verbreitete Arten wie die Laube, Die haben wir schon so häufig gefangen, dass wir bereits letztes Jahr aufgehört haben, sie zu markieren“, ergänzt die wissenschaftliche Leiterin des Monitorings, Regina Petz-Glechner. 

Neben den Zählungen und der Dokumentation der beiden Reusen sind auch Befischungen im Gerinne, den beiden Flüssen und der Donau nötig. „Damit wir die Daten der Fische in den Reusen besser einschätzen können“, so Petz-Glechner. An fünf Antennenstandorten, die sich jeweils an Kreuzungspunkten im Gewässersystem befinden, zeichnet das Team zusätzlich die Routen der Fische auf. Dabei wird der Chip – ähnlich wie der Barcode einer Ware an der Supermarktkasse – gescannt.
Gleich vorbei: Eine Laube bekommt einen Chip in den Bauchraum injiziert. © TB Umweltgutachten PETZ

Nagende Biber und hungrige Hechte

Die Anzahl der täglich dokumentierten Fische ist stark von der Jahreszeit und der Witterung abhängig. „Wenn an Spitzentagen 300 Fische in einer Reuse sind, dann dauert das Markieren ein paar Stunden“, beschreibt die Projektverantwortliche Barbara Missbauer ihre Arbeit. Komplikationen gab es letzten Herbst, als ein Biber über Wochen wiederholt ein Loch in die Reuse gebissen hat. „Die Arbeit ist interessant und macht Spaß. Man sieht jeden Tag neue Fischarten.“ 

Und manchmal passieren auch kuriose Dinge: „Bei einer Befischung haben wir einen 1-Meter-Hecht im Innbach gefangen und ihn unter den Reader gehalten“, so Missbauer. „Am Computer wurde uns aber eine andere Fischart angezeigt: eine Nase mit 53 Zentimetern Länge, die der Hecht kurz zuvor gefressen hatte.“ Der bisher größte Fisch in der Reuse war ein Wels mit 1,12 Metern, der kleinste eine juvenile Nase mit 2 Zentimetern.
Der 1-Meter-Wels wird nach Messen, Wiegen und Chippen wieder in die Freiheit entlassen.
Ein Prachtkerl! Der 1-Meter-Wels wird nach Messen, Wiegen und Chippen wieder in die Freiheit entlassen. © TB Umweltgutachten PETZ
So viel kann man während des laufenden Projektes bereits sagen: Das Umgehungsgerinne am VERBUND-Donaukraftwerk Ottensheim-Wilhering wird von den neuen Bewohnern gut als Lebensraum angenommen. Die Anbindungen zur Donau sind stark frequentiert. Bis zum Projektende im Herbst 2019 freuen wir uns auf weitere spannende Erkenntnisse.

Ihr möchtet wissen, wie das Chippen der Fische funktioniert? Bei der Fischwanderhilfe Greifenstein durfte die flow-Redaktion selbst Hand anlegen. Hier geht’s zum Artikel: Der gläserne Fisch 4.0.

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