Ohne Taucher keine Revision: Taucherteam bereitet Instandhaltungsarbeiten an der Schleuse des Donaukraftwerks Freudenau vor
VERBUND, Österreichs führender Anbieter nachhaltiger Energie, hat Ende Oktober mit den Vorbereitungen für die diesjährige Herbstrevision im Donaukraftwerk Freudenau gestartet. Gewartet wird heuer die linke Schleuse. Damit die Schleusenkammer trockengelegt werden kann, reinigen Kraftwerkstaucher die Sohle vor den Schleusentoren und die Bereiche, in denen die Dammbalken eingesetzt werden. Dazu ist das dreiköpfige Taucherteam von Lestin – das Tauchunternehmen von VERBUND - vor Ort im Einsatz, darunter Regina Karrer, Österreichs einzige (aktive) Kraftwerkstaucherin.
„Ohne Taucher keine Revision“, sagt VERBUND-Projektleiter Michael Artmann. „Zunächst muss die Sohle vor der Schleuse im Ober- und Unterwasser gereinigt werden, damit die tonnenschweren Dammbalken optimal gesetzt werden können. Eine saubere Auflagefläche ist Voraussetzung dafür, dass sie dicht abschließen und die Schleuse trockengelegt werden kann. Für das anschließende Setzen der Dammbalken müssen die einzelnen Dammbalkenelemente (je vier Stück ober- und unterwasserseitig) von den Tauchern unter Wasser vom Schwimmkran abgehängt werden.“
Eingespieltes Team im Einsatz
Das Tauchteam an der Schleuse besteht aus drei Personen. Während ein Taucher unter Wasser arbeitet, überwacht ein Kollege den Einsatz und hält die Kommunikation aufrecht. Ein weiterer unterstützt an der Leine und steht für Notfälle bereit. Die Taucher wechseln einander ab: In 13 Metern Tiefe dauert ein Einsatz zirka eine Stunde, max. 80 Minuten, dann wird gewechselt.
„Die Arbeit verlangt viel Erfahrung und Fingerspitzengefühl“, sagt Thomas Vondal von Lestin, der den Einsatz leitet. „Unsere Taucher inspizieren, überwachen und reinigen die Bereiche meist bei schlechter Sicht und in kaltem Wasser. Dabei müssen sie sich auf ihre Ausrüstung und auf die Unterstützung des Teams an der Oberfläche verlassen können.“
Arbeit ohne Sicht
Für die Kraftwerkstaucher bedeutet der Einsatz Schwerarbeit unter anspruchsvollen Bedingungen. In 13 Metern Tiefe entfernen sie Sand, Geröll und Holz vom Grund der Donau vor den Schleusentoren im Ober- und Unterwasser des Kraftwerks. Die Sicht unter Wasser ist häufig stark eingeschränkt.
„An manchen Tagen ist die Sicht klar, meistens sieht man aber kaum 30 Zentimeter weit“, berichtet Berufstaucherin Regina Karrer. „Dann muss man sich tastend orientieren.“
Vorab wurde der Tauchroboter auf den Schleusengrund hinuntergelassen, der die Schiene, in die der Dammbalken gesetzt wird, und den Boden inspizierte. „Der Roboter hat zehn Zentimeter Schlamm gemessen“, informiert Kraftwerkstaucher Gerhard Frank, während er seine Tauchausrüstung anlegt, „die gilt es nun zu entfernen.“ Seine Tauchausrüstung wiegt zusammen mit Helm und Weste rund 50 kg. Am Schleusengrund hantelt er sich mithilfe eines Magneten an der Schiene entlang und entfernt mit einer Wasserspritze und von Hand den angesammelten Schmutz. Eine Helmkamera überträgt die Bilder an die Oberfläche. Über Funk bleibt Einsatzleiter Vondal während des Tauchgangs mit ihm verbunden.
Die Arbeiten im Oberwasser dauern ungefähr zwei bis drei Stunden, bis die Dammbalken mit dem Schwimmkran gesetzt werden können. Danach folgen die Taucharbeiten im Unterwasser in sechs Metern Tiefe. Sind die Dammbalken gesetzt, beginnt die Trockenlegung der Schleusenkammer und die routinemäßige Revision über die Wintermonate. Beide Schiffsschleusen des Laufkraftwerks Freudenau werden regelmäßig alle neun Jahre gewartet.