Laufkraftwerk Altenmarkt

Das VERBUND-Kraftwerk Altenmarkt ist ein Laufkraftwerk an der Enns und im Gemeindegebiet von Altenmarkt bei St. Gallen in der Steiermark gelegen.

Technische Beschreibung

Das Kraftwerk Altenmarkt wurde in den Jahren 1958 bis 1960 errichtet. 1978 wurde das Kraftwerk automatisiert und die Warte auf Fernsteuerung umgebaut. Im Jahr 1999 fand eine Turbinen- und Generatorenerneuerung statt, ein Gebäute für das Notstromaggregat wurde errichtet sowie die Leittechnik umgebaut. 2009 wurden Hochwasserschutzmaßnahmen durchgeführt.

Auf einen Blick:

Eigentümer: VERBUND Hydro Power GmbH
Betreiber: VERBUND Hydro Power GmbH                                 
Inbetriebnahme: 1960
Typ:  Laufkraftwerk
Region: Österreich, Steiermark
Gewässer: Enns
Leistung: 25,7 MW
Jahreserzeugung: 149.710 MWh
Turbinen: Kaplan (1) 
Fischwanderhilfen:                      nein

Detailinformationen zu Bau und Technik

Der Bau des Ennskraftwerkes Landl fällt in die Endphase eines der bedeutendsten Konflikte im österreichischen Kraftwerksbau. Seit der Zwischenkriegszeit beanspruchten sowohl die Steirische Wasserkraft- und Elektrizitäts-AG (STEWEAG) als auch die Oberösterreichische Kraftwerke AG (OKA), ab 1947 die oberösterreichische Ennskraftwerke AG, eine Sondergesellschaft im Sinne des Zweiten Verstaatlichungsgesetzes, den Ausbau der Wasserkraft an der mittleren Enns. Nachdem 1955 das Werk Hieflau in Betrieb gegangen war, konzentrierte sich die Aufmerksamkeit auf den Bereich zwischen Hieflau und Altenmarkt. Die Ennskraftwerke AG propagierte eine große Stufe bei Kastenreith in Oberösterreich mit einem Rückstauraum bis über die Grenze zur Steiermark hinweg, während die STEWEAG unter dem damaligen Leiter der Bauabteilung Hermann Grengg für ein Mehrstufenprojekt mit Anlagen bei Landl, Krippau und Altenmarkt eintrat.

Am 17. Dezember 1958, also noch vor der Entscheidung im Widerstreitverfahren, das im März 1963 zugunsten der STEWEAG entschieden wurde, beschloss der Aufsichtsrat der STEWEAG den Bau des Ausleitungskraftwerks Altenmarkt unmittelbar an der steirisch-oberösterreichischen Landesgrenze. Bereits einen Monat zuvor, im November 1958, begann man mit der Einrichtung der Baustelle. Im Oktober 1959 erfolgte die Erklärung zum bevorzugten Wasserbau durch die Wasserrechtsbehörde. Nach Vorarbeiten im Frühjahr 1959 wurden am 12. November 1959 die Hauptarbeiten für die Krafthaus-Kaverne vergeben. Sie wurde über einen zuvor ausgebrochenen 45 m langen Zufahrtsstollen erschlossen und stellte für die STEWEAG die erstmalige Verwendung einer solchen Konstruktion dar. 

Am Eingang des Stollens wurde ein Betriebsgebäude mit einer Schaltwarte und einer anschließenden Freiluft- Schaltanlage errichtet. Für diese beiden Anlagenteile mussten im Vorfeld großflächige Sprengarbeiten vorgenommen werden, um für den Bau ausreichende Platzverhältnisse zu schaffen. Im Jänner 1960 wurde für das Kraftwerk Altenmarkt schließlich die wasserrechtliche Bewilligung erteilt. Am 17. November 1960 fand die Inbetriebnahme der Kaverne Frenz und die erstmalige Energie-Einspeisung in die 110 kV-Leitung Altenmarkt – Eßling statt. Mit der Inbetriebnahme des Unterlieger-Kraftwerks Schönau im November 1972 mit einem höheren Stauziel verlor das Werk etwa 2 m Fallhöhe, das eine Verringerung der Jahresleistung von etwa 10 Mio. kWh bedeutet. 

1959 wurde für die Mitarbeiter ein Vierfamilien-Wohnhaus errichtet.

Architektur: Fritz Haas
Planung: Planungsabteilung der STEWEAG. Beratung: Hermann Grengg. Vermessung: Adolf Kamputsch, Judenburg.
Ausführung: ARGE (Porr, Universale)

Kaverne:
Die Kaverne Frenz des Kraftwerks Altenmarkt liegt in einem Hauptdolomitsporn. Da das Gestein in Oberflächennähe eine größere Festigkeit aufwies, wurde die Kaverne soweit als möglich nach außen gerückt ausgebrochen. Das fast halbkreisförmige Gewölbe kleidete man mit 50 cm starkem Torkretbeton aus. Die geneigten Ulmen sind ebenfalls mit Spritzbeton verkleidet und durch zusätzliche Betonbalken und Felsanker verstärkt. Im Unterbau bildete man die Begrenzungswände im Reglerbereich als tragende Balken aus und betonierte sie direkt an die Felswände an. Das Einleiten eines Teiles der Kräfte ins Gebirge besorgen Felsanker, die Turbinenspirale führte man in Stahl aus. Die im Reglerbereich direkt an die Kavernenwand anbetonierten Innenbegrenzungs-Wände verursachten Schwierigkeiten bei der Entwässerung des Innenraums. Als Fußbodenbelag für die Maschinenhalle wählte man Klinkerplatten, Rundstützen und Kranbahn sind aus Stahlbeton hergestellt. Der Zugangsstollen zur Kaverne besitzt einen Bodenbelag aus Granit-Kleinsteinpflaster. In seinem unteren Bereich ist er betoniert und mit Spaltbeton-Platten (MACLIT) verkleidet, die als Ersatz für die ursprünglich geplanten Buchtal- Spaltplatten eingesetzt wurden. Der obere Teil der Ulmen und das Gewölbe sind mit Spritzbeton abgesichert.

Betriebsgebäude:
Durch Absprengen des Felsens, der neben der Bundesstraße anstand, musste Platz für die Errichtung des Betriebsgebäudes, des Transformators und der Freiluft-Schaltanlage geschaffen werden. Das Dach des Betriebsgebäudes ist direkt an den Fels angeschlossen und wegen Steinschlaggefahr als Massivdecke ausgebildet. Die Außenwände des überwiegend aus Betonkonstruktionen hergestellten Gebäudes sind rau verputzt und besitzen Faschen aus Kunst-Konglomerat. Die Fenster wurden durch Kunststoff-Modelle mit Isolierglas erneuert, während die originalen Türen aus Aluminium und Holz überwiegend erhalten blieben. Der Stiegenaufgang in das Obergeschoß besitzt Stufen aus dünnen Terrazzo-Formteilen, in den Gangbereichen und den Räumen sind zum Teil noch die originalen Linoleumbeläge sowie Raumteiler und Möbel vorhanden.

Die Krafthaus-Kaverne Frenz des Ausleitungskraftwerks Altenmarkt liegt nördlich der gleichnamigen Ortschaft bei der Einmündung des Frenzbachs in die Enns. Das  Betriebsgebäude und die Einfahrt zum Krafthausstollen sind am Ostrand der knapp am rechten Ennsufer entlang führenden Eisenstraße situiert. Das Ensemble besteht aus der
Krafthauskaverne Frenz mit Zufahrtsstollen, einem Betriebsgebäude und einer Freiluft-Schaltanlage.

Kaverne Frenz:
Das Gebäude mit dem Portal des Zufahrtsstollens ist an die südliche Stirnseite des Betriebsgebäudes angebaut. Es ist über einem rechteckigem Grundriss errichtet, flach gedeckt und in seiner gesamten Breite vom Einfahrtstor eingenommen. Unterhalb der Dachkante des zur Gänze mit Spaltbeton-Platten in Werkstein-Optik verkleideten Baus sind querrechteckige Lüftungsöffnungen angeordnet, eine Fasche aus Sichtbeton umgibt die Toröffnung. Der leicht geneigte Zufahrtsstollen verläuft etwa 45 m nach Südosten und mündet in die Krafthaus-Kaverne. Sein unregelmäßig belassenes Tonnengewölbe ist mit Spritzbeton gesichert, während der untere Teil der Wände mit Spaltbetonplatten in Naturstein-Optik verkleidet ist. Oberhalb der Abschlusskante der Natursteinverkleidung horizontal angebrachte Leuchtstoffröhren werfen ihr Licht auf das Tonnengewölbe und erhellen dadurch indirekt den Raum des Stollens. Die Kaverne ist über rechteckigem Grundriss errichtet, etwa 28 m lang, 15 m breit und 32 m hoch. Diese Dimensionen stellen das technisch kleinst mögliche Ausmaß dar, wobei der Durchmesser des Generators, die Ausbaumaße für Turbine und Generator und der für den Zusammenbau der Maschine erforderliche Abstellplatz bestimmend waren. 

Vom Stollen gelangt man zunächst auf einen Abstellplatz. Eine Ausnehmung im Boden ist kreisbogenförmig geschwungen und überschneidet sich mit dem Zylinder des  Generatorengehäuses. Durch die Ausnehmung ist der Blick in das tiefer liegende Reglergeschoss möglich. Die Kranbahn ruht auf frei stehenden Säulen, hinter denen sich eine Abschlusswand aus Profilglas befindet. Die hinter der Glaswand angeordneten Lichtquellen übernahmen ursprünglich die Beleuchtung der Kaverne. Eine Decke mit  stichbogenförmigem Querschnitt unter dem Kavernengewölbe verhindert den Zutritt von Kluftwasser in das Innere. Die verputzten Stirnwände sind rot gestrichen und durch vertiefte, weiße Fugen in rechteckige Felder gegliedert. An der nördlichen Stirnseite befand sich im zentralen oberen Feld eine Uhr mit weißem Ziffernblatt und roten Zeigern. Im Untergeschoss sind die Turbine, der Druckschacht-Einlauf und der Beginn des Unterwasser-Stollens angeordnet. 

Betriebsgebäude:
Das auf annähernd rechteckigem Grundriss errichtete, zweigeschossige Betriebsgebäude ist mit seiner östlichen Längsseite in den Felshang gebaut, besitzt glatte Außenflächen  mit Kunststein-Faschen und ist mit einem nur leicht gegen den Hang geneigten Pultdach bedeckt. Im Erdgeschoss rahmen die Tür zum Transformator-Raum zur Linken und die Eingangstür zum Betriebsgebäude zur Rechten die dazwischen liegenden, quadratischen Fenster. Im Obergeschoss ist über den Türen je ein hochrechteckiges Fenster einzeln angeordnet, während die dazwischen liegenden sieben Fenster dicht gereiht und durch eine gemeinsame Fasche zu einem horizontalen Band zusammengefasst sind. Im Inneren erschließt ein geschwungener, an einer Seite in die Wand gebundener Stiegenlauf mit verbreitertem Antritt das Gebäude, in dem zum Teil noch die originalen Raumausstattungen vorhanden sind. Neben Büro- und Personalräumen ist im Obergeschoss auch der Raum der Warte angeordnet. Vor der nördlichen Stirnseite befinden sich der Transformator und die Freiluft-Schaltanlage.

Triebwasserabfuhr:
Die Abfuhr des abgearbeiteten Triebwassers erfolgt zum größten Teil durch einen seitlich in den Unterwasserstollen einmündenden Stollen in die Enns sowie über ein zylindrisches Wasserschloss und einen anschließenden Behälterstollen in einen Absturzschacht, der in einen direkt in die Enns führenden Stollen mündet.

Turbinen und Generatoren:
Eine vertikal eingebaute, sechsflügelige Kaplan-Turbine in einer Blechspirale, von J. M. Voith 1960 eingebaut und 1999 umgebaut , erzielt bei einem Nenndurchfluss von 140 m³/s und einer Fallhöhe von 20,5 m eine Nennleistung von 25.000 kW. Der direkt gekuppelte 30.000 kVA-Drehstrom-Synchrongenerator von Elin besitzt eine Nennspannung von 10,5 kV. Die Notstromversorgung wird von einem Iveco-Dieselmotor gekuppelt mit einem 100 kVA-Generator von Cummins Baujahr 1999 gewährleistet.

Transformatoren:
Für die Hochspannung der erzeugten Energie von 10,5 kV auf 110 kV verfügt das Hauptkraftwerk über einen 30.000 kVA-Maschinentransformator von Elin (Baujahr 1988). Die Ableitung der Elektrizität erfolgt über eine 110 kV-Leitung zum Umspannwerk Eßling der STEWEAG-STEG-GesmbH. (SSG).

Hubwerke:
Die Maschinenhalle wird von einem Brückenkran mit Hubwerken zu 90 t und 18 t bestrichen, er wurde 1960 von der Maschinenfabrik Andritz geliefert.