Laufkraftwerk Bischofshofen

Das Gemeinschafts-Kraftwerk Bischofshofen ist ein Laufkraftwerk an der Salzach und im Gemeindegebiet von Bischofshofen in Salzburg gelegen.

Technische Beschreibung 

Bischofshofen war das erste Glied der Kraftwerkskette an der Salzach und wurde zwischen 1982 und 1985 in Trockenbauweise errichtet. Die Leittechnik wurde 2005 erneuert. Zwei horizontale Kaplan-Turbinen erzeugen pro Jahr über 70 GWh. Am linken Ufer befindet sich eine Fischtreppe, der Stauraum wurde mit Laichplätzen und Seichtwasserzonen ausgestattet.

 

Auf einen Blick:

Eigentümer: VERBUND Hydro Power GmbH, Salzburg AG
Betreiber: Salzburg AG
Inbetriebnahme: 1986
Typ:  Laufkraftwerk
Region: Österreich, Salzburg
Gewässer: Salzach
Leistung: 16 MW
Jahreserzeugung: 70.200 MWh
Turbinen: Kaplan (2)
Fischwanderhilfen:                      ja

Detailinformationen zu Geschichte, Bau und Technik

Die Basis für den Ausbau des Bereichs "Mittlere Salzach" zwischen Schwarzach und Werfen wurde in den 1970er-Jahren gelegt, als man mehrere Varianten erstellte und prüfte. Das Spektrum reichte vom sechsstufigen Ausbau mit einem Ausleitungs-Kraftwerk als unterster Stufe mit einer Wehranlage bei Werfen und einem Krafthaus bei Golling bis zum Einstufenprojekt zwischen Schwarzach und Golling. Erste rechtliche Grundlagen schuf ein 1977 geschlossener Kooperationsvertrag zwischen der Tauernkraftwerke AG (TKW) und der Salzburger AG für Elektrizitätswirtschaft (SAFE), der die Aufteilung von Kosten und Leistungen bei der Errichtung von "Gemeinschaftskraftwerken" festlegen sollte. Die Planung und Ausführung der Bauten oblag der Planungsabteilung der TKW mit ihrem Hausarchitekten Konrad Aufhammer, der spätere Betrieb der SAFE. Die Baukosten sowie die Eigentumsrechte wurden an beide Firmen zu gleichen Teilen vergeben. 1981 erfolgte die Genehmigung für einen sechsstufigen Ausbau durch Beschlüsse der Aufsichtsräte beider Gesellschaften. Alle Kraftwerke sollten mit drei Wehrfeldern mit Segmentschützen und aufgesetzten Klappen sowie je zwei horizontalen Kaplan-Rohrturbinen mit Drehstromgenerator ausgestattet werden. 

Bischofshofen war das erste Glied dieser Kraftwerkskette, für deren architektonische Gestaltung Konrad Aufhammer verantwortlich zeichnete. Nach der Erteilung der Baugenehmigung am 6. April 1982 begannen im darauf folgenden Juli die Vorarbeiten für die Salzach-Umleitung. Zur Koordination der Arbeiten kam erstmals das in Deutschland entwickelte System "Kybernetische Organisation, Planung und Führung" (K.O.P.F.-System) zur Anwendung, welches eine übersichtlichere Einteilung der Arbeiten und eine einfachere tabellarische Abrechnung ermöglicht hat.

Als Baugruben-Umschließung wurden bis zu 40 m tiefe verankerte Schlitzwände angeordnet, daran anschließend folgten Dicht- und Schmalwände. Ergänzend dazu wurde die Baugrube ober- und unterwasserseitig durch 20 m tiefe Schmalwände geschlossen. Die Schalungen für das Betonieren der Turbineneinläufe und der Saugrohre waren so ausgelegt, dass sie bei allen vier Bauvorhaben wiederverwendet werden konnten. Nach der Salzach-Rückleitung durch die fertig gestellte Wehranlage begann die VÖEST Alpine AG mit der Montage der beiden Turbinen. Mit den Inbetriebnahmen der Maschine 1 am 19. November 1984 und der Maschine 2 am 15. März 1985 ging das Kraftwerk in Betrieb. Die Fertigstellungsanzeige wurde am 13. Jänner 1987 eingereicht.

Zur selben Zeit wie der Kraftwerksbau wurde auch die benachbarte Pinzgauer Schnellstraße S11 und das Abwasserprojekt Salzach-Pongau errichtet. Besonders im Rückstauraum musste der Straßenverlauf dem neuen Uferverlauf angepasst werden. In der Zeit unmittelbar nach dem Bau hatten die SAFE, die Salzburger Stadtwerke und die TKW ein Strombezugsrecht in Bischofshofen. Heute erfolgt die Ableitung der elektrischen Energie ins 30 kV-Netz der Salzburg AG (vormals SAFE), die auch seit 1985 die Betriebsführung inne hat.

In den Jahren 2004 bis 2005 wurde die gesamte Leittechnik des Werks sowie die Rechnerausstattung erneuert.
Architektur: Konrad Aufhammer, Tauernkraftwerke AG (TKW) Planung: Planungsabteilung der Tauernkraftwerke AG (TKW). Landschaftsgestaltung: Albert Ennemoser. Ausführung: ARGE Mittlere Salzach (Federführung Baufirma Hinteregger, Alpine, Ast & Co., Neue Reformbau, Hofman & Maculan, WS-Bau)
 
Das Kraftwerk Bischofshofen liegt an der Mittleren Salzach zwischen dem Oberlieger-Kraftwerk Urreiting und dem Unterlieger-Kraftwerk Kreuzbergmaut. Es ist im Süden der Stadt Bischofshofen und nördlich der Salzachbrücke für die Hochkönig-Bundesstraße situiert. Die Zufahrt erfolgt vom rechten Flussufer über einen von der Hochkönig-Bundesstraße abzweigenden Zubringer. Das Kraftwerk ist senkrecht zur Flussachse situiert und besteht aus dem am rechten Ufer anschließenden Krafthaus und der bis zum linken Ufer reichenden Wehranlage. Das Krafthaus wurde über einer Fläche von etwa 42/33 m errichtet und ragt im Durchschnitt 15 m über dem Spiegel des Unterwassers auf. Die niedrige Bauweise wurde durch den horizontalen Einbau der Maschinensätze ermöglicht.

Das Krafthaus setzt sich aus zwei über rechteckigem Grundriss errichteten, mit den Längsseiten aneinander gebauten Trakten zusammen, die in der Höhe gestaffelt und mit begrünten Flachdächern versehen sind. Der höhere Haupttrakt enthält die Maschinenhalle und besitzt eine breite Attika, die mit Elementen aus eloxiertem Aluminium verkleidet ist. Der längere, niedrigere Nebentrakt ist zweigeschoßig und besitzt glatte, zum Teil mit Kletterpflanzen bewachsene Sichtbeton-Außenflächen, in die unterwasserseitig hochrechteckige Fensteröffnungen eingeschnitten sind. Horizontale Fugen gliedern die Betonflächen und führen die Kompositionslinien von Fenster- und Torelementen weiter. Ein breites, leicht aus der Fassadenflucht vorkragendes Band aus flachen Betontrögen trennt die Geschoße und dient zur Aufnahme von Kletterpflanzen. Im Erdgeschoß befindet sich vor den Räumen der Transformatoren eine Öffnung mit Lamellenverkleidung. Die mit Lichtkuppeln versehene Unterwasserplattform ist begrünt und mit Bäumchen bepflanzt. Uferseitig schließt im rechten Winkel zum Krafthaus ein niedriger Garagentrakt an, der ebenfalls eine Attikaverkleidung aus eloxierten Aluminiumtafeln besitzt. Von der Fassade zurückversetzt liegt das bis zur Dachkante reichende Einfahrtstor zur Maschinenhalle. Auch die Anordnung der Räume und die Innengestaltung ist bei den Kraftwerken Bischofshofen, Urreiting, St. Veit, St. Johann und ebenso jene des Kraftwerks Kreuzbergmaut im Wesentlichen gleich gelöst und bei St. Veit lediglich gespiegelt ausgeführt. Vom Einfahrtstor gelangt man in die Maschinenhalle mit dem direkt hinter der Einfahrt situierten Montageplatz. Der Raum der Halle ist vollkommen leer, da die beiden horizontal eingebauten Rohrturbinen zur Gänze unter dem Bodenniveau situiert sind. In der Bodenfläche sind die Abstiegsschächte zu den Maschinensätzen angeordnet. Als Träger für die Bahn des Hallenkrans dienen Betonbinder, an deren Unterseite Leuchtstoff-Röhren angebracht sind. Oberwasser- und unterwasserseitig der Maschinenhalle ist jeweils ein zweiarmiger Stiegenlauf angeordnet. In die Platten-Balkendecke sind einzelne, verglaste Bänder zur Belichtung der Halle integriert. Zwei Stahltore in der unterwasserseitigen Längswand der Halle erschließen die Räume der beiden Haupttransformatoren. Der anschließende Leitstand ist von der Maschinenhalle durch einen Raumteiler aus Glas und Aluminium getrennt. Im Obergeschoß befinden sich unter Anderem eine 30 kV-Schaltanlage, oberwasserseitig an die Wehranlage anschließend der Hydraulik-Raum für die Steuerung der Wehrfelder, unterwasserseitig Personalräume. In den Untergeschoßen sind die Maschinensätze, die hydraulischen Turbinenregler, die Eigenbedarfs-Transformatoren, der Fernwirkraum und andere technische Einrichtungen situiert.

Die Wehranlage besitzt drei jeweils 10 m breite Felder mit einer Stauwandhöhe von 10,60 m. Die 37,50 m langen und 3 m breiten Wehrpfeiler sind mit abgerundeten Enden gestaltet und unterwasserseitig abgestuft. Am linken Salzachufer wurde neben der Wehranlage eine Fischtreppe angelegt. Der etwa 2,8 km langen Rückstauraum verläuft in Anpassung an den Verlauf der Pinzgauer Schnellstraße S 11 und enthält Seichtwasserzonen und Laichplätzen für Fische.
 
Die Gründung der Kraftwerke an der mittleren Salzach erfolgte jeweils auf einem dicht gelagerten Kies-Sand-Boden in Trockenbauweise in einer großen Baugrube für Krafthaus und Wehranlage neben dem Bett der Salzach. Krafthaus und Wehranlage wurden aus Stahlbeton errichtet, die Decke des Krafthauses ist als Platten-Balkenkonstruktion aus Beton-Fertigteilen hergestellt. Die horizontal geschalten Stahlbeton-Mauern der Maschinenhalle sind an den Längsseiten grau gestrichen. Die Türen bestehen aus Stahlblech, die Fenster besitzen Aluminiumrahmen und Isolierverglasung. Als Bodenbelag kamen rötliche Klinkerplatten zum Einsatz. Schmalere Klinkerplatten verkleiden die Stirnwände bis auf eine Höhe von etwa 2,5 m. 
 
Turbinen und Generatoren:
Zwei Kaplan-Rohrturbinen mit horizontaler Welle, hergestellt von der VÖEST Alpine AG, weisen bei einer Nutzfallhöhe von 9,0 m eine Leistung von je 8.560 kW auf. Die vier-flügeligen Laufräder mit einem Durchmesser von 3,6 m besitzen ein Schluckvermögen von 111 m³/sec. Die Firma Brown Boveri & Cie. (BBC) lieferte die beiden Rohrturbinengeneratoren mit eine Nennleistung von 9.500 kVA. Die Kühlung der Generatoren erfolgt über einen geschlossenen Kreislauf. Für die Notstromversorgung des Werks steht ein 115 kW-Notstrom-Dieselaggregat bereit.

Transformatoren:
Zwei 9.500 kVA-Maschinentransformatoren von der EBG spannen die erzeugte Energie auf 30.000 V hoch. Die Ableitung erfolgt über eine 30 kV-Leitung ins Mittelspannungsnetz der Salzburg AG. Zusätzlich verfügt das Werk über zwei 400 kVA-Eigenbedarfstrafos von der ELIN Union.

Wehranlage:
Zur Steuerung der dreifeldrigen Wehranlage lieferte die VÖEST Alpine AG geschweißte Drucksegmente in Kastenbauweise mit aufgesetzten Stauklappen. Bei einer lichten Weite von 10 m ermöglichen die Schützen eine Stauhöhe von 10,6 m. Der Antrieb erfolgt ölhydraulisch mittels einer Rexroth-Wehrhydraulik, die Steuerung lieferte die VA Tech (SAT).

Hubwerke:
Die Maschinenhalle wird von einem Brückenkran Baujahr 1983 von Liebherr bestrichen. Er verfügt über Hubwerke zu 80 t und 16 t. Auf dem Reglerniveau befindet sich an der Decke eine 2 t-Laufkatze mit einem manuellen Kettenzug von der Kito Corporation aus Japan. Zum Versetzen der Rolldammbalken der Wehranlage und der Dammbalken für die Turbinenausläufe befindet sich unterwasserseitig eine Montagemöglichkeit für einen Seilkran, an der Oberwasser-Seite kommt ein fahrbares Dammbalken-Setzgerät der Firma Künz zum Einsatz. Die drei Portalgleit-Dammbalken und zwei Portalroll-Dammbalken der Turbineneinläufe werden mit einem mobilen Bockkran der Firma Ing. Voith aus Traun versetzt werden, von dem ein Exemplar für alle Kraftwerke an der mittleren Salzach zur Verfügung steht.

Rechenreinigung:
Die Firma Voith lieferte die Rechenreinigungsanlage, bestehend aus einem manuell zu steuerndem Putzwagen mit Putzharke. Das Treibgut wird in einem neben der Anlage befindlichen Container befördert und entsorgt.