Laufkraftwerk Erzbach

Das VERBUND-Kraftwerk Erzbach ist ein Laufkraftwerk am Erzbach und in der Gemeinde Eisenerz in der Steiermark gelegen.

Technische Beschreibung 

Das Kraftwerk Erzbach wurde zwischen 1980 und 1983 erbaut. Eine ursprünglich geplante Unterdückerung des Seebaches musste aus topografischen Gründen in eine Querung mittels Rohrbrücke abgeändert werden. Zwei Francis-Turbinen mit liegender Welle erzeugen eine durchschnittliche Jahresleistung von etwa 6,4 GWh.

Auf einen Blick:

Eigentümer: VERBUND Hydro Power GmbH
Betreiber: VERBUND Hydro Power GmbH
Inbetriebnahme: 1986
Typ:  Laufkraftwerk
Region: Österreich, Steiermark
Gewässer: Erzbach
Leistung: 1,1 MW
Jahreserzeugung: 5.383 MWh
Turbinen: Francis (2)
Fischwanderhilfen:                      nein

Detailinformationen zu Geschichte, Bau und Technik

Am 4. April 1980 suchten die Stadtwerke Eisenerz um die Erteilung der wasserrechtlichen Bewilligung für ein Wasserkraft am Erzbach beim Amt der Steiermärkischen Landesregierung an. Geplant war die Ausleitung von Triebwasser aus dem Erzbach und Abarbeitung in einem Krafthaus mit etwa 50 m Fallhöhe. 

Die Bewilligung wurde am 12. September 1980 mit der Auflage erteilt, die rechtsufrig gelegenen Häuser im Gemeindegebiet von Eisenerz im Bereich der Wehranlage an die linksufrig verlaufende Ortskanalisation anzuschließen. Das dafür notwendige Folgeprojekt erhielt am 19. Oktober 1984 die Genehmigung. 

Zur Durchführung des Bauvorhabens und für den späteren Betrieb gründeten die Stadtwerke Eisenerz gemeinsam mit der Steirischen Wasserkraft- und Elektrizitäts-AG (STEWEAG) die Eisenerzer Kleinwasserkraftwersges.m.b.H. (EKG). Ende Oktober 1980 erfolgte der Spatenstich für die Vorarbeiten, im Frühjahr 1981 begannen die eigentlichen Bauarbeiten. Eine ursprünglich geplante Unterdückerung des Seebaches musste aus topografischen Gründen in eine Querung mittels Rohrbrücke abgeändert werden.

Die Firmen J. M. Voith, Kössler und Andritz legten Angebote für verschiedene Turbinenmodelle. Den Zuschlag erhielten schließlich die Francis-Turbinen von Alois Kössler in St. Pölten. Beide Maschinensätze wurden am 3. Mai 1983 erstmals an das Netz geschaltet und Synchronisier- und Lastabschalt-Versuche ausgeführt. 
Planung: Siemens AG Österreich, Abteilung Bautechnik (Dr. Sambs, Dr. Nussbaumer, B-Ing. Baumgartner)
Ausführung: Baugesellschaft m.b.H. Karl Lehner & Co., Graz - Pinkafeld 
 
Das Krafthaus des Kraftwerks Erzbach ist am Nordufer des Erzbachs zwischen den Ortschaften Eisenerz und Hieflau situiert. Von der Hieflauer Straße zweigt eine Zufahrtstraße ab, die über eine Brücke etwa 150 m dem Bachlauf folgend zum Krafthaus führt.

Das Krafthaus wurde über rechteckigem Grundriss auf einer Fläche von 18,80 / 8,90 m errichtet, ist etwa 8,5 m hoch. Die Betonpfeiler und die Kranbahn des Krafthauses sind außen sichtbar belassen, die glatten Flächen der Ausfachungen wurden hinter das Skelett zurückversetzt. Der Bau wird von einem Satteldach abgeschlossen, dessen Schindelverkleidung über die Attika und die Giebelflächen gezogen wurde. An der südlichen Längsfassade sind zwischen Kranbahn und Attikazone Fensterflächen angeordnet. Im Sockelbereich befinden sich schmale, querrechteckige Jalousie-Öffnungen für die Zuluft. 

Die westliche Stirnseite ist vollkommen geschlossen, während an der Längswand, unter der die beiden Rohre der Druckrohrleitung einmünden, zwei Jalousie-Felder oberhalb der Kranbahn für Belüftung sorgen. Die beiden Turbinen besitzen getrennte Ausläufe in den Erzbach, jener der Maschine I ist vor der Südfassade situiert und jener der Maschine II weiter westlich in den Erzbach fließt.

Ein niedriger, ebenfalls mit schindelgedecktem Satteldach abgeschlossener Anbau an der östlichen Stirnseite mit 4,90 m Länge, 2,60 m Breite und etwa 4 m Höhe enthält den Transformator.

In die Maschinenhalle gelangt man an der östlichen Stirnseite durch ein vierteiliges Falttor mit integrierter Gehtür. Im Inneren der Halle ruhen auf den Betonstützen die Kranbahn-Konsolen und die Betonbinder der Decke, auf denen Betonplatten lagern. Leuchtstoffröhren an den Deckenbindern ergänzen die natürliche Belichtung des Raums. 

Die Maschinensätze sind auf Betonsockeln schräg in den Raum eingebaut. An der nördlichen Längsseite sind die Schränke mit Steuerungseinrichtungen und einem Magazin aufgestellt, an der Wand die Brandmelde-Vorrichtung, an der einen Stirnseite eine Werkbank, an der gegenüberliegenden ein Schreibtisch und der Zugang zum WC. Der Transformator ist über eine zweiflügelige Jalousien-Tür an der Ostseite des Anbaus zugänglich. 

Wehr und Triebwasserweg:
Etwa 90 m unterhalb der Mündung des Flözbachs in den Erzbach wurde die Wehranlage mit dem Stauziel 658,50 m bestehend aus einem 6 m breiten Wehrfeld und einer Kiesgasse errichtet. Ein neben dem Wehr befindlicher Container enthält die Steuerungseinrichtungen. Der Bereich oberhalb des Wehrs wurde auf etwa 47 m Länge als befestigter Betonkanal ausgeführt, unterhalb des Wehrs schließt ein 28 m langen Entsandungsbereich an. Von dort leitet eine 2.627 m lange, zum Teil oberirdisch verlegte Druckrohrleitung das Triebwasser zum Krafthaus.
 
Krafthaus:
Die Unterkonstruktion des Krafthauses besteht aus massivem Ortbeton, die Hohlräume zum Gelände wurden mit Magerbeton ausgefüllt. Der Hochbau ist aus einem Stahlbeton-Skelett mit Stirnwänden und Ausfachungen aus Ortbeton hergestellt. Über einer Betonbinder- und Fertigteil-Plattendecke trägt der hölzerne Dachstuhl eine Doppeldeckung aus Faserzement-Schindeln (Produkt "ETERNIT CASTELLO"). Mit derselben Schindeldeckung wurden auch die Giebel verkleidet. Die Traufenuntersicht ist mit einer Holzverschalung versehen. Die Fenster besitzen Stahlrahmen, die Jalousienverkleidungen, die Türen und die Tore sind aus Stahlblech gefertigt. Der Boden der Maschinenhalle ist mit rechteckigen, beigen Klinkerplatten belegt.

Wehr und Triebwasserweg:
Die Wehranlage ist ein reiner Stahlbetonbau, der angrenzende Container wurde aus Aluminium-Trapezblech hergestellt. Der Verbindungskanal zwischen Wehr und Entsander ist betoniert, der Entsander ist mit Holzbohlen abgedeckt. Die Druckrohrleitung aus Faserzementrohren besitzt in Abschnitten eine Beton-Ummantelung sowie drei Rohrbrücken und eine stählerne Verteil-Rohrleitung.
 
Turbinen und Generatoren:
Zwei Francis-Turbinen mit liegender Welle (Baujahr 1984) von Kössler sind jeweils mit Drehstrom-Synchrongeneratoren von Hitzinger gekuppelt. Maschine 1 weist bei einem Nenndurchfluss von 2,2 m³/sec. eine Nennleistung von 800 kW auf und ist mit einem 1.000 kVA-Generator verbunden, Maschine 2 liefert bei 1,1 m³/sec. 600 kW Nennleistung und ist mit einem 650 kVA-Generator gekuppelt. Die Rohfallhöhe beträgt bei beiden Maschinen 41,2 m. Die Steuerung der Anlage ist ein Produkt von Siemens.

Transformatoren:
Die erzeugte Energie wird mittels eines 1.600 kVA-Maschinentransformators (Baujahr 1984) von der Elektro-Bau AG Linz auf 10 kV hochtransformiert und in das 10 kV-Netz der STEWEAG eingespeist. Die Eigenbedarfsversorgung wird durch einen 30 kVA-Trenntrafo vom Hersteller L. Wimberger KG in Wien gewährleistet.

Wehranlage:
Das einzige Wehrfeld der Bachfassung wurde von der Firma Künz geliefert und ist mit einem Drucksegment mit aufgesetzter Klappe ausgestattet. Die Hebung des Segments erfolgt mittels beidseitig angeordneter Zugzylinder, die Stauklappe wird mit einem mittig angeordneten Druckzylinder bewegt. Für die elektronische Steuerung zeichnete die Firma Siemens verantwortlich, die Ölhydraulik lieferte Hainzl & Bauer aus Linz. In das Unterwasser muss eine vorgeschriebene Dotierwassermenge von 235 l/sec. abgegeben werden.

Hubwerke:
Die Maschinenhalle wird von einem Hallenkran mit einem 6,3 t-Elektrozug von Künz bestrichen.

Rechenreinigung:
Künz lieferte die Rechenreinigungsmaschine für den Feinrechen, bestehend aus einer Putzharke und einem dahinter befindlichen versenkten Treibgutbehälter. Der vor dem Feinrechen angeordnete Grobrechen wird mittels eines Spülschützes gereinigt.