Laufkraftwerk Fisching

Das VERBUND-Kraftwerk Fisching ist ein Laufkraftwerk an der Mur und in der Gemeinde Fisching in der Steiermark gelegen.

Technische Beschreibung 

Das Kraftwerk Fisching wurde zwischen 1989 und 1995 erbaut. Nur ein Monat nach Baubeginn im November 1989 wurde das Areal von Umweltaktivisten besetzt und die Arbeiten musste eingestellt werden. Im November 1991 wurden die Bauaktivitäten dann erneut aufgenommen. Zwei Kaplan-Spiralturbinen mit direkt gekoppelten Drehstrom-Synchrongeneratoren erzeugen eine durchschnittliche Jahresleistung von etwa 74 GWh. Das Kraftwerk Fisching ist außerdem mit einer Fischaufstiegshilfe ausgestattet.

Auf einen Blick:

Eigentümer: VERBUND Hydro Power GmbH
Betreiber: VERBUND Hydro Power GmbH                                 
Inbetriebnahme: 1994
Typ:  Laufkraftwerk
Region: Österreich, Steiermark
Gewässer: Mur
Leistung: 21,9 MW
Jahreserzeugung: 66.440 MWh
Turbinen: Kaplan (2)
Fischwanderhilfen:                      ja

Weitere Informationen

Die ersten theoretischen Überlegungen für eine energietechnische Nutzung der Mur zwischen Judenburg und Zeltweg wurden 1922 angestellt. Spezielle Aufmerksamkeit widmete man damals der Farracher Murschleife. 

Ein erstes Kraftwerksprojekt wurde ausgearbeitet, scheiterte jedoch aufgrund kriegsbedingter Material- und Personalengpässe 1940. Erst in den 1980er-Jahren, als die Steirische Wasserkraft- und Elektrizitäts-AG (STEWEAG) die letzten noch nicht genutzten Lücken an steirischen Fließgewässern zu schließen versuchte, gewann das Projekt Farracher Murschleife wieder an Bedeutung. 

Ab 1985 fanden konkrete Planungsarbeiten für ein Ausleitungskraftwerk im Murwald südwestlich des Wärmekraftwerks Zeltweg der Verbund-Austrian Thermal Power GmbH. & Co. KG (ATP) statt. Nach der Erteilung der Baugenehmigung wurde im November 1989 mit der Einrichtung der Baustelle begonnen. 

Im darauf folgenden Dezember kam es zur Besetzung des Areals durch Umweltaktivisten, die Arbeiten mussten eingestellt werden. Die Durchführung einer Umweltverträglichkeitsprüfung sowie eine komplette Umplanung des Krafthauses in den folgenden zwei Jahren entschärften die Widerstände, sodass im November 1991 zum zweiten Mal mit dem Bau begonnen wurde. 

Zusätzlich zu dem ursprünglich geplanten Maschinensatz im Krafthaus wurde noch eine zweite, kleinere Kaplan-Maschine eingeplant, um besser auf schwankende Wassermengen im Winter reagieren zu können. Nach Rodungsarbeiten wurde im Frühjahr 1992 die Krafthaus-Baugrube ausgehoben. Im August wurden die Saugrohrschalungen montiert und mit den Betonierungsarbeiten begonnen. Um die 30 m tiefe Baugrube auszuheben mussten insgesamt 110.000 m³ Erdmaterial abtransportiert werden. Mittels 24.000 m² Schalungen wurden 16.000 m³ Beton und 1.050 t Baustahl verarbeitet. 

Der Rohbau des Unterwasserauslaufs war im Winter 1992/93 soweit fortgeschritten, dass die Einschüttung des Bauwerkteils erfolgen konnte. Der Rohbau wurde in Ortbeton hochgezogen und erreichte im Juni 1993 das Niveau der Maschinenhausdecke, sodass die Seitenteile mit Erdreich hinterfüllt werden konnten. Gleichzeitig mit der Inbetriebnahme der Wehrturbine im Oktober 1993 begann im Krafthaus die Montage der beiden Kaplan-Turbinenlaufräder. Die Inbetriebnahme der Maschine 2 erfolgte am 21. April 1994, am 16. Jänner 1995 wurden die Arbeiten an der Maschine 3 abgeschlossen. 

Die offizielle Übergabe des Werks erfolgte am 2. Juni 1995.
 
Architektur: Erich Andree, Graz.
Planung: Planungsabteilung der STEWEAG. Landschaftsplanung: Ing. Makovec, Graz - Wien. Vermessung: Ulf Schantl, Judenburg.
Ausführung: Baufirma Gebrüder Haider
 

Das Krafthaus des Ausleitungskraftwerkes Fisching liegt im Südwesten der Stadt Zeltweg am Ende der Pfaffendorfer Murschlinge. Unmittelbar nördlich befindet sich die Aschedeponie des Dampfkraftwerkes Zeltweg. Am rechten Ufer des Ausleitungskanals führt von Nordwesten der Murwaldweg, vom rechten Murufer von Südosten der Krafthausweg zum Krafthaus.

Das Kraftwerks-Ensemble besteht aus dem Krafthaus, dem Betriebsgebäude und einer Freiluft-Schaltanlage. Das Krafthaus ist zum größten Teil in einem künstlich aufgeschütteten und bepflanzten Hügel verborgen. Über dem Bewuchs sind zunächst die Rechenreinigungs-Maschine und die Freiluft-Schaltanlage sichtbar, die beide auf dem beschütteten und bewachsenen Dach des Krafthauses situiert sind. Der Noteingang zum Krafthaus und die Nische des Transformators besitzen Sichtbetonmauern mit einem segmentbogenförmigen Abschluss.

Am Fuß des künstlichen Hügels begrenzt eine konkav gekrümmte und gegen das Flussufer schräg ansteigende Mauer die Räume des Betriebsgebäudes gegen das Unterwasser. In die glatte, schalreine und durch Pfeiler vertikal gegliederte Betonwand sind Tore und querrechteckige Fensteröffnungen eingeschnitten. An den Betriebstrakt schließt der Baukörper der Maschinenhalle an, in dessen glatter Sichtbeton-Mauer das Einfahrtstor und im oberen Bereich fünf annähernd quadratische Fensteröffnungen eingeschnitten sind. Entlang der Einfahrtsschneise wurde gegen das Flussufer eine zweite, in gleicher Richtung gekrümmte Mauer errichtet, die auf der Uferseite beschüttet und begrünt wurde. An der dem Kraftwerk zugewendeten Seite ist die Mauer mit Strukturbeton-Oberflächen und einem Bewuchs aus Kletterpflanzen gestaltet. Auf den beiden gekrümmten Mauern liegt eine Betonbalkendecke auf, die das Dach trägt und einen gedeckten Zufahrtsbereich bildet.

Vom Schiebetor an der östlichen Längswand gelangt man in das Innere der 18,8 m langen und 12,5 m breiten Maschinenhalle. Die glatten Sichtbetonmauern, aus denen die Fahrbahnkonsolen für den Maschinenhaus-Kran vorkragen, umschließen den nahezu leeren Innenraum.

Über dem Fußbodenniveau ragt lediglich das zylinderförmige Gehäuse des Generators der Hauptmaschine um etwa einen halben Meter auf. Es ist von einem Kreis aus Platten mit Asphaltbelag umgeben, während die Montageöffnung zur kleineren Maschine in den Boden eingelassen ist. Ein zweiarmiger Stiegenabgang führt in die Untergeschoße, in denen die Maschinensätze untergebracht sind.

Ein weiterer Stiegenaufgang führt in die Obergeschoße des Krafthauses, in welchem oberwasserseitig auf drei Ebenen Nebenräume angeordnet sind. Der Auslauf des Unterwassers in die Mur ist mit einem Segmentbogen abgeschlossen. Vorbild für diese Form des Auslaufs war nach mündlicher Überlieferung das Maul des Huchen, eines in der Gegend vorkommenden Mur-Fisches.

Die Gründung erfolgte auf tertiärem Untergrund aus Tonmergel mit bis zu 13 m starken quartären Deckschichten aus Schotter. Das Krafthaus wurde in Trockenbauweise in einer Baugrube errichtet. Unterkonstruktion und Hochbauten des Krafthauses sind in Stahlbeton hergestellt und mit einer Beton-Balkendecke abgeschlossen. Die Fenster weisen Stahlrahmen und Isolierverglasungen auf, Türen und Tore bestehen aus Stahlblech, der Boden der Maschinenhalle und der Stiegenhäuser ist mit Terrazzoplatten belegt.

Turbinen und Generatoren:
Die beiden im Krafthaus untergebrachten Kaplan-Spiralturbinen wurden von Andritz geliefert. Maschine 2 besitzt ein Laufrad mit 3,5 m Durchmesser und weist bei einem Ausbaudurchfluss von 86 m³/sec. einen Nennleistung von 17.700 kWh auf. Der direkt gekuppelte Drehstrom-Synchrongenerator von der ELIN Union weist eine Nennleistung von 22.000 kVA auf. Maschine 3 ist mit einem 1,4 m großen Laufrad ausgestattet und verfügt über eine Nennleistung von 2.950 kWh bei einem Durchfluss von 14 m³/sec. Der anschließende 3.500 kVA-Generator wurden ebenso von der ELIN Union geliefert. Das Kraftwerk Fisching verfügt im Gegensatz zu den meisten anderen Murkraftwerken statt einem Leitstand nur über eine Schaltwarte, das heißt es kann in Fisching nur die Steuerung und Überwachung des eigenen Kraftwerks erfolgen. Eingriffe in andere Werke an der Mur sind hier nicht möglich.

Transformatoren:
Die ELIN Union lieferte 1993 einen 25.000 kVA-Drehstrom-Maschinentransformator zur Verbindung der 10,5 kV mit der 110 kV-Spannungsebene. Zusätzlich verfügt das Werk über einen Eigenbedarfs-Transformator der Elektro-Bau-AG Linz (EBG).

Hubwerke:
Die Maschinenhalle wird von einem Brückenkran von Künz (Baujahr 1993) mit einem umschaltbaren Hubwerk zu 82 t und 16 t Traglast bestrichen. Das Dammbalken-Hubwerk an der Rechenreinigungsmaschine besitzt eine Traglast von 2 x 10 t. Ein Bockkran zum Setzen der Unterwasser-Dammbalken wurde 1993 von Künz geliefert und kann mit zwei Hubwerken Lasten bis 30 t beziehungsweise bis 10 t heben. Auf der Reglerebene wurde über dem Generator von Maschine 3 eine Kranschiene mit 2,5 t Traglast für das Einhängen mobiler Hubwerke montiert.

Rechenreinigung:
Künz lieferte 1993 eine Rechenreinigungsmaschine mit einem Dammbalken-Hubwerk und einem Hydraulikkran. Der Putzwagen bestreicht die beiden, 65° geneigten Einlaufrechen und befördert das Treibgut in eine zwischen den Wagenschienen liegende betonierte Treibgutwanne. Das Geschwemsel wird durch Fremdfirmen mittels Polypgreifers auf Lastwägen verladen und entsorgt