Laufkraftwerk Friesach

Das VERBUND-Kraftwerk Friesach ist ein Laufkraftwerk an der Mur und in der Gemeinde Deutschfeistritz in der Steiermark gelegen.

Technische Beschreibung 

Das Kraftwerk Friesach wurde zwischen 1995 und 1998 erbaut. Da der Kraftwerksbau in Trockenbauweise erfolgte, musste oberhalb wie unterhalb des Kraftwerks ein neues Flussbett geschaffen werden. Die Fundierung des Krafthauses und der Wehranlage erfolgten auf solidem Grünschiefer – der Schotter für den Beton wurde des Weiteren vor Ort gewonnen. Zwei Kaplan-Spiralturbinen mit einem Laufraddurchmesser von 3,85 Metern erzeugen eine durchschnittliche Jahresleistung von etwa 60 GWh. Das Kraftwerk Friesach ist außerdem mit einer Fischaufstiegshilfe ausgestattet.

Auf einen Blick:

Eigentümer: VERBUND Hydro Power GmbH
Betreiber: VERBUND Hydro Power GmbH                                 
Inbetriebnahme: 1998
Typ:  Laufkraftwerk
Region: Österreich, Steiermark
Gewässer: Mur
Leistung: 12 MW
Jahreserzeugung: 60.560 MWh
Turbinen: Kaplan (2)
Fischwanderhilfen:                      ja

Weitere Informationen

Im Zuge des energietechnischen Ausbaus der Mur zwischen Bruck und Graz plante die Steirische Wasserkraft- und Elektrizitäts-AG (STEWEAG) zu Beginn der 1980er-Jahre ein Buchtenkraftwerk bei Friesach. 1981 erfolgte die Erforschung der geologischen Verhältnisse im Gebiet des geplanten Kraftwerks und eine Begleitplanungsgruppe bestehend aus Vertretern der Anrainergemeinden, Landschaftsplanern und Fischereiberechtigten wurde gebildet. 

Nach zehn Jahren der Planung und Vorbereitung fand 1991 eine Umweltverträglichkeitsprüfung statt. Nach Einholung der Bewilligungen für Wasserrecht, Naturschutz, Rodung, Elektrizitätswirtschaft und Elektrizitätsrecht erhielt die STEWEAG im Mai 1995 die Baubewilligung. Im darauf folgenden Sommer begannen die Vorarbeiten im Bereich der Baustelle, im Oktober 1995 erfolgte der Baubeginn. 

Da der Kraftwerksbau in Trockenbauweise erfolgte, musste oberhalb wie auch unterhalb des Kraftwerks ein neues Flussbett geschaffen werden. Die Fundierung des Krafthauses und der Wehranlage erfolgten auf solidem Grünschiefer. Der Schotter zur Betonerzeugung wurde vor Ort gewonnen und verarbeitet. 

Im Juni 1998 konnte der erste Maschinensatz in Betrieb genommen werden, der zweite folgte im darauf folgenden August. Nach Abschluss der Arbeiten im Stauraum und im Unterwasserbereich ging die Anlage im Juni 1999 offiziell in Betrieb.
 
Architektur: Erich Andree, Graz.
Planung: Planungsabteilung der STEWEAG. Ökologieplanung: Büro Freiwasser
Ausführung: Krafthaus, Wehr: Fa. Steiner. Stauraum, Unterwasser: Firma Haider
 
Das Laufwasserkraftwerk befindet sich im Bereich mittlere Mur, westlich der Ortschaft Friesach. Die Zufahrt zum Kraftwerk erfolgt vom Ostufer, an dem sich unmittelbar neben dem Maschinenhaus eine 110 kV-Freiluft-Schaltanlage befindet. Daran anschließend liegt das Krafthaus in der linken und die Wehranlage in der rechten Hälfte des Flussbettes. Zur Energiegewinnung wurde der Wasserspiegel der Mur beim Krafthaus ungefähr 7 m aufgestaut und im Unterwasser um einen Meter abgesenkt. Der Stauraum erstreckt sich auf einer Länge von 3,1 km und ermöglicht ein Stauvolumen von 1 Mio. m³. Im Stauraum wurden flache Dämme und Vorschüttungen mit innenliegenden Abdichtungen und landseitigen Drainagen und Regenwasserableitungen angeordnet.

Krafthaus:
Das Abschlussbauwerk besteht aus dem Krafthaus mit zwei Maschinensätzen und dem an der Unterwasser-Seite vorgelagerten Betriebsgebäude sowie aus einer dreifeldrigen Wehranlage. Entsprechend seiner Funktion wurde das Krafthaus als schlichter quaderförmiger Bau ausgeführt, der im Untergeschoß die beiden Maschinensätze sowie diverse Kontroll- und Wartungsgänge aufnimmt, im Obergeschoß die hohe Montagehalle mit der Kranbahn über den Wartungsöffnungen und die Schaltzentrale beherbergt. Sowohl die Maschinenhalle als auch der Teil mit den Betriebsräumlichkeiten werden von einem nach Süden auskragenden Flachdach bedeckt. Ein eigenes Betriebsgebäude war aufgrund des vollautomatisierten Betriebes der Anlage nicht vorgesehen. Nördlich des Krafthauses befindet sich die Rechenanlage mit automatischer Rechenreinigungsmaschine und einer Spülrinne für den Abtransport des Treibguts.

Wehranlage:
Die Wehranlage erstreckt sich zwischen dem Krafthaus und dem westlichen Flussufer. Zwei Flusspfeiler unterteilen sie in drei gleichgroße Wehrfelder. Die Pfeiler weisen an der Unterwasser-Seite eine Abschrägung auf, die annähernd bis zur Wasseroberfläche reicht.

Als Maßnahme für den Naturschutz hat man einen Fischaufstieg mit 620 m Länge und 48 Becken eingeplant, der sich westlich des Kraftwerks befindet und am ursprünglichen Flussbett verläuft.
 
Das Krafthaus und die Wehranlage wurden in einer Baugrube außerhalb des Flusses errichtet und auf solidem Grünschiefer fundiert. Die Mauerwerkskonstruktion ist aus Stahlbeton (geschalter Ortbeton) ausgeführt und als Sichtbeton-Oberfläche belassen. 

Das Flachdach wurde aus frei gespannten Brettschichtholzträgern mit Trapezblechen und Kiesbelag gefertigt und kragt an der Unterwasser-Seite, getragen von konsolenförmigen Holzverstrebungen, aus.

In den Innenräumen dominieren Kunststeinböden in der Maschinenhalle und Doppelböden in den elektrischen Betriebsräumen. Ein fünfteiliges Stahl-Falttor schließt die Einfahrt zur Halle an der Uferseite ab, die Fenster des Bauwerks weisen Metallrahmen auf.
 
Turbinen und Generatoren:
Das Niederdruck-Flußkraftwerk weist mit seinen zwei Maschinensätzen ein jährliches Arbeitsvermögen von 64 GWh auf. Jeder Maschinensatz besteht aus einer horizontal eingebauten Kaplan-Rohrturbine mit 10° Neigung und einem Laufrad-Durchmesser von 3,85 m sowie einem Synchrongenerator mit einer Leistung von je 8.500 kVA. Die Turbinen wurden von der Maschinenfabrik Andritz Sulzer Hydro, die Drehstrom-Synchrongeneratoren von Elin Union geliefert. Für den Fall eines Stromausfalls ist das Kraftwerk mit einem Diesel-Notstromaggregat für die Wehrsteuerung ausgestattet. 

Transformatoren:
Das Werk besitzt einen Blocktransformator zur Hochspannung der erzeugten Energie von 6,3 kV auf 110 kV.

Wehranlage:
Die drei Wehrfelder werden mittels hydraulisch bewegbarer Drucksegmentschütze mit aufgesetzten Klappe von Waagner-Biró geregelt. Die Steuerung des Segmentschützes erfolgt über zwei seitlich angeordnete Zugzylinder, die der Klappe über einen mittigen Druckzylinder.

Hubwerke:
Der Hallenkran ist ein Produkt von Künz aus Hard und wurde 1997 montiert. Er besteht aus zwei parallelen geschweißten Kastenträgern und ist mit einem 40 t-Haupt- und einem 2 t-Hilfshubwerk ausgestattet. 

Rechenreinigung:
Ein Putzwagen mit Putzharke der Firma Passavant Geiger in Aarbergen, Deutschland, besorgt die Reinigung der Turbineneinlaufrechen. Das Schwemmgut wird in eine unter dem Wagen liegende Spülrinne transportiert und von dort in eine Auffanggrube gespült, von der es entsorgt wird.