Laufkraftwerk Gabersdorf

Das VERBUND-Kraftwerk Gabersdorf ist ein Laufkraftwerk an der Mur und in der Gemeinde Gabersdorf in der Steiermark gelegen.

Technische Beschreibung 

Das Kraftwerk Gabersdorf wurde zwischen 1972 und 1974 erbaut. Nach der Durchführung der Aufschließungsarbeiten ab Jänner 1972 erfolgte zuerst die Umspundung der Baugrube für die Wehranlage und die damit einhergehende Umleitung der Mur. Zwei Kaplan-Rohrturbinen erzeugen bei einer mittleren Rohfallhöhe von 8,6 Metern eine durchschnittliche Jahresleistung von etwa 68 GWh. Das Kraftwerk Gabersdorf ist außerdem mit einer Fischaufstiegshilfe ausgestattet.

Auf einen Blick:

Eigentümer: VERBUND Hydro Power GmbH
Betreiber: VERBUND Hydro Power GmbH                                 
Inbetriebnahme: 1974
Typ:  Laufkraftwerk
Region: Österreich, Steiermark
Gewässer: Mur
Leistung: 14,5 MW
Jahreserzeugung: 68.248 MWh
Turbinen: Kaplan (2)
Fischwanderhilfen:                      ja

Weitere Informationen

Die Steirische Wasserkraft- und Elektrizitäts-AG (STEWEAG) begann 1962, als der Ausbau der Enns infolge eines wasserrechtlichen Widerstreitverfahrens nicht fortgesetzt werden konnte, mit dem Ausbau der Mur flussabwärts von Lebring. Geplant waren vier Stufen: Gralla, Gabersdorf, Obervogau und Spielfeld. Nach der Inbetriebnahme des Kraftwerks Gralla 1964 kam es aufgrund einer verstärkten Bautätigkeit von kalorischen Kraftwerken zu einer Verzögerung im weiteren Ausbau, sodass der Aufsichtsrat der STEWEAG erst am 25. Juni 1971 den Baubeschluss zur Errichtung des Kraftwerks Gabersdorf fasste. 

Nach der Durchführung der Aufschließungsarbeiten ab Jänner 1972 erfolgte zuerst die Umspundung der Baugrube für die Wehranlage und die damit einhergehende Umleitung der Mur. Nach der Fertigstellung der zwei östlichen Wehrfelder konnte man in der Niedrigwasserperiode im Winter 1972/73 den Fluss durch die beiden fertigen Wehrfelder umleiten und dadurch die Umspundung der zweiten Baugrube für das westliche Wehrfeld und das Krafthaus herstellen. 

Mit der Fertigstellung des dritten Wehrfeldes im März 1973 waren alle drei Wehrfelder zur Abfuhr des Frühjahrs-Hochwassers einsatzbereit. Die darauf folgenden Arbeiten am Maschinenhaus umfassten die Betonierarbeiten und ab Juni den Einbau der Turbinen. Nach Einbau eines Notverschlusses an den Turbineneinläufen konnte am 10. Dezember 1973 die oberwasserseitige Baugrube geflutet werden. Im Bereich des 5,4 km langen Stauraums wurde die Mur um bis zu 6 m aufgestaut, im Unterwasser erfolgte eine Eintiefung um bis zu 3 m. 

Das ausgebaggerte Flussmaterial wurde zur Aufschüttung der seitlichen Dämme verwendet. Die Inbetriebnahme der ersten Maschine fand Anfang Juni 1974 statt, die der zweiten Anfang August. Nach der Durchführung des ersten Vollstaus am 8. Oktober erfolgte am 21. November 1974 die offizielle Inbetriebnahme.

Architektur: Ferdinand Schuster.
Planung: Planungsabteilung der STEWEAG. Hydraulische Modelluntersuchungen: Helmut Simmler, Technische Versuchsanstalt der Technischen Hochschule Graz.
Ausführung: Arge KW Gabersdorf (G. Hinteregger & Söhne, Salzburg. A. Porr, Wien. Mayreder, Keil, List & Co., Graz. Teiml & Spitzy, Graz.) Stauraum: H. Rella & Co., Graz.

Das Kraftwerk Gabersdorf befindet sich an der Mur östlich von Leibnitz. Die Zufahrt erfolgt über eine Dammbegleitstraße von Hasendorf der Mur aus. Die Anlage besteht aus dem Krafthaus mit zwei Maschinensätzen am rechten und der dreifeldrigen Wehranlage am linken Ufer. Ergänzt werden die baulichen Anlagen durch ein Betriebsgebäude im Westen sowie Dammbalkenlager an beiden Uferseiten.

Krafthaus:
Die 18,4/6,0 m große rechteckige Maschinenhalle ist als leichte, transparente Hülle mit einem Flachdach ausgeführt. Eine massive Stahlbetonwand schließt den Raum zum Oberwasser hin ab, zum Unterwasser hin ist die gesamte Fassade in einer Stahlskelett-Konstruktion aufgelöst. Als Füllungen dienen Glastafeln in der Sockel- und Attikazone und grünlich beschichteten Fassaden-Sandwichplatten in der Mittelzone. Der Hallenkran ist einhüftig ausgeführt, sodass an der Unterwasserseite keine zusätzlichen Vertikallasten über die Außenhülle abgetragen werden müssen. Im Untergeschoss sind die beiden Maschinensätze mit einer Neigung von 13° eingebaut.

Betriebsgebäude:
Westlich des Krafthauses befindet sich ein im Grundriss 19/6 m großes, zweigeschoßiges Betriebsgebäude. Die Verbindung mit der Maschinenhalle erfolgt baulich nur durch einen Erschließungstrakt mit Treppenhaus. Das Bauwerk nimmt Büros, einen Aufenthaltsraum, sanitäre Einrichtungen, Werkstätten, einen Relaisraum sowie einen Batterieraum auf. Oberwasserseitig schließt ein Transformator an das Bauwerk an.

Wehranlage:
Die dreifeldrige Wehranlage mit Segmentschützen und Aufsatzklappen wird von den paarweise angeordneten, schräg nach oben ragenden grünen Hydraulikzylindern der Wehrsteuerung dominiert. Die Verbindung der Wehrfelder erfolgt über eine Oberwasserbrücke, die auch vom Putzwagen der Rechenreinigungsanlage befahren wird. Die Oberseiten der Wehrpfeiler sind begehbar ausgeführt und werden von Kugelleuchten auf silber-grauen Leuchtmasten bekrönt, die sich farblich an die Wehrsegmente und -klappen anlehnen.


Das Krafthaus und die Wehranlage sind auf hartem Tegel gegründet. Das Krafthaus wurde als leichte Stahlkonstruktion ausgeführt, die direkt an die als Aussteifung dienende Oberwassermauer anschließt. Für die Ausfachung des Stahlfachwerks fanden Fassaden-Sandwichplatten und Lichtbänder Verwendung. Die Stahlbetonwände wurden außen mit braunen rechteckigen Fliesen verkleidet. Für die Dachkonstruktion wählte man Profilbleche mit einer Betondruckplatte und einer Wärmedämmung, an den Ortgängen finden sich silber-glänzende Verblechungen. Die massiven Wände im Inneren des Krafthauses weisen gestrichene Sichtbeton-Oberflächen auf, im Bereich des Stahlskeletts wurde die Konstruktion sichtbar gelassen.

Als Bodenbeläge wurden Terrazzo-Trittstufen im Treppenhaus und Terrazzo-Platten im Flur verwendet, die auch bei den Fensterbrettern Verwendung fanden. Die Treppenwangen bestehen aus dunkelrot gestrichenen C-Stahlprofilen, die auf aus der Wand kragenden I-Profil-Konsolen lagern. Die Maschinenhalle und der Eingangsbereich sind mit kleinteiligen, quadratischen Fliesen ausgelegt, die auch für die Verkleidung der Wand zwischen unterem und oberen Maschinenhausniveau verwendet wurden. Das Büro und den Aufenthaltsraum wurden mit einem beigen PVC-Belag ausgelegt. Die Stahltüren im technischen Bereich sowie die beidseitig beschichteten Holztüren im Bürobereich sind noch in der Originalfassung erhalten, bei den Fenstern wurden die alten dunkelrot lackierten Stahlflügel gegen weiße Alufenster getauscht.

 

Turbinen und Generatoren:
Zwei Kaplan-Rohrturbinen, die von Andritz mit einer Neigung von 13° eingebaut wurden, erzeugen bei einer mittleren Rohfallhöhe von 8,6 m eine Engpassleistung von 14.500 kW. Die beiden direkt gekuppelten Drehstrom-Synchrongeneratoren von Elin Union sind mit einer vollstatischen Erregung ausgestattet und besitzen eine Nennleistung von je 10.000 kVA.

Transformatoren:
Ein 20.000 kVA-Maschinentransformator von der Elektro-Bau AG Linz (EBG) spannt die erzeugte Energie von 6 kV auf 110 kV hoch. Die Ableitung erfolgt zum Umspannwerk Leibnitz der STEWEAG.

Wehranlage:
Die dreifeldrige Wehranlage ist mit Drucksegmentschützen und Stauklappen von den VÖEST in Linz verschlossen, sowohl die Schütze als auch die Klappen sind hydraulisch über Zug- und Druckzylinder steuerbar.

Hubwerke:Ein einhüftiger Laufkran von Andritz bestreicht die Maschinenhalle und besitzt ein umschaltbares Hubwerk mit 45 t und 10 t Traglast.

VERBUND-Kraftwerk Gabersdorf Querschnitt Wehranlage
Kraftwerk Gabersdorf: Querschnitt Wehranlage