Laufkraftwerk Greifenstein

Das VERBUND-Kraftwerk Greifenstein ist ein Laufkraftwerk an der Donau und in der Gemeinde Stockerau in Niederösterreich gelegen.

20. April 2018 ab 16 Uhr: Nachbarschaftstreffen beim Kraftwerk

Ein Kraftwerk in der Nachbarschaft – bedeutet das automatisch, dass der Strom in die benachbarten Haushalte fließt? Um diese und viele andere Fragen zu beantworten, laden wir unsere Nachbarinnen und Nachbarn aus den umliegenden Gemeinden ins Kraftwerk ein.

Besuchen Sie uns am 20. April 2018 um 16:00 Uhr beim Nachbarschaftstreffen im VERBUND-Kraftwerk Greifenstein!
Es erwarten Sie Einblicke in das Kraftwerk, Informationen über Strom aus Wasserkraft sowie attraktive Angebote von VERBUND für Haushalt und Gewerbe.

Programm:

ab 16:00 Uhr - Rundgang durch das Kraftwerk und den Schauraum
17:00 Uhr - Begrüßung durch Betriebsingenieur Andreas Pöchhacker, Präsentation & Diskussion
20:00 Uhr - Ende der Veranstaltung

Aktueller Stand zur Fischwanderhilfe Greifenstein mit Projektleiter David Oberlerchner
Stromangebote von VERBUND: Lösungen für Privathaushalt, Unternehmen und E-Mobilität
Doppelberufsausbildung bei VERBUND: So wird man „Kraftwerkerin“ bzw. „Kraftwerker“

 Für Bewirtung ist gesorgt!
Die Kraftwerksstraße ist für Ihre Zufahrt zum Nachbarschaftstreffen geöffnet.

Wir freuen uns auf Ihr Kommen!

Technische Beschreibung 

Das Kraftwerk Greifenstein wurde von 1981 bis 1985 unter Mitfinanzierung der EVN und Wien Strom GmbH in Trockenbauweise errichtet. Eine Linkskurve der Donau wurde dabei durch eine Sehne abgekürzt und das Kraftwerk konnte, ohne den Schiffsverkehr zu beeinflussen, in einer einzigen Baugrube erbaut werden. Neun horizontale Kaplan-Rohrturbinen erzeugen eine durchschnittliche Jahresleistung von etwa 1.753 GWh. 

In den kommenden Jahren wird das Kraftwerk mit einer modernen Fischwanderhilfe ausgerüstet.

Mehr Informationen zum Projekt LIFE+ Netzwerk Donau

Auf einen Blick:

Eigentümer: VERBUND Hydro Power GmbH
Betreiber: VERBUND Hydro Power GmbH
Inbetriebnahme: 1985
Typ:  Laufkraftwerk
Region: Österreich, Niederösterreich
Gewässer: Donau
Leistung: 293 MW
Jahreserzeugung: 1.752.805 MWh
Turbinen: Kaplan (9)
Fischwanderhilfen:                      in Bau

Weitere Informationen

Im Zuge des ersten Rahmenplanes 1956 für den Ausbau der Donau in Österreich waren im Bereich zwischen Wien und Ybbs drei Staustufen geplant: Grafenwörth, Tulln und Klosterneuburg. Durch die Weiterentwicklung von Kraftwerks- und Dammtechniken war es jedoch Ende der 1960er-Jahre möglich, die Anzahl von drei kleineren auf zwei große Staustufen dazwischen zu reduzieren: Altenwörth und Greifenstein.

Das Projekt sah die Errichtung von Krafthaus, Wehranlage und Schleusen auf einem Areal nördlich des alten Donau-Verlaufes in Trockenbauweise vor. Die Linkskurve der Donau wurde an dieser Stelle durch eine Sehne abgekürzt, wodurch das gesamte Bauwerk in einer einzigen Baugrube ohne Behinderung des Schiffsverkehrs errichtet werden konnte.

Nach dem Baubeschluss am 24. Juni 1981 begannen zwei Monate darauf die Vorarbeiten mit der Schlägerung von 295 Hektar Auwald zur Errichtung der Baustelleneinrichtungen. Der offizielle Baubeginn erfolgte am 1. November des Jahres mit dem Aushub der Baugrube, Drainagearbeiten und der Errichtung der Fundamente.

Die Aushubarbeiten am Durchstich der Donau mit einem Aushub-Volumen von insgesamt 10,7 Mio. m³ fanden im Sommer 1983 statt und im November war der Bau soweit fertiggestellt, dass das neue Donaubett geflutet werden konnte. Der Maschinensatz 1 wurde am 28. April 1984 in Betrieb genommen, knapp drei Wochen später erfolgte der erste Vollstau und am 21. Mai wurde die offizielle Eröffnung des Kraftwerks Greifenstein begangen.

In den folgenden Monaten wurden nacheinander alle neun Maschinensätze in Betrieb gesetzt, sodass mit dem Maschinensatz 9 am 23. April 1985 der Bau abgeschlossen werden konnte.

Im Zuge des Kraftwerksbaus fanden auch umfangreiche Auschutz-Begleitprogramme statt, um das größte zusammenhängende Auwaldgebiet Mitteleuropas zu sichern. Nachdem das Flussbett der Donau seit der Regulierung vor mehr als 100 Jahren sich durch die höhere Fließgeschwindigkeit immer weiter eingetieft hatte, war die angrenzende Au von Austrocknung und Versteppung bedroht. Durch den Aufstau des Kraftwerks und die Errichtung des 42 km langen Gießgangs in den Nordauen konnte sich das Gebiet weitgehend erholen. Ebenfalls durch den Kraftwerksbau mussten Rückstaudämme als Hochwasserschutz an beiden Stromufern bis zurück nach Tulln errichtet sowie die Eisenbahn- und Straßenbrücke über die Donau bei Tulln gehoben werden.

In den Jahren 1988 bis 1989 erfolgte westlich des Betriebsgebäudes der Zubau eines Informationszentrums, bestehend aus einem Mehrzweckraum und einem Vortragssaal. Dieser wurde in der Vorbereitungsphase des Kraftwerks Freudenau als Ausstellungsraum für das Projekt verwendet.

Greifenstein stellt geografisch das letzte Donaukraftwerk vor der Bundeshauptstadt Wien und in der Ausbaureihenfolge das vorletzte Donaukraftwerk in Österreich dar.

Planung: Arch. Helmut Hitzginger. Infozentrum: Wolfgang Fux, Bautechnik: Michael Engler.
Ausführung: ARGE (Stuag, Allgem. Österr. Baugesellschaft - A. Porr AG, Universale, Rella, Habau, Hofmann & Maculan, Mayreder). Stahl-Wasserbau: Waagner-Biró, VÖEST, Wengg. Infozentrum: Baumeister Wolfgang Fux

Das Kraftwerk Greifenstein liegt an der Donau in Niederösterreich, nördlich der gleichnamigen Ortschaft am Südufer. Die Zufahrt erfolgt vom Nordufer über die Abfahrt Stockerau-Ost von der Donauuferautobahn. Obwohl das Werk nur vom nördlichen Ufer aus erreichbar ist, liegt das Werk im Gemeindegebiet von Greifenstein am Südufer und wurde daher nach diesem benannt.

Nach der Einfahrt in die Anlage passiert man links die Freiluft-Schaltanlage und erreicht das Informationszentrum und das Betriebsgebäude, das nördlich an die langgestreckte, rechteckige Maschinenhalle mit den neun Maschinensätzen anschließt. Richtung Süden folgen die sechs Wehrfelder, ganz im Süden schließt die obligate Doppelschleuse die Anlage ab. Verbunden werden die einzelnen Bauteile durch eine Oberwasserbrücke und die beiden Kranbahnen des Portalkrans.

Das in Niedrigbauweise errichtete Krafthaus ist von der Oberwasser-Seite her gesehen sehr unauffällig. Ein durchlaufendes breites Band aus braunen Eternit-Polichrom-Platten unterstützt die horizontale Wirkung des Baus, darunter lassen Lüftungsöffnungen der Maschinenhalle die Anzahl der Maschinensätze erkennen. Die Unterwasser-Seite des Krafthauses weist eine durch Abböschung verringerte Fassadenhöhe auf und ist teilweise mit Kletterpflanzen verwachsen.

Die Maschinenhalle ist mit ihren 187 m Länge und 17 m Breite die größte des Verbund. Sie wird von zwei zitronengelben Wandverkleidungen, die sich in der oberen Hälfte der Seitenwände über die gesamte Länge des Raumes erstrecken, dominiert. In die Mitte dieser beiden Streifen ist ein Neon-Lichtband eingebettet, das die einzige Beleuchtung des Raumes darstellt. Natürliches Licht fällt nur in sehr beschränktem Maß durch die Lüftungsgitter der Oberwasser-Seite in die lange Halle. In Längsrichtung wird der Raum durch die quader-förmigen Kabinen, die die Turbinenregler beinhalten, und durch graue Wandfelder an der Ober- und Unterwasser-Seite gegliedert. Die Decke aus Stahlbetonbalken wird jeweils über den Turbinenschächten durch seitlich verschiebbare Stahlelemente durchbrochen, welche bei großen Wartungs- und Montagearbeiten für den Portalkran geöffnet werden. Die südliche Stirnseite wird von einem 16 m hohen und 26,7 m breiten Wandgemälde mit dem Titel "Pegasus eilt Prometheus zu Hilfe" des Salzburger Künstlers Wolfgang Weyringer beherrscht.

Das Betriebsgebäude nördlich der Maschinenhalle ist ein quaderförmiger, zweigeschoßiger Block mit Flachdach. Die Fassaden sind wie die Attika-Zone des Krafthauses mit Polichrom-Platten verkleidet, die seitlichen Randzonen der Breitseite des Gebäudes sind durch Sichtbeton-Plattenverkleidungen hervorgehoben. Der Bau weist vier Fensterachsen an der Breit- und sechs an der Längsseite auf, wobei die Fenster des Erdgeschoßes aus Objektschutzgründen mit Sicherheitsglas zusätzlich verkleidet wurden.

Der großzügig dimensionierte Eingangsbereich enthält eine Dokumentation über den Ausbau der Wasserkraft an der Donau und ermöglicht durch zwei Fenster einen Einblick in die unmittelbar anschließende Schaltwarte. Gegenüber befindet sich der Zugang zu Haupttreppenhaus und Lift, die sowohl das Obergeschoß als auch die Untergeschoße bis zur Turbinenebene erschließen. Die Werkstättenbereiche befinden sich eine Ebene über der Maschinenhalle und werden über die Unterwasser-Seite belichtet.

Westlich des Betriebsgebäudes, im Bereich zwischen der Freiluft-Schaltanlage, dem Gebäude der Strom-Gendarmerie und dem Donauufer wurde die Anlage nachträglich um ein Informationszentrum ergänzt. Der dreiteilige, stellenweise zweigeschoßige Bau mit Flachdächern bietet neben einem Foyer mit Sattel-Glasdach einen Präsentations- und einen Ausstellungsraum mit den erforderlichen Nassräumen. Großflächige Verglasungen, die außen mit kreuzförmigen, braun beschichteten Blechelementen unterteilt sind, ermöglichen eine ausreichende natürliche Belichtung der Räume.

Zur Kraftwerksanlage gehören weiters vier Pumpstationen am Südufer: Kronau mit vier Pumpen, Zuckerfabrik mit drei, Tulln mit vier und Langenlebarn mit ebenfalls mit vier Pumpsätzen. Alle vier Stationen haben zusammen eine Förderleistung von 13,5 m³/s und werden mit Strom der Energieversorgung Niederösterreich (EVN) angespeist.

Wie das unmittelbar zuvor errichtete Donaukraftwerk Melk ist Greifenstein ein Stahlbeton-Massivbau mit einer Stahlbeton-Balkendecke und verschließbaren Stahl-Montageöffnungen in der Maschinenhalle. Die Wände sind nur in den Büro- und Personalräumlichkeiten verputzt, sonst als gestrichener Sichtbeton ausgeführt und werden stellenweise durch abgehängte Decken ergänzt.

Für die Bodenbeläge fanden grau-grüne Kunststeinplatten in der Maschinenhalle und dem Empfangsbereich sowie Holzstöckelpflaster in den Werkstätten Verwendung, in den Büro- und Aufenthaltsräumen wurden Kunststoffbeläge oder Laminatböden verlegt. Terrazzo-Stufen in grün beherrschen die Treppenhäuser, begleitet von braun lackierten Geländern aus Stahl-Vierkantprofilen, die farblich an die Elemente der Fassaden erinnern.

Türen aus Kunststoff in den Büros und Stahltüren in den Maschinenbereichen werden mit Alufenstern mit Doppelgläsern und stellenweise Steggläsern kombiniert.

Turbinen und Generatoren:

Neun horizontal eingebaute Kaplan-Rohrturbinen der Baujahre 1984 und 1985 erzeugen mit einer mittleren Rohfallhöhe von 12,6 m eine Engpassleistung von 293.000 kW. Die Erzeugerfirmen der Turbinen sind Voith (M1-M3), Andritz (M4-M6) und VÖEST (M7-M9), die neun Rohrturbinen-Generatoren stammen vom steirischen Hersteller ELIN. 


Wehranlage:

Sechs hydraulisch steuerbare Drucksegmente mit aufgesetzter Stauklappe der Firmen VÖEST, Thyssen und Krupp verschließen die Wehranlage. 


Hubwerke:

Für Wartungsarbeiten steht ein 270 t schwerer Portalkran von Künz, Baujahr 1983, mit elektrisch-hydrostatischem Antrieb zur Verfügung. Die Hubwerke besitzen eine Traglast von 150 t, 60 t, 16 t und 7 t. Für Greifenstein lieferte die Firma Liebherr 1983 ihren einzigen Hallenkran für ein Donaukraftwerk. Er ist über einen elektromechanischen Antrieb steuerbar und verfügt über zwei Hubwerke mit 25 t und 5 t Traglast.


Rechenreinigung:

Zwei Rechenreinigungsmaschinen mit je 3 m breiten Putzhaken von Künz sorgen mit einer Hubkraft von 5,5 t für die Treibgutentsorgung der Einlaufrechen.


Querschnitte des Kraftwerks:

VERBUND-Kraftwerk Greifenstein Querschnitt Krafthaus
Querschnitt: Kraftwerk Greifenstein Krafthaus
VERBUND-Kraftwerk Greifenstein Querschnitt Wehrfeld
Querschnitt Kraftwerk Greifenstein: Wehranlage