Laufkraftwerk Landl

Das VERBUND-Kraftwerk Landl ist ein Laufkraftwerk an der Enns und zwischen den Ortschaften Kirchenlandl und Mooslandl in der Gemeinde Landl in der Steiermark gelegen.

Technische Beschreibung 

Das Kraftwerk Landl wurde von 1964 bis 1967 erbaut. Vor allem der Bau des Unterwasserkanals war eine Herausforderung, denn: Dieser lag bis zu 13 m unter dem Wasserspiegel der Enns und musste deswegen mit Unterstützung von Schlitzwänden und dem Einsatz von Pumpen in offener Baugrube errichtet werden. Eine vertikal montierte Kaplan-Spiralturbine erzeugt im jährlichen Durchschnitt bei einem Nenndurchfluss von 120 m³/s etwa 136 GWh Strom. 

Auf einen Blick:

Eigentümer: VERBUND Hydro Power GmbH
Betreiber: VERBUND Hydro Power GmbH
Inbetriebnahme: 1967
Typ:  Laufkraftwerk
Region: Österreich, Steiermark
Gewässer: Enns
Leistung: 25 MW
Jahreserzeugung: 136.020 MWh
Turbinen: Kaplan
Fischwanderhilfen:                      in Planung

Weitere Informationen

Der Bau des Ennskraftwerkes Landl fällt in die Endphase eines der bedeutendsten Konflikte im österreichischen Kraftwerksbau. Seit der Zwischenkriegszeit beanspruchten sowohl die Steirische Wasserkraft- und Elektrizitäts-AG (STEWEAG) als auch die Oberösterreichische Kraftwerke AG (OKA), ab 1947 die oberösterreichische Ennskraftwerke AG, eine Sondergesellschaft im Sinne des Zweiten Verstaatlichungsgesetzes, den Ausbau der Wasserkraft an der mittleren Enns. Nachdem 1955 das Werk Hieflau in Betrieb gegangen war, konzentrierte sich die Aufmerksamkeit auf den Bereich zwischen Hieflau und Altenmarkt. Die Ennskraftwerke AG propagierte eine große Stufe bei Kastenreith in Oberösterreich mit einem Rückstauraum bis über die Grenze zur Steiermark hinweg, während die STEWEAG unter dem damaligen Leiter der Bauabteilung Hermann Grengg für ein Mehrstufenprojekt mit Anlagen bei Landl, Krippau und Altenmarkt eintrat.

Im Februar 1965 erfolgte der Baubeschluss durch den Aufsichtsrat der STEWEAG für den Bau des Kraftwerks und einer neuen 110 kV-Leitung von Bruck/Mur nach Hieflau für den Abtransport der Energie. Die wasserrechtliche Bewilligung wurde von der Steiermärkischen Landesregierung am 21. Mai 1965 erteilt.

Die Situierung des Krafthauses stellte sich beim Projekt Landl weniger problematisch als die Gründung heraus. Eine Schotterterrasse überdeckte im Mündungsgebiet des Haslinger Baches den gewachsenen Fels, was den Bau in offener Grube deutlich erschwerte. Um die Baugrube wurden Schlitzwände errichtet, die zugleich eine statische Funktion für die Fundamente übernahmen. Der Bau des Unterwasserkanals, der bis zu 13 m unter dem Wasserspiegel der Enns lag, musste ebenfalls mit Unterstützung von Schlitzwänden und unter Einsatz von Pumpen in offener Baugrube errichtet werden. Im November 1967 ging die Hauptmaschine des Kraftwerks in Betrieb, ebenso die 110 kV-Leitung vom Werk zur Schaltanlage in Hieflau.

Gemeinsam mit dem Werk errichtete man das Vierfamilien-Wohnhaus in Kirchenlandl für die Mitarbeiter. Derzeit wird jedoch nur eine Wohneinheit vom Betriebswärter genutzt, die restlichen Wohneinheiten sind als Ferienwohnungen vermietet.
 
Architektur: Fritz Haas.

Planung: Planungsabteilung der STEWEAG. Statik: Max Schummer, Graz.

Ausführung: ARGE (Porr, Universale).
 
Das Krafthaus des Ausleitungskraftwerks Landl liegt an der Einmündung des Haslinger Bachs die Enns zwischen den Ortschaften Kirchenlandl am linken und Mooslandl am rechten Ufer. Die Zufahrt erfolgt von Nordwesten über eine Abzweigung von der Mooslandlstraße. Das Ensemble besteht aus Krafthaus, Schalthaus, Gerätehaus und einer kleinen Freiluft-Schaltanlage. 

Krafthaus:
Das Krafthaus ist über rechteckigem Grundriss auf einer Fläche von 26/ 14,70 m errichtet und über dem Geländeniveau 13,54 m hoch. Sein Hochbau ist mit der westlichen Stirnwand in den Fels gebaut, er wird von einem zum Hang geneigten Pultdach abgeschlossen und zur Gänze von der Maschinenhalle eingenommen. Die glatten Oberflächen der Sichtbetonmauern sind durch die Abdrücke der Schalungen strukturiert: Hierbei wurden alternierend Schalungsplatten mit einzelnen, raueren Brettern eingesetzt, sodass eine horizontale Gliederung der Fassadenflächen entstand. An beiden Längswänden sind unterhalb des Daches je fünf schmale, querrechteckige Belichtungsfelder aus Glasbausteinen angeordnet. Die östliche Stirnwand besitzt eine große, über die gesamte Gebäudehöhe reichende Öffnung, die durch einen Mauerbalken in zwei Teile geteilt und durch eine Stahl-Glas-Konstruktion abgeschlossen ist. In die Stahl-Glasfelder ist das zweiflügelige Einfahrtstor in die Maschinenhalle integriert.

In der Maschinenhalle ist nach dem Einfahrtstor ein Abstellplatz angeordnet, von dem ein Stiegenabgang zum tiefer liegenden Reglerboden führt. Der vertikal eingebaute und zylindrisch umhauste Maschinensatz nimmt den westlichen Teil der Maschinenhalle ein und ragt mit seinem Generatorgehäuse beinahe bis zum Niveau des Abstellplatzes auf. Auf den glatt verputzten Hallenmauern ruht die Kranbahn, über der schmälere, von den Belichtungsfeldern unterbrochene Wände die Betonbalkendecke tragen. An der westlichen Stirnwand ist eine Uhr platziert. In den Zwickelräumen zwischen dem Maschinensatz und der westlichen Stirnwand sind auf zwei Ebenen Erschließungswege angeordnet. Unter dem Abstellplatz sind ebenfalls auf zwei Ebenen Räumlichkeiten situiert, die im ersten Untergeschoß als Telefon- und Personalräume sowie als Batterieraum, im zweiten Untergeschoß als Relaisraum, Werkstätte und Lager genutzt werden.

Ein zweite Stiege befindet sich in der südwestlichen Ecke des Krafthauses.

Schalthaus:
Der eingeschoßige, mit einem Walmdach abgeschlossene Anbau an der südlichen Längsseite des Krafthauses besitzt glatte Außenflächen und enthält Personalräume, die Warte, eine 10 kV-Schaltanlage und den Raum des Eigenbedarfs-Transformators. Östlich des Schalthauses sind der Maschinen-Transformator und die Freiluft-Schaltanlage angeordnet.

Gerätehaus:
An die nördliche Längsseite des Krafthauses sind in einem eingeschoßigen, mit einem Walmdach bedeckten Anbau mit glatten Außenflächen Lagerräume untergebracht.

Triebwasserabfuhr:
Nach Abarbeitung des Wassers gelangt es in den etwa 40 m langen Unterwasserkanal, der östlich des Krafthauses in die Enns mündet.
 
Unter den Terrassenschottern steigt im Bereich des Krafthauses Landl der Fels bergwärts an, der zu großen Schwierigkeiten bei der Gründung des Bauwerks führte. Das Krafthaus wurde so angelegt, dass die Turbinenfundamente und die sie umgebende zylindrische, 60 cm starke Betonschlitzwand 14 m unter dem Grundwasserspiegel auf festen Gosaumergeln liegen. Während der Bauzeit kam es an den steilen Konglomeratwänden wiederholt zu gefährlichen Abstürzen, sodass man die Böschungen auf 35° abflachte und begrünte. Den Tiefbau und auch die Turbinenspiralen stellte man aus Stahlbeton her. Der Hochbau des Krafthauses ist an den Seitenwänden und an der oberwasserseitigen, in den Fels gebauten Stirnwand aus Stahlbeton mit Mauerstärken von 60 cm bis 1 m ausgeführt. Als Dachdeckung kamen Blechbahnen zum Einsatz. Das Einfahrtstor wurde aus Stahlblech gefertigt, die Belichtungsfelder sind aus Glasbausteinen hergestellt. Nach oben schließt eine Betonbalkendecke mit Durisolplatten-Auflagen die Maschinenhalle ab, in der man einen Boden aus Klinkerplatten verlegte. Die aus Beton gefertigten Stiegenläufe sind mit Terrazzobelag und Metallgeländern ausgestattet. Die Nebentrakte sind aus den gleichen Baumaterialien hergestellt.

Unterwasserkanal:
Der an den Tiefbau des Krafthauses anschließende Teil des Saugrohres und der Unterwasserkanal mussten in ihren tieferen Bereichen im Schutz von Schlitzwänden oder unter starker Wasserhaltung in offener Baugrube errichtet werden.
 
Turbinen und Generatoren:
Eine vertikal montierte Kaplan-Spiralturbine, 1966 von J. M. Voith eingebaut, erzielt bei einem Nenndurchfluss von 120 m³/sec. und einer Fallhöhe von 21,35 m eine Nennleistung von 24.000 kW. Der direkt gekuppelte 28.000 kVA-Drehstrom-Synchrongenerator von Elin besitzt eine Nennspannung von 10,5 kV. Für die Notstromversorgung befindet sich ein Iveco-Dieselmotor gekuppelt mit einem 200 kVA-Generator von Stamford, England, in einem Nebenraum des Kraftwerks.

Transformatoren:
Für die Hochspannung der erzeugten Energie von 10,5 kV auf 110 kV verfügt das Hauptkraftwerk über einen 28.000 kVA-Maschinentransformator von Elin. Die Ableitung der Elektrizität erfolgt über eine 110 kV-Leitung zur Schaltanlage des Kraftwerks Hieflau. Die Eigenbedarfsversorgung stellt ein 250 kVA-Transformator mit den Nennspannungen 10,5 kV/400 V sicher, 1999 von Elin geliefert.

Hubwerke:
Die Maschinenhalle wird von einem Brückenkran von Andritz mit Hubwerken zu 90 t und 18 t bestrichen.