Laufkraftwerk Melk

Das VERBUND-Kraftwerk Melk ist ein Laufkraftwerk an der Donau und westlich von Melk in Niederösterreich gelegen.

Technische Beschreibung

Das Kraftwerk Melk, von 1979 bis 1982 unter Mitfinanzierung der Energie AG Oberösterreich, der Salzburg AG, VKW und EVN in Niedrigbauweise errichtet und fügt sich in unmittelbarer Nähe zum berühmten Stift Melk harmonisch in die Landschaft ein. Im Krafthaus am rechten Donauufer sind neun Maschinensätze, bestehend aus je einer Kaplan-Rohrturbine und je einen direkt gekoppelten Drehstromgenerator, eingebaut, welche jährlich rund 1.235 GWh Strom erzeugen. Die Energie wird zur Schonung des Landschaftsbildes nicht über Freileitungen, sondern über Erdkabel im rechtsufrigen Damm in das Hochspannungs- netz transportiert. Rund um den Altarm sind ein Freizeitparadies und ein neuer Erholungsraum entstanden. Der Vogelschutzteich und die aufgeschütteten Kiesinseln im Altarm sind ein wertvolles Rückzugsgebiet für Wasservögel. Seit 2007 ist beim Donaukraftwerk Melk eine neu errichtete Fischwanderhilfe in Betrieb. Sie ist ein wichtiger Teil des LIFE-Projektes „Vernetzung Donau – Ybbs", welches gemeinsam mit dem Land Niederösterreich und mit Unterstützung des Lebensministeriums (BMLFUW) und der EU durchgeführt wurde.

Auf einen Blick:

Eigentümer: VERBUND Hydro Power GmbH
Betreiber: VERBUND Hydro Power GmbH
Inbetriebnahme: 1982
Typ:  Laufkraftwerk
Region: Österreich, Niederösterreich
Gewässer: Donau
Leistung: 187 MW
Jahreserzeugung: 1.235.287,9 MWh
Turbinen: Kaplan (9)
Fischwanderhilfen:                      ja

Weitere Informationen

Die Staustufe Melk an der Donau ist bereits im Stufenplan der Österreichischen Donaukraftwerke AG (DoKW) von 1955 eingetragen, jedoch an einer Stelle etwa 3,4 km östlich des heutigen Standplatzes. Bodenuntersuchungen im Rahmen des Baus der Donaubrücke Melk zeigten in diesem Bereich jedoch einen ungünstigen Untergrund aus Tertiärsanden, der eine sichere Fundierung eines Kraftwerkes mit Baugrubenwechsel und offener Wasserhaltung zu aufwändig und daher zu kostenintensiv gemacht hätte. Im Zwischenbericht von 1972 zum Rahmenplan Ybbs - Wien hat die DoKW daher das Werk bereits bei Stromkilometer 2.037,80 angegeben.

Das Hauptbauwerk des Kraftwerks wurde ab 1. März 1979 in Niedrigbauweise in einer einzigen, etwa 138 Hektar großen Baugrube am Südufer der Donau errichtet. Ein neues Flussbett von etwa vier Kilometern Länge musste angelegt werden, während der reguläre Schiffsverkehr und die Wasserführung im nördlichen Altbett verblieben. Sowohl im Ober- als auch im Unterwasserbereich waren Eintiefungen notwendig, die aber nur das Ausbaggern von Ausand und leichtem Kies betrafen. Der Gesamtaushub beim Bau betrug über 20 Mio. m³.

Nach der Schleuseninbetriebnahme Ende September 1981 und der Donauabriegelung vom 6. bis 8. Oktober konnte mit der ersten Stauetappe in der Niedrigwasserperiode begonnen werden, welche schließlich zum Vollstau am 24. Februar 1982 führte. Die erste Maschine ging am 28. Jänner 1981 in Betrieb und mit der Aufnahme der Energielieferung der Maschine 9 am 1. März 1982 wurden die Bauarbeiten abgeschlossen.

Im Gegensatz zu allen bisher errichteten Donaustufen wurde beim Kraftwerk Melk auf eine Freiluft-Schaltanlage verzichtet. Der erzeugte Strom wird über ein unterirdisch verlegtes Ölkabel zur Schaltanlage des Umspannwerkes Bergern der Austrian Power Grid AG (APG) abgeleitet.

Durch den Aufstau der Donau oberhalb von Melk wurden einige gefährliche Untiefen für den Schiffsverkehr, wie etwa die Kachletstrecke bei Säusenstein, überstaut. Das Bauvorhaben sah auch groß angelegte Dammbauten an Nord- und Südufer vor, die die rückgestaute Mündung der Erlauf mit einbezogen. Die Mündung des Melk-Flusses musste nicht verlegt werden, da sie ohnehin erst in das Unterwasser des Kraftwerks mündet.

In den Jahren 2006 bis 2007 wurde nördlich des Kraftwerks durch die Verbindung des Oberwassers mit dem Altarm eine Fischaufstiegshilfe errichtet.

Planung: Helmut Hitzginger, Planungsstab der Donaukraftwerke AG (DoKW)

Bauleitung: Oberbauleiter Wagner.

Ausführung: ARGE Donaukraftwerk Melk (Mayreder, Kraus & Co., Linz; Rella & Co., Wien; Hofmann & Maculan, Wien; Porr, Wien; Ed

Das Donaukraftwerk Melk befindet sich westlich der gleichnamigen Stadt in Niederösterreich, zwischen den Gemeinden Winden am Süd- und Weitenegg am Nordurfer. Erreichbar ist es vom Südufer aus über eine Abzweigung von der Bundesstraße B1.

Das Ensemble gliedert sich in den Kraftwerksriegel mit Krafthaus und Betriebsräumlichkeiten im Süden, die Wehranlage im Zentrum und die Doppelkammer-Schleusenanlage im Norden. Vom Grundriss her ist das Kraftwerk eine exakte spiegelverkehrte Kopie des Donaukraftwerks Greifenstein, bei dem sich das Krafthaus am Nordufer und die Wehr- und Schleusenanlage südlich davon befinden. Im Zufahrtsbereich am Südufer gibt es weiters ein Garagengebäude, überdachte Auto-Abstellplätze und ein Lagergebäude unmittelbar neben der Einfahrt. Durch die direkte Anbindung des Werks an das benachbarte Umspannwerk Bergern verfügt das Werk über keine eigene Freiluft-Schaltanlage.

Zentrales Bauwerk der Anlage ist das etwa 190 m lange Krafthaus. Es verbindet die Maschinenhalle an der Oberwasser-Seite mit den Betriebs- und Verwaltungsräumlichkeiten im obersten Geschoß der Unterwasser-Seite in einem Bau und machte damit die Errichtung eines eigenständigen Betriebsgebäudes überflüssig. Lediglich die Schaltwarte kragt als kurzer Trakt aus dem Südende des Gebäudes aus. Gleich wie bei den zuvor errichteten Kraftwerken von Architekt Helmut Hitzginger ist auch hier die Unterwasser-Seite teilweise eingeböscht, nur die oberen Geschoße sind durch ein Fensterband und Lüftungslamellen freiliegend ausgeführt. Oberwasserseitig werden die paarweise angeordneten Fenster der Maschinenhalle von einer überdimensionierten Attika-Verkleidung überlagert.

Die Maschinenhalle misst 178/16 m im Grundriss, ist 11,5 m hoch und durch neun Turbinenregler-Einhausungen gegliedert. Am Südende befindet sich auf dem Niveau der Werkstätten eine erhöhte Montageebene, die vom Hauptstiegenhaus direkt erschlossen wird. Die Belichtung dieser Ebene und der Werkstätten erfolgt über rechteckige Lichtkuppeln. Der Rest der Maschinenhalle wird nur über oberwasserseitige Fenster im Obergaden natürlich und über seitlich angeordnete Neonröhren künstlich belichtet. Farblich und material-technisch wurde der Raum analog zum Kraftwerk Greifenstein gestaltet: zwei hellgelb gestrichene Horizontalbänder mit der Hallenbeleuchtung ziehen sich links und rechts über die gesamte Länge des Raumes, die grauen Wandpfeiler dahinter rhythmisieren die Seitenwände. Die Wand am nördlichen Ende der Halle ziert ein Mosaik mit der Darstellung der Nibelungen, einer Kaplan-Turbine, Freileitungen, der Wachau mit der Venus von Willendorf, Weinblättern und -trauben sowie einem Schiff.

Die Betriebsräume im obersten Geschoß werden durch einen durchgehenden Innengang erschlossen. Neben Büros, einem Sitzungszimmer, Garderoben und Waschräumen befinden sich hier auch die Fernmeldezentrale und die Relaiswarte. Alle Räume werden durch unterwasserseitige Fenster belichtet und ermöglichen einen beeindruckenden Ausblick auf Stift Melk.

Die sechsfeldrige Wehranlage mit 186 m Länge ist mit 12,5 m hohen Drucksegmenten mit Klappe und ölhydraulischer Hebemechanik ausgestattet. Für die Verschlüsse der Doppelkammernschleuse verwendete man 15,55 m hohe Stemmtore am Unter- und Doppelhakenschütze am Oberhaupt.

Der Rückstauraum des Kraftwerks Melk reicht 22,6 km bis zum Unterwasser des Kraftwerks Ybbs-Persenbeug zurück. Die Einmündung der Erlauf in die Donau musste rückgestaut und durch Dämme gesichert werden. Die südlichen Donauufer-Verbauungen reichen bis Stromkilometer 2.050 zurück und beinhalten auch die Erlauf-Dämme; die nördlichen Baumaßnahmen wurden bis Kilometer 2.047 durchgeführt. Oberhalb dieser Marken fanden lediglich Uferaufhöhungen statt. Zur Regulierung der Wasserhaltung in den Bereichen hinter den Dämmen wurden vier Pumpwerke errichtet: Marbach, Krummnußbaum und Klein-Pöchlarn am linken Donauufer, Pöchlarn am rechten.

Für die massiven Ortbeton-Teile des Kraftwerks Melk wurden insgesamt 967.000 m³ Beton vergossen.

Die Betonbinder, die das Dach der Maschinenhalle bilden, liegen Seite an Seite und werden nur durch Dachöffnungen, die mit verschiebbaren Stahlelementen verschlossen sind, durchbrochen.

Für den Bodenbelag in der Maschinenhalle verwendete man quadratische, grüne Kunststeinplatten mit sehr großen Naturstein-Einschlüssen. Die Stiegenanlagen sind teilweise mit grünem, teilweise mit rötlichem Terrazzo-Stufen verkleidet. In den Werkstätten findet das obligate Holzstöckelpflaster Verwendung, die Montageebene in der Maschinenhalle ist zur Aufnahme von höheren Bodenpressungen mit quadratischen Stahlplatten ausgelegt.

Die Wände sind in der Maschinenhalle als gestrichener Sichtbeton ausgeführt, in den Betriebsräumen wurden sie verputzt. Für die Türen wurde Stahl verwendet, für die Fenster ein Holz-Alu-Verbundkonstruktion. Die Verglasungen sind teilweise als Drahtglas ausgeführt.

Turbinen und Generatoren:
Das Werk besteht aus neun Maschinensätzen mit Kaplan-Rohrturbinen, die jeweils bei einer Leistung von 21.000 kW ein Schluckvermögen von 300 m³/s aufweisen. Erzeugt wurden die Turbinen 1 bis 3 von Andritz, 4 bis 6 von der VÖEST und 7 bis 9 von Voith. ELIN lieferte alle neun 23 MVA-Rohrturbinen-Generatoren mit einer Nennspannung von 8 kV.

Wehranlage:
Die Wehrverschlüsse sind mit Drucksegmenten mit Stauklappe ausgestattet, der Antrieb erfolgt ölhydraulisch.

Schleusenanlage:
Die beiden Schleusenkammern weisen Hubsenktore am Ober- und Stemmtore am Unterhaupt auf. Die Entleerung und Füllung der Kammern erfolgt seitlich vom Oberwasser beziehungsweise ins Unterwasser.

Hubwerke:
Da die Maschinensätze über öffenbare Dachluken direkt vom 130 t-Portalkran erreicht werden können, besitzt der Hallenkran eine maximale Traglast von lediglich 25 t.

Pumpwerke:
Das Werk Melk verfügt über die Pumpwerke Marbach, Krummnußbaum, Klein-Pöchlarn und Pöchlarn.

Querschnitte des Kraftwerks:

VERBUND-Kraftwerk Melk Querschnitt Krafthaus
Querschnitt: Kraftwerk Melk Krafthaus
VERBUND-Kraftwerk Melk Querschnitt Wehr
Querschnitt: Kraftwerk Melk Wehr