Laufkraftwerk Mühlrading

Das VERBUND-Kraftwerk Mühldorf ist ein Laufkraftwerk an der Enns und südlich der Ortschaft Kronstorf in Oberösterreich gelegen.

Technische Beschreibung 

Das Laufkraftwerk Mühlrading wurde ab 1947 bzw. von 1977 bis 1979 erbaut. In den Jahren 1974/75 erfuhr die Kraftwerks-Warte einen Umbau und eine komplette Neugestaltung, und zwischen 1987 und 1991 mussten alle vier Turbinen umgebaut und die Generatoren erneuert werden. Nun erzeugen sie im jährlichen Durchschnitt rund 112 GWh Strom. Und auch eine Fischaufstiegshilfe ist aktuell in Planung.

Auf einen Blick:

Eigentümer: Ennskraftwerke AG
Betreiber: Ennskraftwerke AG
Inbetriebnahme: 1948
Typ:  Laufkraftwerk
Region: Österreich, Oberösterreich
Gewässer: Enns
Leistung: 24,8 MW
Jahreserzeugung: 111.800 MWh
Turbinen: Kaplan (4)
Fischwanderhilfen:                      in Planung

Weitere Informationen

Die ersten Kraftwerksprojekte an der unteren Enns reichen in die Zeit vor dem Ersten Weltkrieg zurück. 1910 wurde vom Zivilingenieur Buchleitner in Salzburg eine Studie für den Wasserkraft-technischen Ausbau entwickelt, jedoch nicht weiter verfolgt. Am 27. Juni 1921 sicherten sich die Oberösterreichische Wasserkraft- und Elektrizitäts-AG Linz (OWEAG) gemeinsam mit der Tramway- und Elektrizitätsgesellschaft Linz die wasserrechtliche Bewilligung für ein Ausleitungskraftwerk mit einem 20 km langen Oberwasserkanal.

Als zukünftigen Stromabnehmer konnten die Projektbetreiber unter anderem auch die Stadt Wien gewinnen. Zehn Jahre später wurde das Projekt mit einem deutlich verkürzten Werkskanal neuerlich eingereicht. Eine Realisierung scheiterte jedoch aus wirtschaftlichen Gründen. Erst nach dem "Anschluss" Österreichs 1938 und der Gründung des Hüttenwerks der Reichswerke "Hermann Göring" in Linz stieg der Bedarf an elektrischer Energie in der Region massiv an. Das geplante Ausleitungskraftwerk wurde in mehrere Flusskraftwerke umgeplant, darunter die beiden später realisierten Stufen Mühlrading und Staning.

Am 14. August 1939 erfolgte die Erklärung des Bauvorhabens zum bevorzugten Wasserbau, zwölf Tage später die Freigabe seitens des Reichswirtschaftsministeriums. Nach Erteilung der Baugenehmigung begannen am 21. Oktober 1941 die Arbeiten durch die neu gegründete Kraftwerke Oberdonau AG. Die Projektierung stammte von der Abteilung Kraftwerksbau der Siemens-Schuckert AG, Berlin, unter Mitwirkung von Dr. J. Schadler aus Linz.

Am 14. März 1942 erfolgte die Erteilung der wasserrechtlichen Bewilligung gemeinsam mit dem Oberliegerwerk Staning, und einen Monat später begannen die Arbeiten mit der Umschließung der Baugrube I, die drei Wehrfelder aufnehmen sollte. Die Fundamente wurden ausgehoben und die beiden seitlichen Rückstaudämme geschüttet. Im November wurden die grundlegenden Arbeiten an der Baugrube I soweit abgeschlossen, sodass sie im März 1943 geflutet werden konnte. Der Endausbau dauerte noch bis zum Dezember 1943 an. Unmittelbar nach der Flutung der ersten Baugrube schottete man die Baugrube II ab und begann mit dem Fundamentaushub für die restlichen zwei Wehrfelder und das Krafthaus. Die Betonierarbeiten an der Wehranlage waren im März 1944 beendet, die am Krafthaus im Februar 1945. Gleichzeitig fanden bereits seit Jänner 1944 Montagearbeiten an den Turbinen statt.

Mit dem Näherkommen der Kriegshandlungen verlangsamte sich der Baufortschritt zunehmend, bevor er im April durch Kämpfe am Ennsufer endgültig zum Erliegen kommt. Der Großteil der technischen Ausrüstung der Baustelle wurde abtransportiert, das Barackenlager durch Soldaten und Flüchtlinge belegt. Erst Ende 1945 konnten die Montagearbeiten wieder aufgenommen werden. Gleich wie beim Oberlieger-Kraftwerk Staning scheiterte eine Fertigstellung von Mühlrading an der Lieferung von bestellten Generatorteilen von der Siemens-Schuckertwerke AG in Berlin. Nachdem der Mangel an finanziellen Mitteln nach dem Krieg nur den Bau von einem Kraftwerk zuließ, zog man alle verfügbaren Kräfte zur Fertigstellung von Staning zusammen. In Mühlrading beschränkte man sich auf die Instandsetzung der durch Kriegseinwirkungen beschädigten Personalwohnhäuser.

Mit 26. März 1947 erfolgte die offizielle Übergabe des Kraftwerks Mühlrading an die neu gegründete Ennskraftwerke AG (EKW), deren praktische Umsetzung bis zum 1. Oktober 1949 andauerte. Im August 1947 begann man mit der Leitungsverlegung zum Umspannwerk Ernsthofen, und im Juni 1948 trafen die ersten Generatorteile an der Baustelle ein, die schließlich zur Inbetriebnahme der Maschine IV am 23. Dezember 1947 führten. Durch die Blockade Berlins konnten weitere Lieferungen von der Siemens Schuckertwerke AG nicht mehr erfolgten. Erst nach dem Ende der Blockade trafen im Dezember 1949 die Generatorteile für Maschine II ein, welche am 6. April 1950 ihren Betrieb aufnahm. Nach der Fertigstellung aller Hochbauten wurde die Baustelle Ende 1950 geräumt. Der Maschinensatz II nahm am 12. August 1951 seinen Betrieb auf, und die Maschine I folgte als letzte am 25. Mai 1952.

Auf Initiative der Werksmitarbeiter errichtete man 1953 neben dem Kraftwerk ein Freibad. Als erste Erweiterung des Werks baute die EKW 1954 ein Dienstgebäude mit Magazinräumen. Am 3. Oktober 1954 ging die 25 kV-Schaltanlage in Betrieb, und 1959 folgte eine Unterwasser-Eintiefung zur Leistungserhöhung. In den Jahren 1974/75 erfuhr die Kraftwerks-Warte einen Umbau und eine komplette Neugestaltung, und zwischen 1987 und 1991 mussten alle vier Turbinen umgebaut und die Generatoren erneuert werden. Ende der 1990er-Jahre erfolgte der Zubau eines Abfall-Sammelzentrums am Westufer südlich der Brückenrampe.

Architektur: Hans Hoppenberger, Wien. Planung: Siemens-Schuckertwerke AG - Abteilung Kraftwerksbau, Berlin. Bauleitung für KOA: Alfred Kirstein.

Ausführung: H. Rella & Co., Wien. Geolog. Bohrungen: F. Aufschläger, München.

Das Enns-Kraftwerk Mühlrading liegt südlich der Ortschaft Kronstorf am linken, oberösterreichischen Ufer. Am rechten, niederösterreichischen Ennsufer ist die Ortschaft Ernsthofen mit ihrem Vorort Mühlrading gelegen. Die Zufahrt zum Kraftwerk, das eine befahrbare Brücke besitzt, erfolgt über Nebenstraßen von beiden Flussufern.

Das senkrecht zur Flussachse liegende Kraftwerk besteht aus einem am linken Ufer anliegenden Krafthaus und einer bis zum rechten Ufer reichenden Wehranlage. In der selben Achse sind am linken Ufer Schalthaus und Betriebsgebäude, am rechten Ufer ein Werkstättengebäude und ein Werkswohnhaus situiert.

Krafthaus: 
Das Krafthaus ist etwa 85 m lang, 37 m breit und über der Unterwasser-Plattform etwa 11 m hoch. Die Ausläufe der vier Turbinen sind zweigeteilt und mit einem Rundbogen nach oben abgeschlossen. Darüber erhebt sich die zum Unterwasser gerichtete Schauseite des Krafthauses aus gestocktem Beton, in der kleine, hochrechteckige Fensteröffnungen angeordnet sind. Ursprünglich waren alle Fenster gleich groß und in fünf Vierergruppen zusammengefasst. Beim Umbau der Warte brach man ein Fenster zusätzlich aus und vergrößerte zwei bestehende Öffnungen, sodass eine Dreiergruppe höherer Fenster entstand. Profilierte Fensterfaschen aus Konglomerat und ein Gesimse aus dem selben Material gliedern die Fassade. Oberhalb des Gesimses ist eine niedrige Attikamauer angeordnet, die vom Gesims der Kraftwerksbrücke abgeschlossen wird. Die Kraftwerksbrücke bildet zugleich auch das Flachdach des Krafthauses, das nur von den Laternenaufbauten über den vier Maschinensätzen und über dem Montageplatz durchbrochen wird. Die Laternen besitzen einen quadratischen Grundriss, auf jeder Seite querrechteckige Fensteröffnungen und sind mit Montagehauben in der Form eines flachen Zeltdaches abgeschlossen. 

Vor der landseitigen Stirnseite des Krafthauses ist ein Vorplatz ausgebildet, von dem ein zweiflügeliges Tor in den Montageraum führt. Die breite Durchfahrtsöffnung zum annähernd auf quadratischem Grundriss errichteten Montageplatz ist mit profilierten Marmorplatten gerahmt. Durch eine weitere marmorgerahmte Durchfahrt gelangt man zu den vier vertikal eingebauten Maschinensätzen. Der Raumteil zwischen den Montage-Laternen ist mit einer Balkendecke abgeschlossen. Die Oberwasser-Seite des Krafthauses ist geschlossen ausgebildet und glatt verputzt, dahinter befindet sich ein Korridor, der Räume mit technischen Hilfseinrichtungen erschließt. An der Unterwasser-Seite tragen frei stehende Pfeiler die Decke. Hinter Einbauten mit Leitschränken befinden sich eine Reihe von Nebenräumen, die ihre Belichtung von den unterwasserseitigen Fenstern erhalten. Auch die nachträglich umgebaute Warte, die sich mit einem verglasten Raumteiler zum Maschinenraum öffnet, ist in diesem Bereich situiert.

Wehr:
Die 110 m breite Wehranlage ist mit fünf Feldern zu je 17,25 m lichter Weite und 9 m Verschlusshöhe ausgestattet. Die Wehrpfeiler mit grob aufgespitzten Sichtbeton-Oberflächen sind an beiden Enden gerundet, oberwasserseitig mit konsolenartig auskragenden Pfeilerköpfen, unterwasserseitig steil geneigt und mit einem kurzen Pfeilerfuß ausgestattet. Die Windwerkshäuser sind mit flach geneigten Satteldächern bedeckt und bestehen aus massiven Betonmauern an den Stirnenden, die in der Mitte durch Stahlträger mit verglasten Wänden verbunden sind. 

Kraftwerksbrücke:
Eine einspurige Fahrbahn führt an der Oberwasser-Seite über das gesamte Kraftwerk. Sie verläuft im Bereich des Krafthauses auf dem Flachdach entlang der Laternenaufbauten und im Bereich des Wehres auf einem Träger, der auf den Pfeilerköpfen ruht. Unter der Fahrbahn, die auch die oberwasserseitige Schiene des Portalkranes aufnimmt, ist der Kabelgang angeordnet. Im Bereich der Wehranlage verlaufen die Schienen der Kranbahn beiderseits der Windwerkshäuser.

Betriebsgebäude, Schalthaus und Nebentrakt:
Am rechten Ufer sind in gleicher Richtung der Werksachse die Bauten von Betriebsgebäude, Schalthaus und eines Nebentraktes über rechteckigem Grundriss errichtet. Das ebenerdige, flach bedeckte Schalthaus besitzt glatte Außenflächen und Fenster unterschiedlichen Formats. Eine Durchfahrt führt in den Werkshof. Nach Süden anschließend folgt das Betriebsgebäude, dessen glatte Eingangsfassade gegen Westen gerichtet und ähnlich der Krafthausfassade gestaltet ist. Die zentrale Eingangstür und die größeren der symmetrisch angeordneten Fenstergruppen sind mit Faschen aus Konglomerat umgeben. Über einem profilierten Konglomeratgesimse trägt eine niedrige Attikazone das flache Walmdach. In seinem östlichen, zum Werkshof gerichteten Teil ist das Betriebsgebäude zweigeschoßig ausgeführt; das mit einem Gesimse abgeschlossene Sockelgeschoß besteht aus aufgestocktem Sichtbeton und besitzt zweiflügelige Toröffnungen mit Stichbogenabschluss. Ein ebenerdiger, in Höhe der Kraftwerksbrücke flach gedeckter Nebentrakt schließt an der nördlichen Stirnseite des Krafthauses an und enthält Lager und Werkstätten, die mittels zweiflügeliger Tore erschlossen werden.

Werkstättengebäude:
Am rechten Ufer ist ein auf rechteckigem Grundriss errichtetes, ebenerdiges Werkstättengebäude situiert, das mit einem Walmdach bedeckt ist. 

Werkswohnhäuser:
Am rechten Ufer ist ein lang gestreckter, zweigeschoßiger Werkswohntrakt angeordnet, ein zweites Werkswohnhaus - das "Wohnhaus Plaik", befindet sich am linken Ufer auf oberösterreichischer Seite.

Stauraum:
Der Stauraum ist etwa 6 km lang und reicht bis zum Unterwasserauslauf des Kraftwerks Staning. An das Wehr schließt am rechten Ufer im Oberwasser ein etwa 1.600 m langer Damm an. Die Länge des linksufrigen Dammes beträgt nur 600 m. 
Die Gründung des Hauptbauwerks erfolgte auf wasserdurchlässigem Schlier in zwei Baugruben, die mit Spundwänden umschlossen wurden. Insgesamt wurden 7.800 t Bau- und Maschinenstahl, 24.000 t Zement, 5.600 m³ Bauholz und 515.000 Stück Ziegel verbraucht. Es waren Erdbewegungen im Umfang von 465.000 m³ erforderlich, außerdem kamen 75.000 m³ Beton und 11.200 m³ Granitbruchsteine zum Einsatz. Den Zuschlagstoff für den Beton gewann man vor Ort, die Zementlieferung erfolgte durch die Werke Kirchbichl, Gmunden und Brünn-Königsfeld. Je nach Belastung der Bauteile wurden 350 - 250 kg Zement pro m³ Beton verwendet.

Krafthaus:
Tief- und Hochbau des Krafthauses bestehen aus Stahlbeton, die wurden Außenwände verputzt und mit Gliederungen aus Konglomerat gestaltet. Beim Umbau der Warte verwendete man für die Umrahmungen der neuen Fenster Kremsmünsterer Nagelfluh, ein Konglomeratgestein, dessen Sichtflächen in Anpassung an den Bestand scharriert und fein gestockt wurden. Das Flachdach des Krafthauses ist mit einem Asphaltbelag versehen. Zum Teil baute man nachträglich Aluminiumfenster ein, jedoch sind einige originale Stahlverbundfenster erhalten geblieben. Das Einfahrtstor zum Montageplatz ist aus Holz gefertigt. Die Maschinenräume und der Abstellplatz sind mit Montagehauben aus blechverkleideten Holzschalungen und Betonbalkendecken ausgestattet, der Boden ist mit Fliesen belegt.

Wehr:
Die Wehranlage wurde aus Stahlbeton hergestellt, ober- und unterwasserseitig wurden Betonsporne hergestellt. Die Windwerkshäuser sind aus Beton und Stahl-Glaskonstruktionen im Mittelteil gefertigt, ihr Dach besteht aus Stahlblech. 2 m hohe Zahnschwellen dienen der Energievernichtung in dem aus Beton hergestellten Tosbecken.

Kraftwerksbrücke:
Die Fahrbahn ist asphaltiert und ruht im Bereich der Wehranlage auf einem Kastenhohlträger aus Stahlbeton. 
Turbinen und Generatoren:
Vier vertikal eingebaute Kaplan-Turbinen mit je 24 Leit- und 5 Turbinenschaufeln, von J.M. Voith zwischen 1948 (Maschine IV) und 1952 (Maschine I) montiert und in den Jahren 1987 bis 1990 umgebaut, erzielen bei einer Ausbaufallhöhe von 8,45 m und einem Durchfluss von 75 m³/sec. eine maximale Leistung von 6.304 kW. Die direkt gekuppelten 7.500 kVA-Drehstrom-Synchrongeneratoren von Elin weisen eine Nennspannung von 6,3 kV auf und wurden zwischen 1987 und 1990 gebaut. Sie ersetzten die alten Generatoren der Siemens-Schuckertwerke AG Berlin.

Transformatoren:
Die mit 6,3 kV erzeugte Energie wird im Kraftwerk selbst nicht hochgespannt, sondern über eine unterirdische 6 kV-Leitung zum benachbarten Umspannwerk Ernsthofen der APG abgeleitet. Dort befinden sich zwei 16.000 kVA-Maschinentransformatoren von Elin aus dem Jahre 1949, die die Energie auf 110 kV hochspannen und in das Verbund-Netz einspeisen.

Wehranlage:
Alle fünf Wehrfelder sind mit Doppel-Hakenschützen mit je 9,2 m Verschlusshöhe ausgestattet. Sie wurden von der Dortmunder Union-Brückenbau montiert und sind über zwei Kettenwindwerke mit elektrischer Welle steuerbar. Für Revisionszwecke besitzt das Werk vier Wehrdammbalken zum Abschluss einer Wehröffnung, je vier Dammtafeln für einen Turbineneinlauf sowie vier Dammtafeln für einen Turbinenauslauf.

Hubwerke:
Da das Kraftwerk ohne Maschinenhalle ausgeführt wurde, muss die gesamte Anlage von einem Portalkran mit einem 2 x 30 t-Haupt- und einem 5 t-Hilfshub bestrichen werden. Er wurde 1943 von den Ardeltwerken in Eberswalde geliefert und war mit einer demontierbaren Querverspannung zwischen den beiden Stehern ausgestattet, sodass er im Falle von Luftangriffen mittels einer Seilwinde niedergelegt werden konnte. Im Magazingebäude am rechten Ufer befindet sich ein 2 t-Laufkran an der Decke.

Rechenreinigung:
Die Rechenreinigungsmaschine, bestehend aus Putzwagen mit Putzharke und einem unter dem Wagen befindlichen Container, stammt noch aus der Bauzeit.