Kraftwerk Nußdorf am Donaukanal

Das VERBUND-Kraftwerk Nußdorf ist ein Laufkraftwerk an der Donau und am Einlauf der Donau in den Donaukanal an der Grenze zwischen 19. und 20. Wiener Gemeindebezirk gelegen.

Technische Beschreibung 

Mitte 2005 wurde das Gemeinschaftskraftwerk Nußdorf in Betrieb genommen. Das Kleinwasserkraftwerk, eingebaut in das Schemerlwehr am Beginn des Donaukanals, ist ausgestattet mit 12 Matrix-Turbinen und erzeugt mit einer Leistung von 4,8 MW jährlich rund 28 GWh Strom.

Forschungsturbine StreamDiver

In Nußdorf läuft die Kompaktturbine StreamDiver, eine Entwicklung der Firma Kössler, im Testbetrieb. Nähere Infos dazu unter Forschungsturbine StreamDiver

Fischwanderhilfe für das Kraftwerk Nußdorf 

Im Frühling 2017 eröffnete VERBUND gemeinsam mit Projektpartnern die Fischwanderhilfe, die den Donaukanal für Fische barrierefrei macht und gleichzeitig das historische Bauensemble berücksichtigt. Die Fischwanderhilfe ist seit April 2017 erfolgreich in Betrieb, Gewässerökologen staunen über die Artenvielfalt im "Fischlabyrinth" von Nußdorf.

Fischwanderhilfe Nußdorf eröffnet

Vertreter der Projektpartner bei der Eröffnung der Fischwanderhilfe Nußdorf am Donaukanal
Bei der Eröffnung trafen sich die Projektpartner am Gemeinschaftskraftwerk Nußdorf: v.l.n.r.: Karl Gruber (Wien Energie), Hans-Peter Hasenbichler (via donau), Dorith Breindl (BMLFUW), Jörg Leichtfried (BMVIT), Günther Rabensteiner (VERBUND AG), Karl Heinz Gruber (Verbund Hydro Power GmbH), Peter Weinelt (Wr. Stadtwerke), Friedrich Zemanek (EVN Naturkraft GmbH)

Auf einen Blick:

Eigentümer: Nußdorf Errichtungs- und Betriebs GmbH & Co KG
Betreiber: VERBUND Hydro Power GmbH
Inbetriebnahme: 2005
Typ:  Laufkraftwerk
Region: Österreich, Wien
Gewässer: Donaukanal
Leistung: 4,8 MW
Jahreserzeugung: 28.141 MWh
Turbinen: Kaplan 
Fischwanderhilfen:                      ja

Weitere Informationen

Das jüngste VERBUND-Projekt ist auch gleichzeitig der einzige Neubau in einem sehr bedeutenden historischen Umfeld. Im Jahr 2004 entschloss sich die VERBUND Hydro Power AG, unterhalb der unter Denkmalschutz stehenden Schemerl-Brücke von Otto Wagner, erbaut 1894-1899 im Jugendstil, ein überströmtes Hydromatrixturbinen-Kraftwerk im Tosbecken der historischen Wehranlage zu errichten, um das Dotationswasser des Donaukanals energietechnisch zu nutzen.

Durch den Bau des Donaukraftwerks Freudenau 1992-1998 wurde der Wasserspiegel der Donau beim Wehr Nußdorf um 4,6 m angehoben, sodass man hier schon 1994 an die Errichtung eines Kleinkraftwerkes dachte. Erste Ideen bezogen sich auf zwei Rohrturbinen im Bereich der beiden Donaukanal-Schleusen. Hohe Errichtungskosten bei damals noch geringen Förderungen rechneten damals einen Kraftwerksbau jedoch noch nicht. Erst ein neues Förderungssystem durch die Ökostrom-Regelung von 2002 sowie die Neuentwicklung von effizienteren Hydromatrixturbinen erlaubten 2003 den Planungsbeginn.

Bereits in der Planungsphase wurde das Bundesdenkmalamt in die Vorbereitungen einbezogen, um in direkter Nachbarschaft des denkmalgeschützten Jugendstilensembles Nußdorfer Wehr, bestehend aus einer Brückenanlage mit zwei monumentalen Brückenköpfen und in die Brücke integrierter Schützen-Hebehydraulik sowie zwei historischen Jugendstilgebäuden, einen schonenden Umgang mit diesen zu garantieren. Alle vier Behördenverfahren (Wasserrecht, Schifffahrtsrecht, Energierecht und Denkmalschutz) konnten in fünf Monaten abgeschlossen werden.

Bei den Vorarbeiten im Februar 2004 musste zuerst die Baugrube im Donaukanal abgedämmt und trockengelegt werden. Nach Entfernung der alten Tosbeckensteine der Wehranlage wurden die Fundamente betoniert, sodass im August die Grundsteinlegung stattfinden konnte. Nach dem Einbau der 12 Hydromatrixturbinen in die Kanalsohle Ende November 2004 konnten die Zwischenräume mit Ortbeton vergossen werden. Im Dezember errichteten die beteiligten Baufirmen den Wartungsgang über den Turbinen mit der Verbindung zum Treppenhaus auf der anderen Seite der östlichen Wehrwange sowie die Außenwände des Überlauf-Hohlwehres. Bereits drei Monate später konnten die Rechenreinigungsanlage und die Wehrklappe montiert werden, sodass die Anlage Ende August 2005 offiziell in Betrieb ging.
 
Architektur und Planung: Heinz Grimus, Porr. 

Ausführung: Konsortium Nußdorf (Verbundplan als Konsortialführer, VA TECH HYDRO, Porr Technobau).
 

 Das Wehrkraftwerk Nußdorf befindet sich am Einlauf der Donau in den Donaukanal an der Grenze zwischen 19. und 20. Wiener Gemeindebezirk, wobei sich der größte Teil des Werks im 20. Bezirk befindet. Die Zufahrt erfolgt vom Brigittenauer Sporn aus, einer Insel zwischen dem Wehr- und dem Schleusenarm des Donaukanals.

An der Oberfläche ist vom gesamten Kraftwerk nur das kleine Betriebsgebäude an der östlichen Wehrwange sichtbar. Es zeichnet sich durch eine geschwungene Form mit einem vom Wehr her ansteigenden Pultdach, das durch eine Rundung in die nach Innen geneigte Ostfassade mündet, aus. Die Sichtbetonflächen und die grau-grünen Trapezblech-Verkleidungen gleichen sich farblich an die Wehrwangen an und sind dadurch optisch sehr zurückhaltend. Die Eingänge befinden sich an der Süd- und Ostseite, die Westseite des Gebäude ist an die Wehrwange angebaut. Im Erdgeschoß befinden sich ein Technikraum, zwei Spannungsräume sowie zwei Transformatoren. Die einzige natürliche Belichtung der Innenräume erfolgt in Form einer Lichtkuppel über dem oberen Treppenabsatz.

Über eine zweiläufige Treppe gelangt man auf die Maschinenebene, die sich als 30 m langes und 12 m breites Überlauf-Hohlwehr quer durch das Tosbecken der alten Wehranlage erstreckt. Parallel zum Treppenhaus ermöglicht ein Transportschacht das Einbringen und Entfernen von Maschinenteilen zu Revisionszwecken. Diese können beim Betriebsgebäude über ein öffenbares Dachelement mittels eines mobilen Krans in den Schacht eingehoben werden. In der Mitte des Hohlwehres befindet sich ein Manipulationsraum über die gesamte Wehrbreite mit einem 12 t-Brückenkran an der Decke. Unter dem Boden liegen die zwölf Hydromatrixturbinen in einer Reihe angeordnet und sind von oben zu Wartungszwecken zugänglich. An der Oberseite des Bauwerks befindet sich eine Obermeyerklappe - eine Stahlklappe, die durch luftgefüllte Schläuche hydraulisch gehoben und gesenkt werden kann. Bei gesenkter Klappe wird das Hohlwehr vom überschüssigen Wasser überströmt und ist somit als Bauwerk nicht wahrzunehmen.

Beide Teile des Kraftwerks, das Betriebsgebäude und das Hohlwehr, sind Stahlbetonbauten. Beim Betriebsgebäude wurden Stahlbeton-Fertigteile verwendet, die sowohl außen als auch innen als Sichbeton-Oberflächen erkennbar sind. Das Dach, die abgeschrägte Ostfassade und die Rundung dazwischen sind mit grau-grün beschichteten, geschraubten Trapezblechen verkleidet. Das rechteckige Hohlwehr im Tosbecken der historischen Wehranlage ist ein reiner Ortbetonbau mit Stahlbewehrung und sowohl im Boden als auch in den beiden angrenzenden Wehrwangen verankert. Die Wände im Stiegen- und Schachtbereich sind im Bereich unter der Geländekante nur mit Spritzbeton gesichert. Als Bodenbeläge fanden im Betriebsgebäude Doppelböden für die Kabelführungen mit quadratischen Platten mit Kunststoffbelag Verwendung, im Manipulationsraum über den Matrixturbinen wurde die Betonoberfläche als Boden belassen. Nur über den Maschinensätzen befinden sich zu Revisionszwecken entfernbare Stahlplatten. Abgehängte Decken im Erdgeschoß des Betriebsgebäudes trennen die Räume vom Luftraum unter dem Dach ab.

Turbinen und Generatoren:
Zwölf Hydro-Matrixturbinen des Wiener Herstellers VA TECH HYDRO mit Laufraddurchmessern von je 1,32 m erzeugen bei einer mittleren Rohfallhöhe von 3,8 m eine Leistung von 4,75 MW. Die dabei an den Donaukanal abzugebende Dotationswassermenge beträgt je nach Jahreszeit 80 bis 225 m³/s, wobei bis zu 132 m³/s durch die Turbinen abgegeben werden kann. Die Ableitung der erzeugten Energie erfolgt zum Umspannwerk Heiligenstadt des Regionalversorgers Wienstrom.

Wehranlage:
Anstelle einer eigenständigen Wehranlage verfügt das Werk als Überströmtes Kraftwerk auf dem Hohlkörper aufgesetzte Klappen des Herstellers Obermeyer. Bei Niederwasser sind diese Klappen aufgestellt, wodurch der Wehrkörper sichtbar ist. Bei Normal- und Hochwasser werden die Klappen umgelegt und der Wehrkörper dadurch vollständig überströmt.

Die Fischwanderhilfe Nußdorf ist anhand der Donauleitfischart Wels für Exemplare bis 1,5m Länge dimensioniert worden und überwindet einen Höhenunterschied von rund 3,6 Metern. Sie hat eine Länge von rund 322 Metern und besteht aus 37 Wanderbecken und einem naturnahen, offenen Gerinneabschnitt. Die Fischwanderhilfe wurde 2017 fertiggestellt und ermöglicht es den Fischen, das Hindernis der Kraftwerksmauer mühelos zu umgehen.