Laufkraftwerk Rabenstein

Das VERBUND-Kraftwerk Rabenstein ist ein Laufkraftwerk an der Mur und in der Gemeinde Frohnleiten in der Steiermark gelegen.

Technische Beschreibung

Das Laufkraftwerk Rabenstein, erbaut von 1984 bis 1987, besteht aus zwei horizontal eingebauten Kaplan-Rohrturbinen mit einer Nennleistung von 6.525 kW und je einem Drehstromsynchron-Generator. So erzeugt das Kraftwerk Rabenstein jährlich rund 65 GWh Strom. Und auch eine Fischaufstiegshilfe ist vorhanden. 

Auf einen Blick:

Eigentümer: VERBUND Hydro Power GmbH
Betreiber: VERBUND Hydro Power GmbH
Inbetriebnahme: 1987
Typ:  Laufkraftwerk
Region: Österreich, Steinermark
Gewässer: Mur
Leistung: 13,9 MW
Jahreserzeugung: 65.981,1 MWh
Turbinen: Kaplan (2)
Fischwanderhilfen:                      ja

Weitere Informationen

Der Bau des Kraftwerks Rabenstein wurde schon während der Arbeiten am Kraftwerk Weinzödl geplant, die Erfahrungen des Kraftwerksbaus in Weinzödl beim neuen Projekt einfließen konnten. Nach dem Aufsichtsratsbeschluss zum Kraftwerksbau 1979 wurde im Frühjahr 1980 eine erste Vorstudie für eine weitere Staustufe der Mur im Bereich Frohnleiten vorgelegt, die nach geologischen und hydrologischen Untersuchungen und einer Standortbewertung Ende 1981 zu einem Vorprojekt ausgearbeitet wurde.

Dem beträchtlichen Widerstand gegen den Kraftwerksbau in der Öffentlichkeit begegnete man Seitens der Steiermärkische Elektrizitäts-AG (STEG) mit Informationskampagnen und dem Einsatz eines Expertenteams, das Fragen von Anrainern und Interessierten beantwortete und Änderungsvorschläge bearbeitete. Besondere Schwerpunkte waren die Einbettung in die Umgebung mit Burg Rabenstein, den Orten Frohnleiten und Rothleiten, sowie der Park mit Lindenallee am linken Flussufer. Der ursprünglich direkt am Felsen mit der Burg Rabenstein vorgesehene Standort für das neue Kraftwerk wurde aus denkmalpflegerischen Gründen 400 m flussaufwärts verschoben.

Im Mai 1982 erteilte die Steiermärkische Elektrizitäts-AG (STEG) der Suiselectra Ingenieurunternehmung AG der Schweizerischen Elektrizitäts- und Verkehrsgesellschaft in Basel den Auftrag für Vorarbeiten, Projektierung und Bauleitung des Kraftwerks Rabenstein. Für die Detailplanung wurden umfangreiche Gutachten erstellt: So untersuchte die Eidgenössische Technische Hochschule Zürich die Möglichkeit von Stauraumverlandungen, und die Technische Universität Graz führte 1984 einen Modellversuch zur Untersuchung der Strömungsverhältnisse, der Gestaltung des Tosbeckens und der Turbineneinläufe durch. Der wasserrechtliche Bescheid zum Kraftwerksbau trat am 14. Mai 1984 in Kraft, am 18. August desselben Jahres folgten die Bescheide im Zuge der Widmungs- und Bauverhandlungen.

Nach dem Spatenstich am 24. Oktober 1984 begannen die Arbeiten direkt unterhalb von Schloss Rabenstein auf der linken Uferseite. Im März 1985 wurde die Mur in ein Gerinne umgeleitet, im Dezember 1985 beendete man die Arbeiten am Rohbau des Wehres und im März 1986 am Rohbau des Krafthauses. Im August 1986 konnte die Mur zurückgeleitet werden, im März und April 1987 fand ein Probebetrieb statt, schließlich wurde am 24. Juni 1987 das Kraftwerk feierlich eröffnet. Die Betonherstellung und Kiesgewinnung für die Baustelle fand zur Gänze vor Ort statt. Im Rahmen des Kraftwerksbaus führte man zahlreiche Ufergestaltungs- und Schutzmaßnahmen durch. 2002 wurden die vier Kraftwerke der Steiermärkischen Elektrizitäts-AG - Lebring, Peggau, Weinzödl und Rabenstein - in die damalige VERBUND-Austrian Hydro Power AG (heute VERBUND Hydro Power GmbH) eingegliedert.
 
Architektur: Werkgruppe Graz.
Planung: Suiselectra Ingenieurunternehmung AG der Schweizerischen Elektrizitäts- und Verkehrsgesellschaft in Basel: Vorarbeiten, Projektierung und Bauleitung im Auftrag der Steiermärkischen Elektrizitäts-AG (STEG) 
Ausführung: Hofman Maculan Bau AG, Wien, örtliche Bauleitung: Uniconsult, Wien, Stahlwasserbau: VOEST-Alpine AG, Linz und Hans Künz Ges.m.b.H., Hard
 
Das Mur-Kraftwerk Rabenstein liegt nördlich des Schlosses Rabenstein zwischen den Kraftwerken Laufnitzdorf und Peggau-Deutschfeistritz. Es wird von der am rechten Murufer entlang führenden Römerstraße von Süden erschlossen.

Das Kraftwerk erstreckt sich quer zur Flussrichtung annähernd in Ost-West-Richtung und besteht aus dem am rechten, westlichen Flussufer situierten Krafthaus und der nach einem Trennpfeiler anschließenden Wehranlage. An der Oberwasser-Seite führt eine Brücke mit Fahrbahn für die Rechenreinigungsmaschine und den Dammtafel-Kran über die Wehranlage. Eine zweite Brücke im Unterwasserbereich ist mit einer Fahrbahn für den Unterwasser-Dammtafel-Kran ausgestattet.

Über dem Sockel mit den beiden Turbinen-Ausläufen, die voneinander durch einen breiten Pfeiler mit gerundeten Kanten getrennt sind, erhebt sich der Hochbau des Krafthauses. Seine Unterwasser-Fassade ist durch abgeschrägte und gerundete Sichtbetonpfeiler in sechs Felder unterteilt, wobei sich die Pfeiler in ihrer Gestaltung an jener der Wehrpfeiler orientieren. Jeweils die äußersten Felder sind mit Stahl-Glaskonstruktionen reich durchfenstert, während die mittleren vier Felder massiv mit Sichtbeton ausgefacht wurden. Vor zwei Feldern sind die beiden großen Transformatoren vorgelagert. Das Flachdach des auf einem rechteckigen Grundriss von 40,7/32,12 m errichteten Krafthauses ist von der oberwasserseitig gelegenen Brücke aus begehbar. Das Niveau der Oberwasser-Brücke bildet zugleich den oberen Abschluss des Krafthauses

Die Maschinenhalle wird von der Zufahrt im Süden durch ein sechsteiliges Falttor mit integrierter Tür erschlossen und weist eine Grundfläche von 40,7/12 m bei 10 m Höhe ab Zufahrtsniveau auf. Ihre Längsseiten werden von Sichtbeton-Pfeilern begrenzt, an die breite, gegen die Halle offene Gänge zu den Nebenräumen an Ober- und Unterwasser-Seite auf dem Erdgeschoß-Niveau der Maschinenhalle führen. Im Boden der Halle befinden sich zwei längsrechteckige Öffnungen zu den Montageschächten der beiden Maschinensätze. An den Betonpfeilern sind im Bereich der Konsolenauflager der Kranbahn Scheinwerfer angebracht,darunter sind Leuchtstoffröhren vertikal montiert. Eine Betonrippendecke schließt den Raum nach oben ab. Die anschließenden Räume enthalten in den unteren Geschoßen Werkstätten, einen Relaisraum und einen Hochspannungs-Raum. In den beiden Obergeschoßen der Oberwasser-Seite befinden sich ein Archiv und Aufenthaltsräume mit Fensteröffnungen gegen die Maschinenhalle. 

Die Wehranlage besteht aus drei Feldern mit je 15,5 m lichter Weite und 9,3 m Verschlusshöhe, die durch zwei Wehrpfeiler getrennt werden. Die Dammtafel-Lagerplätze sind oberwasserseitig am rechten, unterwasserseitig am linken Ufer situiert. Am linken Ufer befindet sich eine Fischaufstiegshilfe. Der Stauraum ist 4 km lang, das Stauziel liegt auf 418,8 m Seehöhe.
 
Krafthaus
Das Krafthaus wurde in Trockenbauweise errichtet. Die Baugrube dichtete man mit Schmalwänden und einer kurzen Schlitzwand ab. Untergeschoße, Pfeiler und Kranbahn des Krafthauses wurden in Stahlbeton unter Beigabe von 30 % Flugasche hergestellt, die Decke der Maschinenhalle ist als Betonfertigteil-Rippendecke ausgeführt. Die Wände zwischen den Sichtbetonkonstruktionen sind weiß verputzt. Das zweiflügelige Einfahrtstor besteht aus Stahlrahmen mit großflächiger Verglasung, die Fenster bestehen aus eloxierten Aluminium-Rahmenkonstruktionen mit doppelter Isolierverglasung. Die Böden von Maschinenhalle und Stiegenhäusern ab erstem Untergeschoß aufwärts sind mit Keramikplatten belegt, jener der Werkstatt ist als Holzstöckelpflaster ausgeführt.

Wehr
Wehrschwelle und Wehrpfeiler sind in Stahlbeton errichtet.
 
Krafthaus
Die beiden horizontal eingebauten Maschinensätze aus dem Jahr 1987 bestehen aus einer Kaplan-Rohrturbine der Firmen Andritz - Escher Wyss, Graz-Zürich, mit einer Nennleistung von 7.000 kW und einem Drehstromsynchron-Generator der Firma Elin Union AG mit einer Nennleistung von 7.600 kVA, sowie zwei Blocktransformatoren der Firma Elin Union AG mit einer Nennspannung von 4,5/20 kV. Der Kran der Firma Künz besitzt eine Tragkraft von 32/10 t.

Wehr
Die hydraulisch betriebenen Wehrverschlüsse besitzen Segmente mit aufgesetzten Klappen und wurden von der Voest Alpine AG erzeugt. Die Rechenreinigungsmaschine mit Dammtafel-Kran aus dem Jahr 1986 im Oberwasserbereich und der Unterwasser-Dammtafel-Kran stammen von der Firma Künz und sind jeweils für eine Tragkraft von 2 x 10 t ausgelegt.

Das Laufkraftwerk wird ohne Schwellbetrieb geführt.