Laufkraftwerk Retznei

Das VERBUND-Kraftwerk Retznei ist ein Laufkraftwerk an der Sulm und in der Gemeinde Retznei in der Steiermark gelegen.

Technische Beschreibung 

Das Laufkraftwerk Retznei wurde von 1991 bis 1992 unter Mitfinanzierung von Lafarge erbaut. Nach nur insgesamt zehn Monaten Bauzeit ging das Kraftwerk im Juni in Betrieb. Für die Gestaltung des Tosbeckens wurde ein Modellversuch der Technischen Universität Graz vorgenommen. Die doppelt regulierbare Kaplan-Axialturbine mit Kegelradgetriebe und der direkt gekoppelte Drehstrom-Synchrongenerator erzeugen jährlich rund 4 GWh Strom. 

Im Jänner 2015 wurde in Retznei der Prototyp einer neuen Fischwanderhilfe der Firma Hydroconnect eingebaut. Der Transport der Fische erfolgt über zwei ineinanderliegende Schnecken, die mittels gegenläufiger Windung Fische sowohl nach oben als auch nach unten befördern. Der „Albrecht Fish-Lift“ gewährleistet für Fische und Wasserlebewesen die gefahrlose Passage bei gleichzeitiger Stromerzeugung, wohingegen bei konventionellen Fischwanderhilfen die benötigte Wassermenge energetisch ungenutzt bleibt. 

Auf einen Blick:

Eigentümer: VERBUND Hydro Power GmbH
Betreiber: VERBUND Hydro Power GmbH
Inbetriebnahme: 1992
Typ:  Laufkraftwerk
Region: Österreich, Steiermark
Gewässer: Sulm
Leistung: 0,9 MW
Jahreserzeugung: 3.847,8 MWh
Turbinen: Kaplan 
Fischwanderhilfen:                      ja

Detailinformationen zu Geschichte, Bau und Technik

Das Kraftwerk Retznei war für die Energieversorgung der nahe gelegenen Perlmooser Zementwerke AG gedacht. Der "Inselbetrieb" für die Werksversorgung sollte über die Schaltwarte der Zementwerke abgewickelt werden. Diese Betriebsvariante kam jedoch nicht zum Einsatz. Zur Errichtung des Kraftwerks wurde die Perlmooser Sulmkraftwerke Ges.m.b.H. (PSG) gegründet, an der die Steirische Wasserkraft- und Elektrizitäts-AG beteiligt war. Eine wichtige Vorgabe war die Erhaltung des Auwaldes, der sich 1 km flussaufwärts des Kraftwerks befindet, und der auch nach Inbetriebnahme des Kraftwerks ausreichend überflutet werden musste.

Das Kleinkraftwerk wurde 1991/92 nach einer Planung von Peter Neumann aus dem Ziviltechnikerbüro Hermann Krauß in Graz errichtet. Die architektonische Gestaltung stammt von Konrad Promitzer aus Graz, der zur Zeit der Planung Architekturstudent in Graz war. Für die Gestaltung des Tosbeckens wurde ein Modellversuch der Technischen Universität Graz vorgenommen. Nach insgesamt nur zehn Monaten Bauzeit ging das Kraftwerk im Juni 1992 in Betrieb.
 
Architektur: Konrad Promitzer, Graz
Planung: Ziviltechnikerbüro Hermann Krauß mit Peter Neumann, Graz, und Steirische Wasserkraft- und Elektrizitäts-AG (STEWEAG), Elektrotechnik: Gerhard Moskon, Graz, Berechnung und Konstruktion der Wehrklappe durch Radhuber Consulting, 
Ausführung: ARGE Kraftwerk Retznei (Porr, Schweizerische Straßenbau- und Tiefbau-Unternehmung AG -STUAG), Erdbau im Stauraum: Karl Schwarzl Ges.m.b.H., Graz
 
Das Kleinkraftwerk Retznei liegt an der Mündung der Sulm in die Mur, etwa 150 m südlich des Murkraftwerks Obervogau. Etwa 1 km flussaufwärts befindet sich ein Auwaldgebiet. Die Erschließung erfolgt über die Landstraße 672 vom rechten Ufer der Sulm. Ein Fußweg für den Werksverkehr führt außerdem von der Wehranlage des Kraftwerks Obervogau über den Landsporn zwischen Mur und Sulm und einen Steg über die Wehrklappe zum Kraftwerk. Das Kraftwerk besteht aus dem Krafthaus am rechten Ufer der Sulm und einer Wehrklappe mit Fußgängersteg.

Das auf einem Grundriss von 8,00/9,20 m errichtete Krafthaus ist mit seiner Längsachse in Flussrichtung orientiert und von einer Dachhülle mit segmentbogenförmigem Querschnitt abgeschlossen. Der insgesamt etwa 14,5 m hohe Bau ragt unterwasserseitig etwa 7 m, an der Oberwasser-Seite etwa 4 m auf. Die Außenflächen aus Sichtbeton sind im Obergeschoß glatt, der Sockel über dem Turbinenauslauf im Unterwasser wurde mit horizontalen Nuten betoniert. An der unterwasserseitigen Stirnfassade ist in der Mittelachse ein querrechteckiges Fenster angeordnet. Ein Galeriegang führt entlang der Stirnseite um das Krafthaus herum.

Die Erschließung des Maschinenraumes erfolgt über eine Tür an der Westseite des Gebäudes. Von ihr führt ein Stiegenlauf an der Wand nach unten zum Geschoß mit dem Generator sowie den Vorrichtungen für die Steuerung von Maschinensatz und Wehranlage, Fernwirkung und Überwachung. Der Kran ist an der Westmauer montiert und mit einem schwenkbaren Arm ausgestattet. Über eine Leiter gelangt man zur Turbine hinunter. Der Maschinenraum wird an seiner Westseite von einem hochrechteckigen, dreigeteilten Fenster belichtet. Die Decke im Inneren des Gebäudes ist mit trapezförmigem Querschnitt ausgebildet. Von einem Richtung Unterwasser gelegenen Nebenraum mit Lagerfunktion führt eine Wendeltreppe in den Raum des Obergeschoßes, der für Archivzwecke genutzt wird.

Die Wehrklappe besitzt eine Breite von 25,5 m und eine Stauhöhe von 3,6 m. Sie kann über einen Fußgängersteg gequert werden, die als fragiles Gerüst auf einem im Scheitel geknickten Fachwerkträger ruht. Ein Fischaufstieg führt vom rechten Mur-Ufer in das Oberwasser der Sulm.
 
Das Krafthaus und die Unterkonstruktion der Wehrklappe sind auf Leithakalk gegründet und wurden als Stahlbeton-Massivbau errichtet. Da der Leithakalk starke Verkarstungs-Erscheinungen zeigte, musste die gesamte Wehranlage zusätzlich geankert und seitlich als auch unter der Staumauer mit einem Dichtschirm gegen das Oberwasser gesichert werden. Die Dachhaut des Krafthauses besteht aus gefalzten Blechbahnen, die Fenster sind mit Einfachverglasungen in Stahlrahmen ausgestattet, die Türen bestehen aus Stahlblech. Der Fußgängersteg mit einem Stahlgitter-Bodenrost und Stahlrohr-Geländer ruht auf einem Stahl-Fachwerkträger. 
Turbinen und Generatoren
Die doppelt regulierbare Kaplan-Axialturbine mit Kegelradgetriebe wurde von der VÖEST-Alpine Machinery Construction Engeneering (MCE) 1991 hergestellt und erzeugt eine Nennleistung von 908 kW. Der Drehstrom-Synchrongenerator der Firma ELIN, Graz, besitzt eine Nennleistung von 1.200 kVA, der Transformator der Firma ELIN eine Nennleistung von 1.250 kVA.

Wehranlage
Die Wehrklappe besitzt eine auf die Stahlbetonkonstruktion aufgesetzte "Fischbauchklappe", die durch Hydraulikantriebe gesenkt und gehoben werden kann. Die Wehrklappe und die Rechenreinigungs-Maschine stammen von der Firma Urbas aus Völkermarkt.

Hubwerk
Der Maschinenhaus-Kran der Firma Abus aus dem Jahr 1991 ist für 10 t Traglast ausgerichtet.