Laufkraftwerk Schwabeck

Das VERBUND-Kraftwerk Schwabeck ist ein Laufkraftwerk an der Drau und nördlich der Gemeinde Lavamünd in Kärnten gelegen.

Technische Beschreibung 

Das Kraftwerk Schwabeck wurde von 1939 bis 1943 erbaut. Um das Werk leistungstechnisch zu erweitern, baute man 1995 das östliche der vier Wehrfelder in einen vierten Maschinensatz um und konnte so die Maximalleistung des Kraftwerks von 60.000 auf 79.000 kW erhöhen. Drei vertikale Kaplan-Turbinen und eine Propellerturbine erzeugen jährlich rund 375 GWh Strom.Das Kraftwerk Schwabeck ist so wie alle Kraftwerke der oberen Drau seit 2015 mit einer Fischwanderhilfe ausgerüstet.

Europas höchste Fischwanderhilfe in Schwabeck

Fischwanderhilfe mit Schlitzpass in Schwabeck beim Drau-Kraftwerk
Seit 2015 überwindet die Fischwanderhilfe beim Kraftwerk Schwabeck 21 Meter Fallhöhe und macht damit das Kraftwerk an der Drau barrierefrei für Fische.

Auf einen Blick:

Eigentümer: VERBUND Hydro Power GmbH
Betreiber: VERBUND Hydro Power GmbH
Inbetriebnahme: 1943
Typ:  Laufkraftwerk
Region: Österreich, Kärnten
Gewässer: Drau
Leistung: 79 MW
Jahreserzeugung: 374.758,6 MWh
Turbinen: Kaplan (4)
Fischwanderhilfen:                      ja

Detailinformationen zu Geschichte, Bau und Technik

Der Ausbau der Wasserkraft an der Drau geht zurück bis in das Jahr 1913, in dem die Steiermärkische Elektrizitätsgesellschaft (STEG) die Konzession für den Bau eines Kraftwerkes bei Faal in der Nähe von Maribor im heutigen Slowenien erhielt. Dieses wurde aufgrund kriegsbedingter Personal- und Materialengpässe erst 1918 fertig gestellt und blieb bis zur Errichtung von Schwabeck das einzige Draukraftwerk.

Die Baugeschichte des Kraftwerks Schwabeck - der ursprüngliche Name "Draukraftwerk Lavamünd" wurde noch während der Bauzeit, um Verwechslungen mit dem sechs Kilometer flussabwärts gelegenen Kraftwerk zu vermeiden, in "Draukraftwerk Schwabeck" geändert - ist verglichen mit anderen Kraftwerken aus dieser Zeit in Österreich sehr kurz. Der eigentliche Planungsbeginn fällt in den Dezember 1938 und bereits im Februar 1939 konnte der damalige Projektentwickler, die Alpen-Eletrowerke AG (AEW) ein baureifes Projekt bei den Behörden einreichen. In dieser ersten Ausbaustufe der Drau waren vier Werke geplant: Schwabeck, Lavamünd, Drauburg (heutiges Dravograd) und Marburg (heutiges Maribor).

Die AEW erkannten rasch, dass das geplante Gross-Kraftwerk Ybbs-Persenbeug an der Donau in Kriegszeiten nicht zeitgerecht fertig gestellt werden würde und plante daher für die Draukette ein "verlagertes halbes Ybbs-Persenbeug" (Zitat Hermann Grengg). Um zumindest hier einen raschen Baufortschritt zu garantieren, wurde Schwabeck bereits einen Monat darauf zum bevorzugten Wasserbau erklärt, die wasserrechtliche Genehmigung erfolgte im Juni 1939.

Für die architektonische Gestaltung zeichnet der damals bereits erfahrene Kraftwerks-Architekt Fritz Haas verantwortlich, die bauliche Gesamtleitung übernahm sein Mentor Hermann Grengg. Da unmittelbar nach der Einreichung des Projektes mit dem Bau begonnen wurden, konnte bereits am 16. Oktober 1942 der erste Maschinensatz in Betrieb gehen. Im Februar 1943 folgte der Maschinensatz III und die Maschine III nahm am 15. Mai 1943 ihren Betrieb auf, wodurch die Bauarbeiten abgeschlossen werden konnten.

Schwabeck war zum damaligen Zeitpunkt das einzige österreichische Draukraftwerk und das leistungsstärkste Laufkraftwerk Österreichs. Beim Bau wurden 160.000 m³ Beton, 1.500 t Stahl und 4.600 m³ Granitwerksteine verarbeitet. Die Bauarbeiten wurden von zivilen in- und ausländischen Arbeitern, Kriegsgefangenen und jüdischen Zwangsarbeitern ausgeführt, die im "Gefolgschaftslager Wunderstätten", das sich im Bereich neben dem Kraftwerk und der Werkskolonie befand, untergebracht waren.

Parallel zum Kraftwerk wurde südöstlich eine Werkskolonie mit 13 Gebäuden errichtet, die zwischen 1941 und 1943 in ihrer ersten Phase entstand und von 1954-1955 erweitert wurde. Sie befindet sich mittlerweile in Privatbesitz.

Im Zuge der Verstaatlichung der österreichischen Elektrizitätswirtschaft ging das Kraftwerk 1948 in das Eigentum der Österreichischen Draukraftwerke AG in Klagenfurt über. Ein höherer Personalstand machte Ende der 1970er-Jahre eine Erweiterung der Anlage notwendig, wobei das Metall-Werkstättengebäude für Büronutzung aufgestockt wurde und auch der Kantinenbau zur Vergrößerung der Nutzfläche einen Anbau erhielt.

Um das Werk leistungstechnisch zu erweitern, baute man 1995 das östliche der vier Wehrfelder in einen vierten Maschinensatz um und konnte so die Maximalleistung des Kraftwerks von 60.000 auf 79.000 kW erhöhen.
 
Architektur: Fritz Haas.
Planung: Hermann Grengg, Techn. Hochschule Graz. Planung Wehr- und Kraftwerksanlage: Anton Grzywienski, Techn. Hochschule Wien (TH Wien). Geologische Voruntersuchungen: Josef Stiny, TH Wien. Bauleitung: Eduard Wellacher.
Ausführung: Ed. Ast & Co., Graz. Wehranlage: MAN, Gustavsburg und Waagner-Birò, Graz.
 
Die Kraftwerksanlage befindet sich an der Drau in Kärnten, etwa vier Kilometer oberhalb der Gemeinde Lavamünd. Seinen Namen leitet das Werk von der südwestlich gelegenen Ortschaft Schwabegg ab, befindet sich aber im Gemeindegebiet von Lavamünd. Erreichbar ist das Werk vom linken Drauufer aus über die Drautal-Bundesstraße.

Neben dem eigentlichen Kraftwerk an der Drau gehören zum Ensemble eine Ansammlung von Betriebsgebäuden, die sich u-förmig um einen kleinen Hof gruppieren, weiters das Wartengebäude mit anschließendem Bürotrakt und Schalthalle sowie eine Freiluft-Schaltanlage, die sich zwischen der Bundesstraße und der Schalthalle befindet.

Zentraler Bau und Blickfang ist der für Fritz Haas typische runde Wartenbau mit Kegeldach auf einer Anhöhe oberhalb des Kraftwerkes, den er auch bei der Warte im Umspannwerk Hessenberg verwirklichte. Er beherbergt Büros im Erdgeschoß, elektrische Betriebsräume im ersten und die eigentliche Warte im zweiten Obergeschoß. Diese besitzt auch im inneren einen runden Grundriss und wird durch eine gewaltige Kuppel aus kreisförmigen Glasbausteinen, die in Zement vergossen wurden, illuminiert. Das Licht kommt dabei durch große Fenster im Geschoß darüber; die Gauben im Kegeldach wurden im Zuge einer späteren Dachsanierung entfernt.

Das Kraftwerk selbst besitzt keine Maschinenhalle, da man auf diese aus Material-Einsparungsgründen in Kriegszeiten verzichtet hat. Die drei ursprünglich vorhandenen und der später ergänzte Maschinensatz wurden in einzelnen Schächten untergebracht, die oben mit geteilten Stahl-Abdeckhauben, die als Wetterschutz dienen, verschlossen sind. Bei Wartungsarbeiten können sie zu beiden Seiten verschoben werden, um dem Kran das Einfahren von Lasten in den Maschinenbereich zu ermöglichen. Der Zugang zu den Generatoren und Turbinen wird durch innenliegende Gänge gewährleistet, wobei eine direkte unterirdische Verbindung zwischen dem Wartengebäude und diesen Gängen besteht.

Die dreifeldrige Wehranlage am Westende der Anlage besitzt abgeschrägte Unterwasserpfeiler und wird mit Doppelhakenschützen verschlossen. Zum Heben dieser Schützen befinden sich die mechanischen Antriebe mit nachgerüsteter elektronischer Steuerung auf einer rot lackierten, genieteten Stahlbrücke oberhalb der Wehrbrücke, die leichte Anklänge an Fritz Haas Wehrbrücke der Wehranlage Zlatten im steirischen Pernegg erkennen lässt.

Am Westufer schließen an das Wartengebäude nördlich ein Bürotrakt und westlich eine Schalthalle mit 10 kV- und 20 kV-Spannung an. Den östlichen Abschluss der Anlage bilden mehrere Betriebsgebäude mit Walmdächern, die im Uhrzeigersinn von der hohen Montagehalle im Westen, einem zweigeschoßigen Metall-Werkstättenbau mit Büros, eingeschoßigen Garagen und Elektrowerkstätten bis zum wiederum zweigeschoßigen Werkskantinengebäude am anderen Ende reichen.

Zum Werk gehörte ursprünglich die südöstlich liegende Draukraftsiedlung, welche aus mehreren Mehrfamilienhäusern, einem Betriebsleiterwohnhaus, Garagen und einer Kegelbahn besteht.
 
Stahlbeton mit bearbeiteten Sichtbeton-Oberflächen für die Kraftwerks- und Wehranlage sowie verputztes Ziegelmauerwerk bei den Betriebsgebäuden sind die zwei dominierenden Baumaterialien der Anlage Schwabeck. Auch beim Zubau des vierten Maschinensatzes berücksichtigte man diese bei den meisten Fritz Haas-Bauten angewendete Technik und erzielte somit eine harmonische Angleichung an den Altbestand.

Bei den Betriebsgebäuden finden sich Walmdächer mit Holzdachstühlen und rötlicher Faserzementdeckung. Geschalte Stahlbetondecken fanden in den Betriebsgebäuden Anwendung, in der Kranhalle befindet sich anstelle einer Decke oberhalb des Krans ein offener Holzdachstuhl.

Als Bodenbeläge wurden Fliesen und Teppiche in den Büroräumlichkeiten, rosafarbener Terrazzo in den Stiegenhäusern und schwarze Klinkerfliesen im Maschinenhausbereich verwendet. Die Kabelkanäle in den Böden der Installationsgänge sind mit einem Holzrost abgedeckt. Für die Metall-Werkstätten wurde Holzstöckelpflaster, für die Holz-Werkstätten ein Schiffboden verwendet.

Alle Fenster des Werks sind doppeltverglaste, einflügelige Holzfenster mit Terrazzo-Fensterbänken. Die Fensterluken im Maschinenhausbereich sind an den Innenseiten mit Stahl-Panzertüren verschließbar. Im Innenbereich wurden Holztüren, die teilweise mit Glasfüllungen versehen sind, verwendet. Als Außentüren finden sich Holzrahmentüren mit Holz- oder Glasfüllungen und teilweise Schmiedeeisenbeschläge, bei der Wehranlage Stahltüren, umrahmt von Natursteingewänden.
 
Turbinen und Generatoren
Die Turbinen I bis III, Baujahr 1942, sind vertikal eingebaute Kaplan-Turbinen von J. M. Voith aus St. Pölten mit einer Höchstleistung von je 27.200 PS. Die direkt gekoppelten 22.000 kVA-Generatoren wurden von der Siemens-Schuckertwerke AG (SSW) geliefert und besitzen eine Nennspannung von 10.000 V. Der nachträglich in ein Wehrfeld eingebaute vierte Maschinensatz ist als Propellerturbine ausgeführt - also ähnlich einer Kaplan-Turbine, nur mit unbeweglichen Turbinenschaufeln. Andritz Sulzer Escher Wyss montierte 1995 diese Turbine, ELIN aus Weiz den dazugehörigen 18.000 kVA-Drehstrom-Synchrongenerator mit einem Gesamtgewicht von 135 t.

Wehranlage
Drei Doppel-Hakenschützen des Herstellers M.A.N. dienen als Wehrverschlüsse der noch in Verwendung stehenden Wehrfelder mit je 18,75 m Breite, getrennt durch fünf Meter breite Pfeiler. Das mittlere Wehrfeld wurde 1995 in einen vierten Maschinensatz umgebaut, wobei die dort vorhandenen Doppel-Hakenschützen abgebaut werden mussten.

Hubwerke
Da das Werk über keine Maschinenhalle verfügt, müssen die Maschinen bei Revisionen mittels des 140 t-Portalkrans von M.A.N.-Gustavsburg gehoben und in einen eigenen Montageraum transportiert werden. Bei Wehrrevisionen kommt der 66 t-Dammbalkenkran von M.A.N.-Gustavsburg zum Einsatz, mit dem die Dammbalken für die Oberwasser-Seiten der Wehrfelder gesetzt werden.
 

Querschnitte des Kraftwerks:

VERBUND-Kraftwerk Schwabeck Querschnitt Krafthaus
Querschnitt: Kraftwerk Schwabeck Krafthaus
VERBUND-Kraftwerk Schwabeck Querschnitt Wehr
Querschnitt: Kraftwerk Schwabeck Wehr