Speicherkraftwerk Sölk

Das VERBUND-Kraftwerk Sölk ist ein Speicherkraftwerk und östlich der Ortschaft Stein in der Gemeinde Großsölk in der Steiermark gelegen. Es wurde von 1975 bis 1978 erbaut.

Technische Beschreibung 

Die Sölktäler mit ihren großen Einzugsgebieten und hohen Jahreswasserfrachten machten den Bau eines Wasserkraftwerkes besonders wirtschaftlich. An einer geologisch und vom Gelände her günstigen Stelle wurde im Großsölktal ein Tagesspeicher errichtet, der durch eine 39 m hohe Gewölbemauer abgeschlossen ist. Das Stauziel des Speichers Großsölk mit einem Nutzinhalt von 1,5 Mio. m3 liegt auf Höhe 901,8 m. In den Speicher wird durch einen 3,3 km langen Beileitungs-Druckstollen das Wasser des Kleinsölkbaches und durch einen rund 12 km langen Freispiegelstollen der Donnersbach und der Walchenbach eingeleitet. Die Triebwasserführung besteht aus dem 5,1 km langen Druckstollen, dem Wasserschloss und der 0,9 km langen eingeschütteten Druckrohrleitung.
Im Krafthaus Stein ist ein Maschinensatz mit vertikaler Welle und einer Engpassleistung von 61.000 kW installiert. Der Maschinensatz besteht aus einer Francis-Spiralturbine und einem Synchrongenerator. 

Auf einen Blick:

Eigentümer: VERBUND Hydro Power GmbH
Betreiber: VERBUND Hydro Power GmbH                                 
Inbetriebnahme: 1978
Typ:  Speicherkraftwerk
Region: Österreich, Steiermark
Gewässer: Großsölkbach
Leistung: 61 MW
Jahreserzeugung: 209.986 MWh
Turbinen: Francis 
Fischwanderhilfen:                      nein

Detailinformationen zu Geschichte, Bau und Technik

Als die erste Ölkrise 1973 die massive Abhängigkeit von fossilen Energieträgern demonstrierte, suchten die österreichischen Energieversorgungsunternehmen nach neuen Ausbaumöglichkeiten für Anlagen, die erneuerbare Energie nutzen. Die Untersuchungen der Steirischen Wasserkraft- und Elektrizitäts-AG (STEWEAG) konzentrierten sich hier besonders auf die Sölktaler Alpen, die sich durch ein großes Einzugsgebiet mit ertragreichen Abflusswerten auszeichneten. Planungen für einen Speicher "Kleinsölk" mit einer Beileitung aus dem Großsölktal, einem Pumpwerk für diese Beileitung und einem Krafthaus in Stein existierten bereits. Diese wurden aber soweit abgeändert, dass der Speicher im Großsölktal liegen und die Beileitungen von den Nebentälern Kleinsölk, Donnersbachtal und Walchenbachtal erfolgen sollten.

Nach Abschluss der Planungen begannen 1975 die Aufschließungsarbeiten an der Krafthaus-Baustelle am Ufer des Sölkbaches. Errichtet wurden neben dem Maschinenhaus ein Betriebsgebäude, eine Freiluft-Schaltanlage und eine Garage. Mit der Inbetriebnahme des einzigen Maschinensatzes im August und der Eröffnung des Werks im Oktober 1978 wurden die Bauarbeiten abgeschlossen. Das Kraftwerk Sölk ist das leistungsstärkste Kraftwerk der Steiermark.
 
Architektur: vermutlich Haidvogel - Oratsch - Andree, Graz.

Planung: Planungsabteilung der STEWEAG

Ausführung: Arge (Hinteregger, u.a.)
 
Das zum Kraftwerk Sölk gehörige Krafthaus Stein liegt im Osten der gleichnamigen Ortschaft an der Enns und am rechten Ufer des Sölkbachs, der bei Stein in die Enns mündet.
Die Zufahrt zum Kraftwerk erfolgt über den Kraftwerksweg, der westlich von der Sölktalstraße abzweigt.

Das Krafthaus ist annähernd in Nord-Süd-Richtung orientiert. An den Haupttrakt mit der Maschinenhalle schließen im Norden, Westen und Süden Nebentrakte an. Im Norden befindet sich außerdem ein breiter Betonpfeiler für die Abspannungen, der Transformator und die Freiluft-Schaltanlage.

Krafthaus:
Der auf einer Fläche von etwa 29/16 m errichtete Trakt ist mit 14 m der höchste Teil der Anlage und wird zur Gänze von der Maschinenhalle eingenommen. Das Äußere des Haupttraktes ist durch eine vorkragende Kranbahn-Konsole, eine wuchtige Attikazone und die Vertikalen der breiten Betonpfeiler charakterisiert, die auch oberhalb der Kranbahn weitergeführt sind und die dort situierten, querrechteckigen Fensterfelder von einander trennen. Ausfachungen aus Ortbeton, deren Oberfläche durch die Abdrücke der horizontalen Schalbretter belebt wird, füllen die Felder zwischen den glatten Sichtbetonpfeilern. Auf den Pfeilern ruht das Dach, das über einem auskragenden Sichtbeton-Vorsprung fast senkrecht aufsteigt und, wie die flache Deckfläche darüber, mit Schindeln verkleidet wurde. 

Von der Zufahrt zum Kraftwerksgelände gelangt man durch ein vierteiliges, in rechteckige Felder gegliedertes Falttor in der westlichen Längsmauer des Haupttraktes in die Maschinenhalle. Die Hallenwände besitzen glatte, schalreine Beton-Oberflächen. Oberhalb der Kranbahnkonsolen belichten Fenster an der westlichen Längsmauer und an den Stirnseiten das Innere der Halle. Eine Decke aus Betonbalken mit Betonplatten-Auflagen schließt den Raum nach oben ab. Nur der obere Teil der Generator-Abdeckung ragt über dem Boden der Maschinenhalle auf und ist von einem kreisförmigen Stahlblech umgeben. Alle Metallteile wurden petrolfarben beschichtet. In den Untergeschoßen ist der vertikal eingebaute Maschinensatz situiert. 

Im ersten Untergeschoß ist der Zugang zum Generatorraum angeordnet, weiters der Batterieraum, die Zu- und Abluftanlage des Generators und die Transformatoren für den Eigenbedarf. Im zweiten Untergeschoß befindet sich der Zugang zur Turbine und ihre Steuerungseinrichtungen, die Kühlwasser-Verteilung und die Heizungsanlage. In den Decken eingelassene Montageöffnungen ermöglichen das Manipulieren von Lasten zwischen den Geschoßen. An der östlichen Längsseite führt die Druckrohrleitung zum Laufrad der Turbine. Unter dem westlichen Nebentrakt verläuft das Saugrohr zum zweigeteilten Unterwasser-Auslauf in den Sölkbach.

Nebentrakte:
Die Nebentrakte sind eingeschoßig, flach gedeckt und mit Schindeln verkleidet. Quadratische Fensteröffnungen belichten ihre Innenräume. Nördlich der Maschinenhalle befinden sich der Fernmelderaum und die Warte, die vom Maschinenraum durch einen verglasten Raumteiler getrennt ist. Westlich davon ist der Betriebstrakt situiert, der zwei Untergeschoße und ein zweiarmiges Stiegenhaus enthält, das auch die Untergeschoße der Maschinenhalle erschließt. 

Das Erdgeschoß enthält Büro- und Personalräume und wird von einem Eingang an der westlichen Längsseite erschlossen, der zu einem Vorraum mit dem Abgang zu den Untergeschoßen führt. Im Stiegenhaus ist im ersten Untergeschoß ein Geländemodell des Kraftwerksprojektes "Talbach" aufgestellt. Der südlich anschließende Trakt ist ebenfalls von der Maschinenhalle aus zugänglich und nimmt das Ölmagazin und die Werkstätte, die von quadratischen Fenstern belichtet wird, auf. Im rechten Winkel dazu ist ein Trakt mit Groblager, Notstrom-Diesel-Raum und Garage situiert, dessen Innenräume vom hofartigen Vorplatz aus zugänglich sind. 

Triebwasserführung:
Von der rechten Seite des Speichers führt ein 5,12 km langer Triebwasserstollen zum Wasserschloss Gatschberg, ab dort wird das Triebwasser durch eine 935 m lange, unter der Erde verlegte Druckrohrleitung zum Krafthaus Stein geleitet und dort abgearbeitet.
 
Tief- und Hochbau des Krafthauses sind aus Stahlbeton mit Stahlbeton-Balkendecken hergestellt. Die Traufen bestehen aus Fertigbeton-Rinnenkästen und Bretterschalungen an der Untersicht. Als Dachdeckung und zur Verkleidung der Außenwände verwendete man Faserzement-Schindeln. Die Fenster besitzen Aluminiumrahmen mit Isolierverglasung, Türen und Tore bestehen aus Stahlblech, der Raumteiler zwischen Wartenraum und Maschinenhalle ist als Stahl-Isolierglas-Konstruktion ausgeführt. Die Innenwände der Nebenräume sind verputzt und weiß gestrichen. In der Maschinenhalle ist der Boden mit Klinkerplatten belegt, jener des Wartenraumes mit Linolfliesen. Das Stiegenhaus ist mit einem Belag aus dunkelgrauen Terrazzo-Fliesen ausgestattet.
 
Turbinen und Generatoren:
Das Kraftwerk verfügt über eine vertikal eingebaute Francis-Spiralturbine von Andritz mit einer Nennleistung von 66.000 kW. Das Laufrad besitzt bei einem Durchmesser von 2,5 m eine Schluckfähigkeit von 34 m³/sec. Der direkt gekuppelte 70.000 kVA-Drehstrom-Synchrongenerator wurde 1978 von der ELIN Union geliefert und weist eine Nennspannung von 10,5 kV auf. Die Notstrom-Versorgung wird durch einen Volvo-Dieselmotor gekuppelt mit einem 150 kVA-Generator von Hitzinger gewährleistet.

Transformatoren:
Die ELIN Union lieferte 1978 den 70.000 kVA-Maschinentransformator, der die erzeugte Energie auf 110 kV hochtransformiert. Für die Eigenbedarfsversorgung des Werks steht eine Umspannerbank bestehend aus drei 83,4 kVA-Einphasentransformatoren der Elin Union aus dem Jahr 1978 zur Verfügung, die die gewonnene Energie von 6 kV auf 230 V umspannen. Im Falle des Stillstands des Generators kann Strom vom 30 kV-Netz der STEWEAG bezogen und über einen in einem Trafo-Gebäude neben dem Krafthaus untergebrachten 200 kVA-Transformator von der Elin Union niedergespannt werden.

Hubwerke:
Ein Brückenkran aus zwei geschweißten Kastenträgern der Vorarlberger Firma Künz bestreicht die gesamte Maschinenhalle und besitzt Hubwerke zu 125 t und 20 t. 
 

Querschnitt:

VERBUND-Kraftwerk Sölk Querschnitt Krafthaus
Kraftwerk Sölk: Querschnitt Krafthaus

Querschnitt:

VERBUND-Kraftwerk Sölk Querschnitt Sperre
Kraftwerk Sölk: Querschnitt Sperre