Laufkraftwerk St. Georgen

Das VERBUND-Kraftwerk St. Georgen ist ein Laufkraftwerk an der Mur und westlich der Ortschaft St. Georgen ob Murau in der Steiermark gelegen.

Technische Beschreibung 

Das Kraftwerk St. Georgen wurde von 1983 bis 1985 erbaut. In der Anlage dreht sich eine Kaplan-Spiralturbine mit fünf Laufradflügeln und einem Durchmesser von 2,7 m. Bei einer Schluckfähigkeit von 50 m3/s besitzt sie eine Nennleistung von 6.364 kW. Die zweifeldrige Wehranlage staut das Wasser der Mur. Jedes Wehrfeld ist 11,5 m breit und weist eine Verschlusshöhe von 8,7 m auf. Jährlich erzeugt das Kraftwerk rund 31 GWh Strom.

Auf einen Blick:

Eigentümer: VERBUND Hydro Power GmbH
Betreiber: VERBUND Hydro Power GmbH
Inbetriebnahme: 1985
Typ:  Laufkraftwerk
Region: Österreich, Steiermark
Gewässer: Mur
Leistung: 6 MW
Jahreserzeugung: 30.755,2 MWh
Turbinen: Kaplan 
Fischwanderhilfen:                      nein

Detailinformationen zu Geschichte, Bau und Technik

Das Murkraftwerk St. Georgen war als mittlere Stufe eines dreistufigen Ausbauplans zwischen Stadl und Murau geplant. Letztendlich realisiert wurden aber nur die beiden Kraftwerke in Bodendorf und der Unterlieger St. Georgen. Für die architektonische Gestaltung zeichnete bei allen drei Werken das Grazer Büro Haidvogel - Oratsch - Andree verantwortlich.

Der Baubeschluss zur Errichtung des Kraftwerks St. Georgen wurde von der Steirischen Wasserkraft- und Elektrizitäts-AG (STEWEAG) Anfang Dezember 1982 gefasst, im Frühjahr 1983 begannen die Arbeiten. Zuerst wurde die Mur über einen ausgehobenen Kanal am Südufer umgeleitet, danach begannen im abgespundeten Bereich im alten Flussbett die Aushubarbeiten für die Fundamente der Wehranlage. Nach dem Abschluss der Betonierarbeiten an den beiden Wehrfeldern wurde die Mur rückgeleitet und der Bereich für die Krafthaus-Baugrube abgedichtet und ausgepumpt.

Durch die Anhebung des Wasserspiegels im Stauraum war die Hebung der Lutzmannsdorfer Murbrücke um 2 m notwendig. Im Mündungsbereich des Lorenzerbaches wurde im Einvernehmen mit der Gemeinde eine Sohlschwelle errichtet, um durch die Unterwasser-Eintiefungen des Kraftwerks eine Selbsteintiefung des Baches zu verhindern. Im März 1984 wurde der Saugschlauch unterhalb der Turbine geschalt und betoniert, und im Oktober war der Rohbau bereits bis zum ersten Obergeschoß betoniert.

Nach Abschluss der Innenausbau-Arbeiten wurden die Räume des Betriebsgebäudes Ende Februar 1985 bezogen. Mit der Inbetriebnahme des Maschinensatzes im September 1985 konnten die Bauarbeiten abgeschlossen werden. Das Kraftwerk ist als unbesetztes Werk ausgelegt und wird vollautomatisch vom Prozessrechner des Kraftwerks Bodendorf aus gesteuert und überwacht.
 
Architektur: Haidvogel - Oratsch - Andree, Graz.
Planung: Planungsabteilung der STEWEAG. Vermessung: Ulf Schantl, Judenburg. Statik Brückenhebung: Ernst Renner, Graz.
Ausführung: Tiefbaugesellschaft m. b. H., Bruck/Mur. UW-Eintiefung: Fma. Halatschek. Uferschutzarbeiten: Arge (Gebrüder Haider, TS-Bauges.m.b.H.). Brückenhebung: Firma Zaunfuchs.
 
Das Kraftwerk St. Georgen liegt an der oberen Mur, westlich der Ortschaft St. Georgen ob Murau. Die Zufahrt erfolgt vom rechten Murufer über den E-Werk-Zufahrtsweg. Das Hauptbauwerk des Kraftwerks ist senkrecht zur Flußachse situiert und besteht aus einem am rechten Ufer anliegenden Krafthaus mit Betriebsgebäude und der anschließenden, bis zum linken Ufer reichenden Wehranlage.

Krafthaus und Betriebsgebäude
Der Baukörper des Krafthauses, der die Maschinenhalle samt Nebenräumen und das Betriebsgebäude umfasst, ist auf einer Fläche von etwa 27/19 m errichtet und überragt die Unterwasser-Plattform um 11 m hoch. Sein Flachdach und die Oberwasser-Mauer wurden mit Erdmaterial überschüttet und bepflanzt, sodass der Bau ohne optische Zäsur in die rechtsufrige Murböschung übergeht. Eine große Rechenreinigungs-Maschine ist am rechten Ufer situiert.

Die glatte Sichtbeton-Mauer der Unterwasser-Fassade ist durch eingelassene Fugen strukturiert, die Laibungen der querrechteckigen Fensteröffnungen sind im Sturz- und Sohlbankbereich abgeschrägt. Die Maschinenhalle nimmt den größten Teil des Gebäudes ein und reicht bis zum Trennpfeiler der anschließenden Wehranlage, während in der südlichen Achse auf drei Geschoßen die Räume des Betriebsgebäudes und der elektrischen Schaltanlage untergebracht sind. Das Einfahrtstor zur Maschinenhalle ist in Felder mit aufgemaltem Rautenmuster unterteilt. Rankgitter an der Krafthaus-Wand und an der Wange des Trennpfeilers dienen der Fassadenbegrünung.

Im rechten Winkel zum Krafthaus schließt südlich ein niedriger Trakt mit glatten Sichtbeton-Außenflächen und schrägem Dach mit Nischen für die Transformatoren und einem Bootsraum an, dessen Tore wie das der Maschinenhalle gestaltet sind. Durch das unterwasserseitige Schiebetor mit integrierter Gehtür erfolgt die Zufahrt zur 15,5 m langen, 11 m breiten und 10 m hohen Maschinenhalle. Der nahezu leere Raum wird von horizontal mit Brettern geschalten Sichtbeton-Mauern und einer Betonbalkendecke begrenzt. Fünf querrechteckige Fensterfelder, die zwischen den Betonkonsolen der Kranbahn und der Decke angeordnet sind, belichten die Halle an der unterwasserseitigen Längswand.

Über dem Fußboden ragt das Generatorgehäuse etwa einen halben Meter auf. An der südlichen Stirnwand ist der Zugang zum Betriebstrakt situiert, an der oberwasserseitigen Längswand schließen auf drei Geschoßen Nebenräume an, zu denen man über ein zweiarmige Stiege gelangt: Im Erdgeschoß liegt die Werkstätte, im ersten Obergeschoß befinden sich Büro-, Fernmelde- und Batterieräume, und im zweiten Obergeschoß eine 30 kV-Anlage. Zu den Untergeschoßen gelangt man über einen zweiarmigen Stiegenabgang an der unterwasserseitigen Längswand. Neben verschiedenen technischen Einrichtungen befindet sich dort in einem achteckigen Bauteil mit Sichtbeton-Oberflächen der Maschinensatz.

Wehranlage
Die Wehranlage besteht aus zwei Feldern mit je 11,5 m lichter Weite und 8,5 m Verschlusshöhe. Im Wehrrücken und im unterwasserseitigen Wehrsporn ist je ein Kontrollgang angeordnet. Der Landpfeiler, der Mittelpfeiler und der Trennpfeiler sind unterwasserseitig abgeschrägt und beidseitig mit halbrunden Abschlüssen ausgebildet. Die Wehrbrücke ist mit Schienen für die Dammtafel-Versetzeinrichtung, die am linken Flussufer bereit steht, ausgestattet. In ihrem Boden sind mit Gittern verschließbare Öffnungen zum Absenken und Heben der Dammtafeln ausgenommen. An beiden Ufern befinden sich Dammtafel-Lagerplätze. Bei der Kraftwerkseinfahrt am rechten Ufer wurde ein Stein aufgestellt, der bei Errichtung der Lutzmannsdorfer Brücke aus der Mur gebrochen wurde. Der 1,7 km lange Stauraum ist an beiden Ufern von Terrassen mit Begleitwegen gesäumt und reicht bis in das Unterwasser des Kraftwerks Bodendorf-Mur.
 
Krafthaus
Ein chloritführender, quarzhaltiger Phyllit bildet den Untergrund. Die Unterkonstruktion und der Hochbau des Krafthauses wurden aus Stahlbeton gefertigt, die Decke besteht aus Betonbindern mit aufgelegten Betonplatten. Für die Fenster verwendete man Aluminiumrahmen mit Isolierverglasung, als Material für Türen und Tore kam Stahlblech zum Einsatz, auch die Geländer wurden aus Stahl hergestellt. Die Fußböden in Maschinenhalle und Stiegenhaus sind mit Terrazzoplatten belegt, in den Nebenräumen verwendete man Linoleumplatten.

Wehranlage
Die Wehrpfeiler, der Wehrrücken und das Tosbecken sind aus Stahlbeton gefertigt, die Sohlschwellen für die Dammbalken- und Wehrverschlüsse wurden mit Stahlblech gepanzert.
 
Turbinen und Generatoren
Andritz lieferte eine Kaplan-Spiralturbine mit fünf Laufradflügeln und einem Durchmesser von 2,7 m. Bei einer Schluckfähigkeit von 50 m³/sec. besitzt sie eine Nennleistung von 6.364 kW. Der Drehstrom-Synchrongenerator mit einer Nennleistung von 8.500 kVA wurde von der ELIN Union hergestellt und montiert. Die Notstromversorung der Werke St. Georgen und Bodendorf stellt ein Volvo-Dieselmotor mit einem Hitzinger 135 kVA-Generator im Krafthaus Bodendorf sicher.

Transformatoren
Ebenfalls von der ELIN Union wurde der 8.500 kVA-Maschinentransformator 1985 geliefert. Er spannt die gewonnene Energie von 3,5 kV auf 30 kV um, der Abtransport erfolgt über Freileitungen nach Kreischberg, Murau und zum Kraftwerk Bodendorf. Die Eigenbedarfsversorgung gewährleistet ein 1985 von Siemens hergestellter 160 kVA-Dreiphasen-Transformator. Er verbindet die 400 V- mit der 30 kV-Spannungsebene.

Wehranlage
Die zweifeldrige Wehranlage ist mit geschweißten Drucksegmenten mit Aufsatzklappe von Waagner-Biró ausgestattet. Jedes Wehrfeld ist 11,5 m breit und weist eine Verschlusshöhe von 8,5 m auf. Die Hebung und Senkung der Schützen erfolgt mittels ölhydraulischer Zugzylinder, das Umlegen und Aufstellen der Klappe mittels mittig angeordneter Druckzylinder. Die elektronische Steuerung wurde von Siemens, die Wehrhydraulik von Rexroth geliefert.

Hubwerke
Die Maschinenhalle wird von einem Brückenkran von Künz (Baujahr 1984) mit Hubwerken zu 30 t und 10 t Traglast bestrichen. Zum Versetzen der Oberwasser-Dammbalken befindet sich am Landfeld neben der Wehranlage ein 2 x 10 t-Bockkran der Firma Stahl.

Rechenreinigung
Die Firma Künz lieferte einen Putzwagen mit Putzharke, der manuell zu betätigen ist. Das Treibgut wird in einen Container oder Anhänger befördert, der unter dem Wagen mitgeführt wird. Zusätzlich können mit einem 2 x 10 t-Kran am Putzwagen die Notverschlüsse der Turbineneinläufe gesetzt werden.