Laufkraftwerk Weyer

Das Laufkraftwerk Weyer ist im Gemeindegebiet von Weyer in Oberösterreich gelegen.

Technische Beschreibung

Die Staustufe Weyer liegt an den „Weyrer Bögen“ der Enns zwischen den beiden Kraftwerken Schönau und Großraming. Sie besteht aus dem Wehrkraftwerk Weyer und dem Ausleitungskraftwerk Weyer, die durch einen 500 m langen Triebwasserstollen miteinander verbunden sind.

Auf einen Blick:

Eigentümer: Ennskraftwerke AG
Betreiber: Ennskraftwerke AG
Inbetriebnahme: 1969
Typ: Laufkraft
Region: Österreich, Oberösterreich
Gewässer: Enns
Leistung: 36,8 MW
Jahreserzeugung: 159.600 MWh
Turbinen: Kaplan 

Weiterführende Informationen

Mit Erkenntnis des Verwaltungsgerichtshofes vom 28. März 1963 wurde dem von der Steirischen Wasserkraft- und Elektrizitäts-AG (STEWEAG) entwickelten Fünf-Stufen-Projekt an der „Mittleren Enns“ gegenüber dem von der Ennskraftwerke AG (EKW) geplanten Großspeicherprojekt „Kastenreith“ der Vorzug gegeben. Die Staustufe Weyer ist
eine der fünf Stufen, die man an Stelle des Großprojektes „Kastenreith“ errichtete. Von diesen befinden sich die Kraftwerke „Altenmarkt“, „Krippau“ und „Landl“ in der Steiermark, die Stufen „Kleinreifling“ und „Kleinkastenreith“, die schließlich in „Schönau“ und „Weyer“ umbenannt wurden, liegen auf der oberösterreichischen Seite. Die Kraftwerke Schönau und Weyer wurden entsprechend der flussabwärts gelegenen, bereits voll ausgebauten und im Schwellbetrieb geführten Ennskraftwerke konzipiert. Auf Grund der beengten Platzverhältnisse errichtete man ein Ausleitungskraftwerk mit einem Pfeilerkraftwerk als Wehranlage. Da die Österreichischen Bundesbahnen (ÖBB) die von Eisenerz nach Linz führende Bahnstrecke elektrifizieren wollten, traf die Ennskraftwerke AG (EKW) mit den ÖBB eine Vereinbarung zur Lieferung von Bahnstrom aus dem Ausleitungskraftwerk Weyer. Das Übereinkommen wurde nach dem Vorbild der Bahnstrom-Lieferung aus dem Ennskraftwerk St. Pantaleon abgeschlossen. Nach der Einreichung des Kraftwerksprojektes beim Land Oberösterreich am 20. Juni 1963 fanden im Jahr 1964 die wasserrechtlichen Verhandlungen mit dem Amt der  oberösterreichischen Landesregierung und Verhandlungen mit der Steirischen Wasserkraft- und Elektrizitäts-AG (STEWEAG) zur Koordinierung der Stufen Weyer und Schönau mit den drei Oberliegerkraftwerken in der Steiermark statt. Am 5. April 1966 erfolgte die wasserrechtliche Genehmigung des Ausleitungskraftwerkes und am 17. April beschloss der Aufsichtsrat der Ennskraftwerke AG die Ausführung. Die Planungsarbeiten führte das Hochbau-Büro der EKW gemeinsam mit der Abteilung „AZw Linz“ der Siemens Ges.m.b.H durch, der architektonische Entwurf stammt von Arthur Perotti. 

Am 26. Juli 1966 begannen die Arbeiten mit dem Anschlagen des Triebwasser-Stollens. Auf den Durchstich am 24. November 1966 folgte bis Juli 1967 die Fertigstellung. Der Stollen wurde vom Revisionsstollen her vorgetrieben, im Bereich des Stolleneinlaufs bei der linken Wehrwange mussten Sprengungen unmittelbar neben der neuen Hangbrücke der Bahnlinie vorgenommen werden. Erst nach dem Aussprengen der Krafthausbaugrube wurde das letzte Stück des Triebwasserstollens zur Einlaufspirale der Turbine durchgebrochen. Im August 1967 begann man mit dem Abtragen des Felsens im Bereich des Krafthauses und im Jänner 1968 mit dem Fundamentaushub in einer abgedichteten Baugrube. Nachdem im Juni 1968 der Felsaushub beendet war, konnte mit den Betonierarbeiten im Saugschlauch begonnen werden. Im Dezember 1968 waren die Arbeiten an der Maschinenhalle samt Betonierung des Daches abgeschlossen. Im Jänner 1969 montierte man den Hallenkran, und im März 1969 begannen die Hauptmontagearbeiten an der Turbine. Das Einfahren des Polrades des Einphasenstrom-Generators fand am 7. August 1969 statt, und am 17. August 1969 begannen der Aufstau und die Flutung des Triebwasserstollens. Nach einem Probelauf des Maschinensatzes am 20. Oktober 1969 erfolgte die Inbetriebnahme am 25. Oktober 1969 und die erste Bahnstrom-Lieferung bei Erreichen des Vollstaus am 3. November 1969. Der Einphasen-Maschinensatz des Ausleitungskraftwerks, der Strom für die Bahnlinie liefert, wird als „Maschine I“ bezeichnet. Restarbeiten und Baustellenräumung waren im Mai 1970 abgeschlossen, sodass am 4. Juli die feierliche Inbetriebnahme des Kraftwerks begangen werden konnte.

Architektur: Arthur Perotti
Planung: Siemens Ges.m.b.H., Abteilung AZw Linz, Hochbau-Büro der Ennskraftwerke AG
Ausführung: Arbeitsgemeinschaft Mayreder, Linz, Hamberger, Linz, Union Baugesellschaft, Wien, Triebwasserstollen:
G. Hinteregger & Söhne, Salzburg – Niklasdorf

Turbinen und Generatoren:
Der vertikal eingebaute Einphasenstrom-Maschinensatz im Krafthaus wurde von den Firmen J.M. Voith in St. Pölten und VÖEST in Linz 1969 montiert. Die Kaplan-Turbine weist eine Ausbauleistung von 18.549 kW auf, der direkt gekuppelte Synchrongenerator von Elin besitzt eine Nennscheinleistung von 23.800 kVA. Auf Wunsch der ÖBB wurde
zur Eigenbedarfsversorgung ein Notstromdieselsatz im Ausleitungskraftwerk aufgestellt.

Transformator:
Das Werk verfügt zur Hochspannung von 9 kV auf 121 kV über einen 23.800 kVA-Maschinentransformator von Elin. Der Strom wird in die 110 kV-Leitung Amstetten-Küpfern der Österreichischen Bundesbahnen eingespeist.

Hubwerke:
Aufgrund der Form des Maschinenhauses wurde der Kran der Waagner-Biró AG als Rundlaufkran ausgebildet. Er dreht sich innen über ein Axial-Pendelrollenlager mit 110 t Tragkraft auf einer 8,3 m hohen Betonsäule und läuft außen auf einer Kreisschiene, die auf Konsolenträgern an der Krafthaus-Außenwand angeordnet ist. Der Rundlaufkran hat ein
Hubwerk mit einem Doppelhaken für 125 t und einen 5 t-Elektrozug als Hilfshubwerk.

Rechenreinigung
Die Rechenreinigungsmaschine der VÖEST weist eine maximale Traglast der Putzharke von 3 t auf. Der Schwemmzeug-Schlepprechen besitzt eine Lückenweite von 250 mm und 2,5 m Ausladung. Er ist um eine waagerechte und in abgesenktem Zustand zusätzlich noch um eine senkrechte Achse schwenkbar.

Die Staustufe Weyer liegt an den „Weyrer Bögen“ der Enns zwischen den beiden Kraftwerken Schönau und Großraming. Sie besteht aus dem Wehrkraftwerk Weyer und dem Ausleitungskraftwerk Weyer, die durch einen 500 m langen Triebwasserstollen miteinander verbunden sind. Das Krafthaus des Ausleitungskraftwerks Weyer ist flussabwärts der Mündung des Gaflenzbachs nach der Biegung des Flusslaufs nach Nordwesten gelegen. Erschlossen wird das Kraftwerk von der am linken Ufer entlangführenden Straße nach Küpfern, die über die Kastenreither Ennsbrücke führt.

Krafthaus:
Das im Grundriss viertelkreisförmige Krafthaus ist direkt in die anschließende Felswand eingeschnitten und mit einem flachen Pultdach abgeschlossen. Westlich schließt ein flacher Nebentrakt mit Räumen für technische Hilfseinrichtungen an. Die Gesamtlänge des bis zu 30 m breiten Gebäudes beträgt etwa 66 m, die Höhe 40 m, wobei der Baukörper etwa 20 m über das Geländeniveau aufragt. Für die Sichtbeton-Fassade wurden die Fugen der Bretterschalung, die man im Sockelbereich horizontal verlegte, sichtbar belassen. Die natürliche Belichtung der Maschinenhalle beschränkt sich auf ein Fensterband an der Basis des Baukörpers. Der seitlich vorgelagerte, niedrigere Treppenhausturm wiederholt das Zylindermotiv und enthält eine halbgewendelte Stiege. Die Erschließung der Maschinenhalle erfolgt durch ein Einfahrtstor an der östlichen Seite, das die gleiche Sturzhöhe wie das anschließende Fensterband besitzt. Die auf annähernd viertelkreisförmigem Grundriss errichtete Halle ist im Süden und Westen im Bereich der gerade verlaufenden Wände von massiven Betonmauern begrenzt. An der gegen Norden gerichteten, gekrümmten Außenwand tragen schlanke Betonstützen die bogenförmig gekrümmte Konsole des Rundlaufkranes. Die Zwischenräume der Stützen werden vom Einfahrtstor und drei breiten Fensterflächen eingenommen, die bis zum Niveau des Hallenbodens reichen. Die Rippenbalkendecke liegt auf strahlenförmigen Unterzügen, an denen Kunstlicht-Röhren montiert sind. Das zylinderförmige Gehäuse des Einphasenstrom-Generators weist einen Durchmesser von 10 m auf. Als Zugang zum Rundlaufkran dient eine an die Betonsäule des Kranträgers anschließende, aus Betonelementen zusammengesetzte Wendeltreppe. Der Tiefbau des Krafthauses wird von der Turbine und dem Saugrohr eingenommen, im Untergeschoss ist außerdem der Reglerraum angeordnet.

Nebentrakt:
Der dreigeschossige Nebentrakt enthält im Erdgeschoss Räume für Relais und für die Eigenbedarfs-Versorgung, Im Obergeschoss Fernmelde- und Fernsteuerungs-Räume, und im Untergeschoss einen Druckluftraum und den Eigenbedarfs-Transformator. Anschließend sind Lagerräume, und ein Dieselraum, sowie die Transformatornische und der Eingang zum Revisionsstollen der Triebwasserführung untergebracht. In der am rechten Ufer flussaufwärts liegenden Taverne Kastenreith befinden sich Museumsräume der Ennskraftwerke.

Triebwasserweg:
Ein 500 m langer Stollen mit einem Durchmesser von 7,2 m führt vom Wehrkraftwerk zum Ausleitungskraftwerk. Vor dem Krafthaus des Ausleitungskraftwerks zweigt linkerhand ein Revisionsstollen ab, der westlich des Krafthauses den Felsen durchstößt.

Krafthaus:
Das Krafthaus steht im Hanganschnitt des massiven Hierlatzkalkes, in dem sich offene, tongefüllte Klüfte befinden. Um das Abrutschen einer Felsschwarte gegen das Krafthaus zu verhindern, setzte man dem Fels eine mit Vorspannankern gesicherte, stufenförmig dem Felsverlauf angeglichene Betonmauer vor. Aus der überhängenden Felswand wurden
etwa 2.800 m³ Steinmaterial abgetragen. Die Einlaufspirale der Turbine besteht zur Gänze aus Beton. Zur Entlastung der Einlaufsohle und der Wände vom Sohlwasserdruck baute man Drainagen ein. Die Mauern des Krafthauses wurden aus Stahlbeton errichtet, wobei die für den Beton verwendeten Zuschlagstoffe zum Großteil aus der Enns stammen.
Bei der Kiesaufbereitung ergab sich ein Problem durch die große Menge an Holzteilen, die sich nach Hochwasser im Kies des Flussbettes abgelagert hatten. Da kleinere, bis zu 5 mm lange Holzteile nicht ausgesiebt werden konnten, gelangten diese auch in den Beton. Jedoch beträgt der Anteil des Holzes an den Zuschlagstoffen nur 1 bis 2 % und beeinträchtigt nicht die Betonqualität. Als Zement kam Portlandzement aus dem Werk Kirchdorf zum Einsatz.Der Sichtbeton der Umfassungswände in der Maschinenhalle ist gestrichen, der Boden mit roten Klinkerplatten belegt. Die Decke der Maschinenhalle ist aus Stahlbeton-Rippenbalken konstruiert. Da das Krafthaus unterhalb einer hohen Felswand liegt und durch Steinschlag gefährdet ist, verwendete man für die Dachdeckung eine Poly-Butyl-Kautschuk-Kunstharzfolie, die gegen herabfallende Steine resistent ist und sich im Fall einer Beschädigung leicht reparieren lässt. 

Das Fensterband an der Unterwasser-Seite der Maschinenhalle besteht aus grün gefärbtem Profilbauglas.

Triebwasserstollen:
Der Triebwasserstollen verläuft zum Großteil im Hierlatzkalk-Hauptdolomit-Verband. Ein im Zuge der Vortriebsarbeiten freigelegter Höhlengang wurde mit einer Betonplombe verschlossen. Der Stollen ist zur Gänze mit Beton ausgekleidet.