Speicherkraftwerk Häusling

Das VERBUND-Kraftwerk Häusling ist ein Pumpspeicherkraftwerk und in der Ortschaft Brandberg in der Gemeinde Mayrhofen in Tirol gelegen. Es wurde von 1974 bis 1987 erbaut.

Technische Beschreibung 

Das Krafthaus Häusling wurde mit seiner Längsseite in den steil abfallenden Felshang hineingebaut. Die größte Höhe des Krafthauses beträgt fast 64 m. Das rund 40 m tiefe Schachtbauwerk besteht aus einem freistehenden Stahlbeton-Zylinder mit einem Außendurchmesser von 32,8 m. Im Krafthaus sind zwei Maschinensätze mit vertikaler Welle (Gesamthöhe rund 40 m) und einer Engpassleistung von zusammen 360.000 kW installiert, die aus je einem Motorgenerator, einer Francis-Turbine sowie einer 2-stufigen, 1-flutigen Pumpe und einem hydraulischen Wandler bestehen. Der erzeugte Strom wird über eine SF6-gasisolierte 220-kV-Innenraumschaltanlage und über die 220-kV-Freileitung zur Freiluftschaltanlage Mayrhofen übertragen.

Speicher Zillergründl

Das Stauziel des Speichers Zillergründl mit einem Nutzinhalt von 86,7 Mio. m3 liegt auf 1.850 m Seehöhe. Das Abschlussbauwerk bildet eine doppelt gekrümmte Bogenmauer.

Auf einen Blick:

Eigentümer: VERBUND Hydro Power GmbH
Betreiber: VERBUND Hydro Power GmbH                                 
Inbetriebnahme: 1988
Typ:  Pumpspeicherkraftwerk
Region: Österreich, Tirol
Gewässer: Ziller
Leistung: 360 MW
Jahreserzeugung: 188.676 MWh
Turbinen: Francis (2)
Fischwanderhilfen:                      nein

Detailinformationen zu Geschichte, Bau und Technik

Der Ausbau des schon früher bekannten Wasserkraftpotenzials wurde im Rahmen des reichsdeutschen Aufrüstungsprogrammes 1939 begonnen. Schon der damalige
Rahmenausbauplan sah die Errichtung eines Oberstufenkraftwerkes mit einem Jahresspeicher vor. Von 1939 bis 1948 wurde von der TIWAG die Unterstufe des Gerloskraftwerkes mit dem Wochenspeicher Gmünd errichtet.

Die Nutzung der Wasserkraft der Zillertaler Alpen wurde 1947 im 2. Verstaatlichungsgesetz an eine Sondergesellschaft von VERBUND, die damalige Tauernkraftwerke AG, übertragen. Da die Aktien der TIWAG im Eigentum der Alpen-Elektrowerke AG standen und Rückstellungsverfahren noch abzuwarten waren,
wurden die beiden Kraftwerke Bösdornau und Gerlos erst 1953 ins Eigentum dieser Sondergesellschaft übertragen. Als sie 1963 mit dem Bau einer Oberstufe zum Kraftwerk Gerlos begann, war der erste Schritt zum Ausbau der Wasserkraftnutzung im Zillertal durch VERBUND getan.
Die Ausbaupläne aus den 1920er-Jahren wurden optimiert und 1965 wurde mit den Bauarbeiten für die Speicherkraftwerke Zemm-Ziller mit den Kraftwerken Roßhag und Mayrhofen begonnen. Mit der Fertigstellung des Speichers Zillergründl und dem Pumpspeicherkraftwerk Häusling im Jahr 1987 war die leistungsstärkste Speicherkraftwerksgruppe Österreichs vollendet. 

Architektur: Konrad Aufhammer

Planungsstab der Tauernkraftwerke AG: Kurt Rienößl, Heimo Stäuble, Richard Widmann, Johann Heinrich. 

Bauleitung: Josef Schlosser, Hans Döpper, Rudolf u. Diblik.

Ausführung: ARGE Krafthaus Häusling (Alpine Bauges.m.b.H., Salzburg, und Tiefbauges.m.b.H., Bruck)
 
Das 35 m tiefe Schachtbauwerk des Krafthauses Häusling besteht aus einem freistehenden Stahlbeton-Zylinder mit einem Außendurchmesser von 32,8 m, der zur Gänze auf Fels gegründet ist. Mit dem Fels des dahinter liegenden Hanges hat das Gebäude keine unmittelbare Verankerung. Im Erdgeschoß und im ersten Obergeschoß sind an der Bergseite Hydraulikpolster eingebaut, die das Übertragen von Spannungen verhindern - eine Bauweise, die aus den Erfahrungen mit dem Bau des Krafthauses Roßhag entwickelt wurde. Der Dachanschluss der Maschinenhalle an den Hang erfolgte durch einen begehbaren Anker- und Gerinnebalken, über den auch die Hang- und Dachwässer über einen Fallschacht in den Entwässerungskanal geleitet werden.
  
Die Gebäude sind in schalreinem Ortbeton unter Verwendung von Beton-Fertigteilen im Bereich der Dachkanten hergestellt. 
Die Maschinenhalle besitzt eine Betonrippendecke, sie ist im Inneren mit heller Beschichtung versehen, Boden und der untere Teil der Wände sind mit einem Belag aus rötlichen Klinkerplatten ausgestattet.

Im Kraftwerk Häusling befinden sich zwei Maschinensätze, bestehend aus je einem Motorgenerator der Firma Elin mit einer Betriebsspannung von 20 kV, einer Francis-Turbine mit vertikaler Welle der Maschinenfabrik Andritz, einer zweistufigen, einflutigen Pumpe von J. M. Voith aus dem Jahr 1986 mit Kugelschieber von VOEST ALPINE aus dem Jahr 1985 und einem hydraulischen Wandler. Die Nennleistung beträgt zusammen 360.000 kW. Die neun Rück- und Entwässerungspumpen wurden von der Pumpenfabrik Ernst Vogel erzeugt. 

Die zwei kuppelbaren Kräne der Firma Liebherr aus dem Jahr 1983 besitzen eine Tragkraft von 130/25/5 t, ein weiterer Kran für 95/5/5 t Tragkraft befindet sich im dritten Untergeschoß in der hangseitigen Kugelschieberhalle. 

Das Kraftwerk Häusling wird, wie alle anderen Kraftwerke der Gruppe Zemm-Ziller, von der zentralen Warte in Mayrhofen gesteuert.

Die Energie wird mit einer 220 kV-Innenraum-Schaltanlage hochgespannt und über eine 220 kV-Freileitung zur Freiluft-Schaltanlage Mayrhofen übertragen.
 
Das Krafthaus Häusling ist eine Weiterentwicklung der Konstruktion des Krafthauses Roßhag. Ähnlich gelöst ist bei beiden Krafthäusern die Einbindung in die Umgebung durch Eintiefung in eine Felswand und begrünte Flachdächer. Für Architekt Konrad Aufhammer war die Einbindung der Kraftwerksarchitektur in die Landschaft eine der wichtigsten Gestaltungsaufgaben. Unter Rücksichtnahme auf die Bauten der unmittelbaren Umgebung mit der Kirche "Maria im Schnee" und dem Gasthof "Häusling" versuchte er, eine Architektur ohne repräsentativen Anspruch zu entwerfen. Eine Maxime war, die sichtbaren Baumassen möglichst klein zu halten und eine möglichst niedrige Silhouette zu erzeugen. 

Die Kraftwerksgruppe Roßhag, Häusling und Mayrhofen gehört zu den leistungsfähigsten Speicherkraftwerksgruppen Österreichs.
 

Querschnitte:

Querschnitt VERBUND-Kraftwerk Häusling
Kraftwerk Häusling: Querschnitt
VERBUND-Kraftwerk Häusling Querschnitt Sperre Zillergründl
Kraftwerk Häusling: Querschnitt Sperre Zillergründl